Bistumsgeschichte und Glaubenskosmos im Fürstenberggrabmal

In dem Fürstenberggrabmal begegnet dem Betrachter ein grandioses Zeugnis einer Kunst „zwischen den Welten“: zwischen dem Mittelalter, das zu Ende gegangen war, und der aufziehenden Barockzeit. Heinrich Gröninger (um 1578 – 1631) schuf es von 1616 bis 1622 im manieristischen Stil* für seinen Bischof und Landesherrn, den Fürstbischof Dietrich (Theodor) von Fürstenberg (1585-1622). Noch zu dessen Lebzeiten von diesem selbst in Auftrag gegeben, verweist es mit seiner Höhe von 14,24 Metern auf das Selbstbewusstsein eines Kirchenfürsten der Gegenreformation. Ursprünglich hatte es seinen Platz an der Nordwand des Ostchores.

Das Grabmal macht deutlich, dass Dietrich sich eingebunden weiß in die Geschichte der Paderborner Kirche seit deren Anfang mit Karl dem Großen (768-814) und Heinrich II. (1002-1024), die beide als Figuren in den Seitenteilen des Altars zu sehen sind. Der Fürstbischof zieht auch eine deutliche Linie zu einem seiner großen Vorgänger, Bischof Meinwerk (1009-1036).

In der weiteren Gestaltung des Grabmals kommt zum Ausdruck, dass Dietrich an die Vergänglichkeit alles Irdischen aber auch und vor allem an die Verheißung der Auferstehung, den Sieg Christi über den Tod, glaubte. Im Mittelpunkt des Grabmals stehen die Reliefs der großen Auferstehungsvision des Propheten Ezechiel (Ez. 37) und darüber eine Darstellung der Auferweckung des Lazarus (Joh 11).

* Manierismus: Manierismus (ital. maniera: Stil, Manier) bezeichnet in der Kunstgeschichte die Übergangsform zwischen der Renaissance und dem Barock. In Deutschland umfasst er in etwa die Zeit zwischen 1560 und 1610.