Auf dem Weg vom „Versorger“ zum „Ermöglicher“

Monsignore Dr. Michael Bredeck (rechts) informierte zu Beginn des Teamkongresses über den anstehenden Paradigmenwechsel in den neuen pastoralen Räumen. Paderborn, 30. Januar 2012. Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den acht neuen pastoralen Räumen, die sich im Jahr 2011 auf den Weg gemacht haben, sind jetzt im Collegium Leoninum in Paderborn zu einem Teamkongress zusammen gekommen. Die Priester, Diakone und Gemeindereferentinnen und -referenten tauschten sich über den anstehenden Paradigmenwechsel in der Seelsorge aus, der das kirchliche Leben vor Ort neu ausrichten und zukunftsfähig machen soll. Der Teamkongress ist ein festes Element auf dem Weg zum neuen pastoralen Raum. An der Veranstaltung nahmen auch zahlreiche Gemeindeberaterinnen und -berater teil, die die Pastoralteams während des Prozesses begleiten.

Domvikar Dr. Michael Bredeck, Geschäftsführer der Lenkungsgruppe „Perspektive 2014“, nannte zu Beginn des Kongresses „Pluralisierung“ als wesentliches Kennzeichen des Paradigmenwechsels. In den neuen pastoralen Räumen werde es auf Dauer eine Vielzahl von Glaubensformen und -wegen geben. Auch die Rollen der Handelnden vor Ort seien von diesem Prozess betroffen: Die Art und Weise, wie Haupt- und Ehrenamtliche oder Priester und Laien ihre „Rollen“ ausübten, werde sich verändern und vervielfältigen. Eine entscheidende Leitfrage sei dabei, wie die in den Pastoralteams Tätigen den Wechsel von der Rolle der „Versorger“ zur Rolle der „Ermöglicher“ schafften. Er räumte ein, dass hier viel Konfliktpotential liege und der anstehende Weg lang sei. Auch sei ein striktes Gegenüber dieser beiden Rollenverständnisse wenig hilfreich.

Die Teams aus den neuen pastoralen Räumen tauschten sich untereinander über die größten Herausforderungen und wichtigsten Themen für ihre Arbeit aus. Äußerst wichtig für das Gelingen des Paradigmenwechsels sei die von Erzbischof Hans-Josef Becker auf den Weg gebrachte „Pastoral der Berufung“, fuhr Monsignore Dr. Bredeck fort. Sie stehe für ein verlässliches und verbindliches Miteinander von Menschen in unterschiedlichen Diensten, Ämtern und Charismen.

Der Paradigmenwechsel lasse sich nicht „von oben“ verordnen, so Dr. Bredeck weiter. Vielmehr müsse bei jedem einzelnen die Einsicht wachsen, dass Entwicklung notwendig sei. „Der Paradigmenwechsel kann nur schrittweise die Pastoral prägen“, sagte er. Wo man ihn aber annehme und aufgreife, würden ganz neue Dinge möglich. Dafür gebe es bereits viele Belege und Hinweise. Alle sollten aber wissen, dass die Hintergründe des Paradigmenwechsels Realität seien, ohne dass irgendwer dies beeinflussen könne.

Die Frauen und Männer aus den neuen pastoralen Räumen sammelten im Anschluss die aus ihrer Sicht größten Herausforderungen und wichtigsten Themen für ihre Arbeit vor Ort und kamen darüber in Gruppen ins Gespräch. Genannt wurde unter anderen die Frage, wie die Zeit des Übergangs gestaltet werden könne, in der sowohl das „alte“ Paradigma als auch das neue Paradigma in der Seelsorge vorhanden sei. Thematisiert wurde außerdem, dass die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in der Stadt und auf dem Land jeweils unterschiedliches kirchliches Handeln erforderlich mache. Auch die Frage nach der „geistlichen Grundlage“ wurde gestellt: Die Teilnehmer sprachen darüber, wie unter den Bedingungen des Paradigmenwechsels die Frage nach Gott gestellt und vor allem in anderen neu entzündet werden könne. Am Nachmittag fand ein moderiertes Plenumsgespräch statt, bevor die Teilnehmer in einer Einzelarbeit und in ihren jeweiligen Pastoralteams schon erste konkrete Vereinbarungen für die weitere Arbeit vor Ort trafen.

30 neue pastorale Räume sind auf dem Weg

An dem Teamkongress nahmen Pastoralteams aus jenen acht neuen pastoralen Räumen teil, die sich im Jahr 2011 auf den Weg gemacht haben. Die Teams kamen aus Büren, Bigge, Hüsten, Bad Berleburg, Wilnsdorf, Halle, Geseke und Bielefeld. Bereits 2010 starteten 13 neue pastorale Räume mit ihrer Arbeit in den neuen Strukturen, 2012 sind es neun. Damit sind ab Herbst dieses Jahres insgesamt 30 neue pastorale Räume auf dem Weg.