Preisträger 1977: Leo Tindemans

Während sich im Stiftungsjahr 1977 die nationalen Regierungen, Parteien und Bürger auf die Wahlen vorbereiteten, schien die Entwicklung der europäischen Institutionen seit einiger Zeit zu stagnieren. Schon im Dezember 1975 hatte der belgische Premierminister Leo Tindemans ein vielversprechendes Gutachten zur europäischen Entwicklung vorgelegt. Es ging von dem Grundgedanken aus: Europa muss gekennzeichnet sein von Offenheit für den Menschen und seine Personenwürde, seine Grundrechte und seine Freiheit. Es muß auch offen sein für jeden Teil der Wirklichkeit, der über das Meßbare, Konstruierbare, Erklärbare hinausreicht bis in die Tiefendimension des Kerns christlicher Botschaft. Der Autor des Gutachtens strebte für Europa eine Gesellschaftsordnung an, "die uns eigen ist und die Werte widerspiegelt, die zugleich Erbe und gemeinsame Schöpfung unserer Völker sind. Scheitern wir, so bringen wir unsere Demokratien in Gefahr und vererben unseren Kindern eine dekadente Gesellschaft", hieß es in dem Gutachten.

Diese klare Haltung Tindemans in der Europapolitik war der Grund, weshalb der Erzbischof diesem Politiker die erste Medaille überreichte. In der Verleihungsurkunde heisst es dazu: "Ihre praktische Politik ist geprägt durch Ihre christliche Glaubensüberzeugung. Das Gutachten zeugt von Ihrer Verwurzelung in der Soziallehre der Kirche. Sie ziehen daraus konkrete Folgerungen, die den Menschen in den Mittelpunkt auch der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung stellen. Sie bekräftigen zum Wohle aller die Grundwerte, wie sie von der Kirche vertreten werden."

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