Preisträgerin 1992: Freifrau Csilla von Boeselager

1989/1990 waren bewegende Jahre: der Eiserne Vorhang öffnete sich dank des Andranges der DDR-Flüchtlinge von Osten aus. Schon einige Jahre zuvor hatte Ungarn signalisiert, dass nun Hilfstransporte aus dem Westen möglich und willkommen seien. Kaum war das Signal angekommen, da ergriff Freifrau Csilla von Boeselager, selbst gebürtige Ungarin, die Initiative und organisierte die ersten Hilfstransporte. Ihr Einsatz mündete in die Gründung des "Ungarischen Malteser Caritas-Dienstes" - "zur Wahrung des Glaubens und zur Hilfe für Bedürftige" - zunächst in Deutschland, wenig später in Ungarn. Sie selbst wurde die erste Vorsitzende. Ihr Einsatz war so überzeugend, dass das Auswärtige Amt in Bonn und die deutsche Botschaft im August 1989 mit der Bitte an die damals schon Schwererkrankte herantraten, sich der unermeßlichen Zahl der Flüchtlinge aus der rasch zerfallenden DDR in Budapest anzunehmen. Was das an Aufopferung, Hingabe und Tatkraft erforderte, wird nur der ermessen können, der hinter den Zahlen die Gesichter der vielen einzelnen leidenden Menschen erkennt. Kaum einmal in der jüngeren Geschichte Europas ist der Dienst am Frieden so konkret gewesen. Csilla von Boeselager war die erste Persönlichkeit aus dem Erzbistum Paderborn und die erste Frau, der Erzbischof Degenhardt die Medaille überreichte.