Das Erzbistum Paderborn im Mittelalter

Herausragende Gestalt der Paderborner Bistumsgeschichte im Mittelalter: Bischof Meinwerk (Abb: Grabplatte aus dem Paderborner Dom)Foto: A. Hoffmann 772: Erster Sachsenzug des christlichen Frankenherrschers Karls des Großen (768-814)

774 Erste Missionsversuche in Sachsen

777 Karl der Große hält zum ersten Mal eine fränkische Reichsversammlung auf sächsischem Boden ab. Ort ist „Patrisbrunna“, das spätere Paderborn.

799 Bistumsgründung: Karl der Große empfängt in Paderborn Papst Leo III. Beide besiegeln auf einer synodalen Versammlung die Gründung des Bistums Paderborn sowie die der Sachsenbistümer Minden, Münster, Osnabrück, Verden und Bremen.

806: Hathumar wird erster Bischof von Paderborn (bis 815); u. a. gründet er die Domschule.

815: Badurad wird zweiter Bischof von Paderborn (bis 862).

822: Immunitätsprivileg Ludwigs des Frommen für Paderborn: das Bistum wird unter Königsrecht und Königsschutz gestellt und damit von anderen weltlichen Herrschaftsansprüchen befreit.

822: Gründung des Klosters Corvey

836: Übertragung der Reliquien des hl. Liborius von Le Mans nach Paderborn, „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ zwischen den Bistümern Le Mans und Paderborn

1000: Der Dom wird bei einer Brandkatastrophe zerstört.

1002: Kunigunde, Gattin König Heinrichs II., wird im Paderborner Dom zur Königin gekrönt.

1009: Meinwerk wird Bischof (bis 1036). Unter anderem wegen seiner immensen Bautätigkeit gilt er als zweiter Gründer des Bistums Paderborn. Seine Bauten prägen das Bild der Stadt Paderborn bis heute.

1015 Weihe des wiedererrichteten Doms; Gründung des Klosters Abdinghof

1031 Weihe der Abdinghofkirche

1036 Weihe der Busdorfkirche

1084: Die Auswirkungen des Investiturstreites erreichen auch Paderborn. 1083 hatte das Domkapitel Heinrich von Assel zum Bischof von Paderborn gewählt. Ein Jahr später krönte Gegenpapst Klemens III. den gebannten König Heinrich IV. zum Kaiser. Die Anhänger des Gegenpapstes sprechen Heinrich von Werl das Bistum Paderborn zu. Damit steht Bischof gegen Bischof. Heinrich von Assel geht schließlich in die Verbannung nach Magdeburg, wo er 1102 zum Erzbischof gewählt wird. Heinrich von Werl bleibt (jahrelang umstrittener) Bischof von Paderborn bis 1127.

1189: Graf Widukind von Schwalenberg-Waldeck, Vogt des Bistums Paderborn, stirbt während des dritten Kreuzzugs. Daraufhin übernimmt Bischof Bernhard II. von Ibbenbüren (1188-1204) die Vogtei des Bistums und übt als Landesherr auch das oberste Richteramt im Fürstentum aus. Damit erreicht die Entwicklung des Bischofsamtes zum Fürstbischof einen vorläufigen Abschluss. Bernhard fördert den systematischen Ausbau der Landeshoheit mit Burg- und Stadtgründungen. In der Folgezeit kommt es immer wieder zu Streitigkeiten mit den Kölner Erzbischöfen, die die Paderborner Fürstbischöfe als Konkurrenten betrachten.

1295: Mit dem Essener Frieden erhält Bischof Otto von Rietberg (1277-1307) vom Kölner Erzbischof das Recht, in seinem Territorium weitere Städte zu gründen und zu befestigen – ein bedeutender Schritt zur Sicherung der Landeshoheit, die unter den folgenden Bischöfen immer weiter ausgebaut wird.

1429: Papst Martin V. hebt das Bistum Paderborn auf Betreiben des Kölner Fürsterzbischofs Dietrich von Moers, damals Administrator Paderborns, auf. Nach Widerstand des Paderborner Domkapitels nahm Papst Eugen IV. die Aufhebung zwei Jahre später wieder zurück.