„Der solidarischen Verantwortung für das Leben gerecht werden“

Erzbischof Hans-Josef Becker zur „Woche für das Leben“ 2018 mit dem Leitwort „Kinderwunsch. Wunschkind. Unser Kind!“

Plakat zur \ Paderborn, 13. April 2018. Vom 14. bis 21. April 2018 findet die diesjährige ökumenische „Woche für das Leben“ statt, zu der die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) einladen. Sie steht unter dem Leitwort „Kinderwunsch. Wunschkind. Unser Kind!“ und ruft zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Methoden der Pränataldiagnostik auf. Es sei wichtig, die Zuwendung zum Leben nicht von Diagnosen und Prognosen abhängig zu machen, vielmehr der solidarischen Verantwortung für das Leben gerecht zu werden, betonte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Stellungnahme zur Eröffnung der „Woche für das Leben“. „Diese solidarische Verantwortung ist Auftrag und Maßstab zugleich: Nicht die Selektion des Kindes, sondern nur eine weitreichende Inklusion der Familien mit behinderten oder kranken Kindern wird eine im tiefsten Sinne des Wortes menschenwürdige Gesellschaft herbeiführen.“      

Oftmals sei die Zeit der Schwangerschaft für viele Frauen und Paare mit Fragen und Sorgen um die Entwicklung des Kindes im Mutterleib verbunden, führt der Paderborner Erzbischof in seiner Stellungnahme aus. Denn nicht immer werde der Wunsch, dass ein Kind gesund zu Welt komme, auch Erfüllung finden. Umso wichtiger werde die eigene Einstellung dem Kind gegenüber, es in der Welt willkommen zu heißen. Im Hinblick auf die Schwangerenvorsorge und die damit verbundene Pränataldiagnostik unterstrich Erzbischof Becker: „Die medizinischen Untersuchungen sind eine wertvolle Hilfe, um den werdenden Eltern Gewissheit über die gesunde Entwicklung ihres Kindes zu geben und auf Komplikationen in der Schwangerschaft frühestmöglich reagieren zu können. Doch nicht für alle Diagnosen hält die Medizin auch eine entsprechende Therapie bereit. Auffällige Befunde können die Eltern mit schwerwiegenden Sorgen und Ängsten im Blick auf die gemeinsame Zukunft als Familie belasten. Und nicht selten führt eine solche Diagnose, die zum Beispiel eine genetische Erkrankung oder Behinderung des Kindes feststellt, zur vorzeitigen Beendigung der Schwangerschaft und damit zur Tötung des ungeborenen Kindes.“  

Erzbischof Hans-Josef BeckerpdpDer Paderborner Oberhirte macht in seiner Stellungnahme darauf aufmerksam, dass sich in der Gesellschaft schon längst eine Mentalität entwickelt habe, die das Lebensrecht eines ungeborenen Kindes an Kriterien wie Gesundheit und Leistungsfähigkeit messe und binde. Zudem führe die Bereitstellung von nicht-invasiven Testverfahren zur vorgeburtlichen Diagnostik dazu, dass gezielt nach „unerwünschten Merkmalen“ gefahndet werden könne. „Das Existenzrecht des ungeborenen Kindes gerät so in den Sog, von den Interessen der Eltern abhängig gemacht zu werden. Das sind schwerwiegende Entwicklungen, die uns alle betreffen, denn sie haben grundlegende Auswirkungen auf unseren Umgang mit all denjenigen Kindern und Erwachsenen, die ihr Leben mit Behinderung oder Krankheit meistern“, warnte Erzbischof Becker. Jede und jeder sei aufgerufen, durch seine Haltung und Handlung an einer lebensbejahenden Gesellschaft mitzuwirken.  

Er danke allen Menschen, die sich für eine solche Gesellschaft engagieren und betroffenen Eltern und Familien mit Rat und Tat zur Seite stehen, so der Paderborner Oberhirte. Sein Dank gelte ebenso allen Mitarbeitenden in den Beratungsstellen, die sich der Sorgen und Ängste der schwangeren Frauen annehmen und ihnen und ihren Familien eine hilfreiche Unterstützung anbieten, mit dem Kind den Weg ins Leben zu gehen.      

Gottesdienst zur bundesweiten Eröffnung  

Der Gottesdienst zur bundesweiten Eröffnung der ökumenischen „Woche für das Leben“ 2018 wird am Samstag, 14. April 2018, um 11 Uhr im Dom St. Peter zu Trier mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und dem Ratsvorsitzenden der EKD, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, sowie dem Bischof von Trier, Bischof Dr. Stephan Ackermann, und dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, gefeiert.      

Stichwort „Woche für das Leben“  

Die „Woche für das Leben“ geht auf eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zurück, die in besonderer Weise auf den „Schutz des ungeborenen Lebens“ (so auch das Motto der ersten „Woche für das Leben“ im Jahr 1991) aufmerksam machen wollten. Damit setzten sie den Beginn einer bis heute einzigartigen Initiative. 1994 schloss sich der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland der Aktion an. Mittlerweile ist die Initiative ein Plädoyer für die Würde und den Schutz des menschlichen Lebens in all seinen Phasen. Kirchengemeinden, Einrichtungen und Verbände in allen 27 Bistümern und 24 evangelischen Landeskirchen nehmen an der „Woche für das Leben“ teil und machen sie damit bundesweit bekannt.

www.woche-fuer-das-leben.de      

Download der vollständigen Stellungnahme