„Die ‚Zeit ohne Glocken‘ ist für Paderborn bald vorbei“

Die zwei neuen Glocken für den Paderborner Dom wurden am Ostermontag von Erzbischof Hans-Josef Becker geweiht

Weihe große Domglocke Erzbischof Hans-Josef Becker inzensiert die neuen Domglocken mit Weihrauch als Ausdruck der festlichen Freude, die mit der Weihe verbunden ist. Zudem soll das Aufsteigen des Weihrauchs das Emporsteigen der Gebete zu Gott symbolisieren.pdp/Ronald Pfaff Paderborn, 2. April 2018. Sie haben einen langen Weg hinter sich – 231 Kilometer um genau zu sein, denn so weit ist die Königliche Glockengießerei Eijsbouts in den Niederlanden von Paderborn entfernt und dort wurden die neuen Glocken für den Paderborner Dom gegossen. Doch nicht nur auf die Entfernung bezogen sind die neuen Domglocken einen weiten Weg gegangen – die Idee, das Domgeläute um zwei Glocken zu ergänzen, ist die Verwirklichung eines Plans, der bereits seit Ende des Ersten Weltkriegs besteht. Die neuen Domglocken „Jesus Christus – Unser Friede“ und „Maria – Trösterin der Betrübten“ haben nun von Erzbischof Hans-Josef Becker ihren Segen für ihren zukünftigen Dienst im Westturm des Hohen Doms zu Paderborn erhalten.

Es ist noch keine sechs Uhr und die Paderborner Innenstadt dunkel und fast menschenleer, als der Schwertransport sich seinen Weg durch die engen Straßen bahnt. Die letzten Meter ihrer Reise zum Domplatz haben die neuen Glocken in aller Frühe des Ostermontags zurückgelegt, denn bevor sie zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurden, gab es noch einiges vorzubereiten. Ein Podest wurde rund um den Schwertransport gebaut, Blumenschmuck angelegt und die ersten von noch vielen folgenden Bilder geschossen – denn bis zum 8. April werden die große und die kleine Glocke am Ostgiebel des Doms stehen, sodass Jeder, der möchte, seine ganz eigenen Glocken-Fotos schießen kann.„Seit einem dreiviertel Jahr durchleben wir Paderborner eine ‚Zeit ohne Glocken‘. Die Glocken auf dem Domturm, der Hauptkirche der Stadt und des Erzbistums, sind verstummt“, sagte Erzbischof Hans-Josef

Weihe kleine Domglocke Auch die kleine Glocke „Maria – Trösterin der Betrübten“ wird von Erzbischof Becker für ihren zukünftigen Dienst mit Weihrauch inzensiert.pdp/Ronald Pfaff Becker in seiner Predigt am Nachmittag zur Glockenweihe, zu der über 1.000 Besuchern auf den Domplatz gekommen waren. Unmittelbar nach der Libori-Bruderschaftsandacht weihte der Paderborner Erzbischof die neuen Domglocken „Jesus Christus – Unser Friede“ und „Maria – Trösterin der Betrübten“ und bat Gott darum, die Glocken zu reinigen und für ihren Dienst in seinem Hause anzunehmen. Neben dem Besprengen mit Weihwasser, salbte Erzbischof Becker die Glocken siebenmal in Kreuzesform. So sollen sie für ihren Dienst nicht nur heiligende Kraft empfangen, die Salbung erinnere auch an die sieben Sakramente und die sieben Tageszeiten, zu denen das kirchliche Stundengebet erfolgt.

Weihe Zuschauer Über 1.000 Gläubige waren auf den Domplatz gekommen, um die Weihe der Domglocken mitzuverfolgen.pdp/Ronald Pfaff „Wie sie dem Tag Rhythmus und Struktur geben, so geben die Glocken Rhythmus und Struktur auch dem Leben. Taufe, Ehe, Weihe, Tod – all das wird begleitet durch den unterschiedlich gefärbten Klang der Glocken“, führte Erzbischof Becker weiter aus. Als das Domgeläute im vergangenen Sommer verstummte, war es für viele eine große Umstellung „und viele Menschen haben sich gefragt: Wie können wir Weihnachten feiern – ohne Domglocken? Wie können wir Ostern feiern – ohne Glocken? Wie können wir der Bombardierung unserer Stadt gedenken – ohne den dumpfen Klang der Totenglocke?“ Doch gab es vermutlich auch viele gegenteilige Stimmen, die sagten: „Endlich ist Ruhe! Endlich ausschlafen am Sonntag oder Feiertag, ohne vom Krach geweckt zu werden. Sie sehnen den Tag des ersten Läutens unseres neu zusammengesetzten Domgeläutes nicht herbei. Soll es doch immer so bleiben wie jetzt. Der Klang der Glocken passe nicht mehr in unsere Welt, sagen sie.“ Erzbischof Becker ist da jedoch anderer Meinung: „Gott sei Dank läuten sie bald wieder, sage ich mit voller Überzeugung. Gott sei Dank geben bald wieder die Glocken unserem Domturm die Stimme zurück. Seine stille Botschaft gehört laut und deutlich in die Öffentlichkeit unserer Stadt. Sie sollen die Gemeinde zum Gottesdienst rufen, die Mutlosen aufrichten, die Trauernden trösten und die Glücklichen erfreuen.“

Weihe große Glocke Erzbischof Becker besprengt die neuen Glocken mit geweihtem Wasser. Durch dieses Zeichen bittet er Gott, die Glocken zu reinigen und sie für ihren Dienst im Dom anzunehmen.pdp/Ronald Pfaff „Die ‚Zeit ohne Glocken‘ ist für Paderborn bald wieder vorbei. Es ist mein Wunsch, dass ihr zukünftiger Klang nicht nur die Ohren, sondern vielmehr die Herzen aller Menschen in unserer Stadt erreicht durch viele Generationen“, drückte Erzbischof Becker seinen persönlichen Wunsch aus. Er bedankte sich zudem ausdrücklich bei allen Spenderinnen und Spendern, die durch ihre Spende ein eindeutiges Glaubenszeugnis abgelegt und so schon 90 Prozent der Kosten finanziert haben.

13.520 und 1.008 Kilogramm bringen die Glocken nun auf die Waage und sollen in Zukunft als „Klangkrone” und „Klangteppich” das Domgeläute vervollständigen. Wenn sie Ende Mai in den Domturm gezogen werden und am 21. Juli zum ersten Mal erklingen, erfüllt sich für Viele ein Jahrzehnte alter Traum.

O-Ton - Dompropst Monsignore Göbel:
Dompropst.mp3

Sehen Sie hier noch einmal alle Hintergrundinformationen und die wichtigsten technischen und musikalischen Daten der Glocken:
Ein musikalisch einwandfreies Geläut