„Der Stein unserer Schuld ist weggewälzt“

Erzbischof Hans-Josef Becker predigt in der Osternacht im Hohen Dom über die befreiende Kraft der Osterbotschaft

Erzbischof Hans-Josef Becker entzündete zu Beginn der Feier der Osternacht im Hohen Dom zu Paderborn im Paradiesportal des Domes die Osterkerze.Foto: pdp/Maria Aßhauer Paderborn, 31. März 2018. „Das ist eine unerhörte Botschaft: Aus dem Grab geht Leben hervor. Es ist das Leben, nach dem wir so hungern. Mit dem Stein vor dem Grab Jesu sind unsere Grabsteine weggewälzt, denn Jesus Christus ist nicht für sich allein erstanden.“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt bei der Feier der Osternacht im Hohen Dom zu Paderborn, die zahlreiche Gläubige besuchten. Zu Beginn der Osternacht wird in der katholischen Kirche das „Licht Christi“ in die Gotteshäuser getragen und von den Gläubigen weitergegeben. Erzbischof Becker entzündete am Abend des Karsamstags vor dem Paradiesportal des Doms die Osterkerze und eröffnete damit die Feier der Osternacht.      

„Aus dem Grab geht Leben hervor. Es ist das Leben, nach dem wir so hungern“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt.Foto: pdp/Maria Aßhauer Der Stein vor dem Grab Jesu sei nach biblischer Überlieferung sehr groß und schwer gewesen, so Erzbischof Becker zu Beginn seiner Predigt. „Auch im Leben verstehen wir es, solche Steine aufzurichten, nämlich Grabsteine der eigenen Hoffnung und Grabsteine der Hoffnung anderer. Wie oft hört man: ‚Das ist mein letztes Wort‘ oder ‚Verzeihen kann ich nicht‘“, erinnerte der Paderborner Oberhirte an die alltäglichen „Steine der Hoffnungslosigkeit und Unversöhnlichkeit“. Gerade auch der „Stein des Sterbenmüssens“ oder der „Stein der Sünde und Schuld“ wiege nach menschlichem Ermessen zu schwer. „Aus eigener Kraft können wir ihn wohl nicht wegwälzen oder abschütteln“, hielt Erzbischof Becker fest.  

Vor der Verkündung des Osterevangeliums wurde das mit einem Kranz geschmückte Kreuz in den Altarraum getragen und dort aufgestellt.Foto: pdp/Maria Aßhauer In diese Erkenntnis hinein jedoch ertöne die Osterbotschaft: „Als die Last übergroß geworden war für die Jünger, als sie ihre Hoffnung mit der Grablegung Jesu endgültig begraben hatten, als sie am Ende ihrer menschlichen Weisheit und Kraft waren, da zeigte sich die rettende Übermacht Gottes: Es gibt keinen Stein, der Ihn niederhalten könnte,“ so Erzbischof Becker. Der Grabstein werde dadurch für Christen zum Zeichen der Hoffnung.  

„Nehmen wir die Botschaft mit: Der Stein ist weggewälzt, wie immer er im Augenblick konkret für mich heißen mag. Wir sind nicht mehr eingeschlossen in den Käfig der tausend Vergeblichkeiten. Was wir in Gemeinschaft mit dem Auferstandenen beten, anstreben und tun, erhält durch Christus seinen bleibenden Sinn“, fasste Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Predigt zusammen.  

Vor der Osterkerze befragte Erzbischof Hans-Josef Becker die Gläubigen nach der Erneuerung ihres Taufversprechens.Foto: pdp/Maria Aßhauer Die Feier der Osternacht im Hohen Dom wurde musikalisch vom Chor der Dommusik unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning gestaltet. Die Sängerinnen und Sänger intonierten das „Benedictus“ der Osterlaudes von Ignaz Mitterer, das "Sicut cervus desiderat“ und das Sanctus aus der „Missa Papae Marcelli“ von Giovanni Pierluigi da Palestrina sowie Antwortpsalmen zur Osternacht von Thomas Berning. An der Orgel spielte Domorganist Tobias Aehlig.      

Hintergrund: Liturgischer Ablauf der Osternacht  
Die Feier der Osternacht gliedert sich in vier Haupteile. Im ersten Teil, der Lichtfeier, wird das Licht der Osterkerze in die Kirche getragen und dort von den Gläubigen weiter gegeben. Teil der Lichtfeier ist das Singen des „Osterlobs“ (Exsultet). Im zweiten Teil der Osternacht schließt sich der Wortgottesdienst an, bei dem Texte aus dem Alten und Neuen Testament vorgetragen werden. Im dritten Hauptteil, der Tauffeier, wird das Taufwasser geweiht und die Gläubigen erneuern ihr Taufversprechen. Als vierter Teil folgt die Feier der Eucharistie.