„Schwachheit kann auch beflügeln“

Frühjahrspriestertreffen: Rund 160 Geistliche erneuern in der Chrisam-Messe ihr Weiheversprechen im Hohen Dom

Die Priester zogen bei der Chrisam-Messe gemeinsam mit Erzbischof Hans-Josef Becker in den Hohen Dom ein und erneuerten während der Heiligen Messe ihr Weiheversprechen.Foto: pdp/ Maria Aßhauer Paderborn, 26. März 2018. Der Montag der Karwoche ist für Priester und inzwischen auch für Diakone aus dem Erzbistum Paderborn ein fester Termin im Kalender: Rund 160 Geistliche kamen heute zum traditionellen Frühjahrspriestertreffen in Paderborn zusammen. Eindrucksvoller Höhepunkt des Tages war auch in diesem Jahr der Moment, als die Geistlichen in der Chrisam-Messe im Hohen Dom vor Erzbischof Hans-Josef Becker ihr Weiheversprechen erneuerten. Am Vormittag hielt Monsignore Professor Dr. Wilhelm Tolksdorf, Lehrstuhlinhaber für Pastoraltheologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (KatHO NRW) in Paderborn, im Bildungs- und Gästehaus Liborianum einen Impulsvortrag zum Thema „Teilen und Teilhabe“.      

Erzbischof Hans-Josef Becker weihte in der Chrisam-Messe die Heiligen Öle.Foto: pdp/Maria Aßhauer Der Montag vor Ostern habe für die Geistlichen im Erzbistum Paderborn durch das Frühjahrspriestertreffen alljährlich eine besondere Bedeutung, sagte Erzbischof Becker zu Beginn seiner Predigt und dankte den Geistlichen für die Treue ihres Dienstes. Gerade in Zeiten, in denen das Ansehen des geistlichen Berufes nachgelassen habe, dürfe man die Verdienste der Diakone, Priester und Bischöfe nicht verstecken. „Sie, verehrte Mitbrüder, bemühen sich, Ihrer Berufung als Seelsorger in der Gemeinde, für Kranke oder sonstige Gruppen, in der Caritas, in der Schule oder in der Bildungsarbeit gerecht zu werden“, würdigte der Paderborner Erzbischof seine Mitbrüder.  

Priester des Erzbistums Paderborn trugen die Heiligen Öle in den Altarraum des Paderborner Domes.Foto: pdp/Maria Aßhauer Auch Geistliche seien Menschen mit Schwächen und dadurch bisweilen dem Vorwurf der Unglaubwürdigkeit ausgesetzt. „Die Gnade Gottes eröffnet jedoch oft gerade dort ungeahnte Wirkmöglichkeiten, wo wir mit unseren menschlichen Kräften an unsere Grenzen kommen. Schwachheit kann auch beflügeln, Anfechtung kann den Glauben stärken. Die Gegenwart des Leidens kann dem Leben tiefe und mitfühlende Reife verleihen“, fasste Erzbischof Hans-Josef Becker zusammen.  

An die Predigt schloss sich für die Priester die feierliche Erneuerung ihres Weiheversprechens an. Damit machten sie sich ihre Bereitschaft zum priesterlichen Dienst aufs Neue bewusst und bekräftigten diese vor Erzbischof Becker – so wie auch am Tag ihrer Priesterweihe.  

Erzbischof Hans-Josef Becker nahm die Gefäße mit den Heiligen Ölen im Altarraum von den Ölträgern entgegen.Foto: pdp/Maria Aßhauer Die Chrisam-Messe hat ihren Namen auch durch die dort vollzogene Weihe der Heiligen Öle, die das Jahr hindurch zu Weihen und zur Spendung von Sakramenten verwendet werden: Dazu zählen das Katechumenenöl für die Salbung der Taufbewerber, das Chrisam für die Salbung bei der Taufe, der Firmung und der Weihe sowie das Heilige Öl für die Krankensalbung. Die Gefäße mit den heiligen Ölen wurden von Priestern und Theologiestudenten in den  Altarraum getragen und Erzbischof Hans-Josef Becker übergeben, der die Öle weihte.  

„Durch den Priester wird die Kirche zum Raum für Jesus“, sagte Monsignore Professor Dr. Wilhelm Tolksdorf in seinem geistlichen Impuls im Bildungs- und Gästehaus Liborianum.Foto: pdp/Maria Aßhauer Neben Erzbischof Hans-Josef Becker als Zelebrant der Chrisam-Messe konzelebrierten Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Generalvikar Alfons Hardt, Msgr. Dr. Wilhelm Tolksdorf, Domvikar Dr. Rainer Hohmann als Leiter der Priesterfortbildung im Erzbistum Paderborn sowie aus dem Vorstand des Priesterrats Pfarrer Dr. Dr. Markus Jacobs und Pastor Dirk Salzmann. Musikalisch wurde die Messe von der Mädchenkantorei am Hohen Dom zu Paderborn unter der Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle und von Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel gestaltet.  

Bereits am Vormittag hatte Monsignore Prof. Dr. Wilhelm Tolksdorf in seinem Impulsvortrag die Erneuerung des priesterlichen Weiheversprechens aufgegriffen. Dieses Versprechen würde sowohl den priesterlichen Auftrag als auch die Biographie jedes Priesters als Mensch umfassen, so der Pastoraltheologe. Die Chrisam-Messe rage hinein in das Geheimnis des Gründonnerstags, in die „Abendmahlsstunde“, in der die Kirche zur Gegenwart Christi werde. „Durch den Priester wird die Kirche zum Raum für Jesus“, erklärte Msgr. Prof. Dr. Tolksdorf. „Zum Wesen des priesterlichen Dienstes gehört immer die Sendung. Menschsein, Christsein und Priestersein vollzieht sich immer in einer konkreten Situation.“  

Vor der Chrisam-Messe hatten sich die Geistlichen zu einer stillen eucharistischen Anbetung in der Paderborner Markt- und Universitätskirche versammelt.