Matthäuspassion – musikalische Betrachtung des Leidens Jesu

Chöre der Paderborner Dommusik und Solisten mit erstem Konzerthöhepunkt des Jahres in der Universitäts- und Marktkirche

Domkapellmeister Thomas Berning mit den Chören der Paderborner Dommusik beim Probenwochenende.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 22. März 2018. Die Matthäuspassion (BWV 244) ist ohnehin ein Meisterwerk der Superlative von Johann Sebastian Bach. Die Aufführung am kommenden Sonntag, 25. März 2018, 17 Uhr, in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche bietet dem Zuhörer aber weitere Besonderheiten: Ein neuer, optimierter Sitzplan, Musik mit Originalinstrumenten sowie die Aufführung vorgetragen von drei Chören der Paderborner Dommusik und fünf Solisten.

Mit großer Vorfreude blicken die Chöre der Paderborner Dommusik auf den ersten großen Konzerthöhepunkt in diesem Jahr. Die Matthäuspassion prägte in den letzten Monaten auch die zahlreichen Chorstunden. Die Sängerinnen und Sänger von Domkantorei, Mädchenkantorei und Domchor hatten sich in jeweils eigenen Proben mit Domkapellmeister Thomas Berning und Domkantorin Gabriele Sichler-Karle auf die Aufführung vorbereitet. Am vergangenen Wochenende stand schließlich eine gemeinsame Probe im Haus der Dommusik für den „Klangkörper“ aus gut 120 Stimmen auf dem Programm.

Die Matthäuspassion gehört zu den großen Werken von Johann Sebastian Bach, der das Werk wohl im Jahr 1727 für die Aufführung in der Leipziger Thomaskirche am Karfreitag geschaffen hatte. Diese beeindruckende Komposition des Thomaskantors schildert die Leidensgeschichte Jesu, wie sie im 26. und 27. Kapitel des Matthäus-Evangeliums zu lesen ist.

Chormusik und gemeinsames Proben - die Chöre der Paderborner Dommusik zeigen die Begeisterung.pdp / Ronald Pfaff „Die zentrale Aussage des Werks ist: Jesus stirbt aus Liebe“, ließ Domkapellmeister Thomas Berning immer wieder die Geschichte der Entstehung und Gedanken des Komponisten mit in die Proben einfließen, um auch Ausdruck und Stimmgewalt verständlicher zu machen. Allein der Choral „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ kommt in unterschiedlicher Interpretation fünf Mal in der Passion vor. Zahlreiche Arien des Werkes wie "Erbarme dich", "Aus Liebe will mein Heiland sterben" und "Mache dich, mein Herze, rein" sind ebenso zum Inbegriff der barocken Passionsmusik geworden.

„Die für seine Zeit äußerst aufwendige Besetzung mit zwei Chören, denen jeweils ein eigener Orchesterapparat zugesellt ist und die Spieldauer von beinahe drei Stunden verleihen dem Werk monumentale Größe. Im Bewusstsein, ein sehr bedeutendes Kunstwerk geschaffen zu haben, erstellte Bach eine Partitur-Reinschrift, die zu seinen schönsten Handschriften zählt“, erläutert Thomas Berning.

Sehr engagiert waren auch die jungen Sängerinnen und Sänger bei der gemeinsamen Probe zur Matthäuspassion.pdp / Ronald Pfaff In der Paderborner Aufführung wirken Mitglieder aller Chöre am Dom mit. Mädchenkantorei und Herren des Domchores bilden einen eigenen Chor. Ihnen steht die Domkantorei als zweiter Chor gegenüber. Die Knaben des Domchores tragen die wichtigen Choralzitate im Eingangs- und Schlusschor des ersten Teiles bei. Dafür gab es in der langen Wochenend-Probe sogar mal Szenenapplaus der anderen Sängerinnen und Sänger.

„Es ist die erste Passion, die ich mitsinge. Für mich ist noch vieles Neuland“, so Paloma Priegopdp / Ronald Pfaff (Sopran, 17) aus der Mädchenkantorei. „Es waren viele Proben und nicht immer leicht. Ich habe viel gelernt und freue mich auf Sonntag. Das wird richtig gut.“

Alfred Albertipdp / Ronald Pfaff Alfred Alberti (Bass, 18) ist seit der 3. Schulklasse schon mit der Paderborner Dommusik eng verbunden. „Bach gehört mit zu meinen liebsten Komponisten. Das Werk klingt unglaublich gut, durch die drei Chöre wird es insgesamt gut dargestellt. Die Proben waren oft anstrengend und straff, aber das war auch nötig“, so Alberti, der ergänzte, dass man als Sänger schon das Spirituelle von Bach mitbekomme und auch den Unterschied zur dramatischeren Johannes-Passion erlebe.

„Ich habe durch die gemeinsame Chorprobe und die zahlreichen Erläuterungen die Botschaft der Passion gut vermittelt bekommen. Nun erschließt sich das Werk für mich besser“, fasst Dorothea Köpping-Hogrebe (Alt2, 54) das Wochenende zusammen. Durch das gemeinsame Singen der verschiedenen Chöre sei ihr Gesamteindruck nun vervollständigt. Dorothea Köpping-Hogrebepdp / Ronald Pfaff

Die Aufführung dürfte die erste Paderborner Aufführung des Werkes mit Originalinstrumenten sein. Das Kölner Spezialistenensemble Concerto con anima begleit Chöre und Solisten.

Wegen der für Bach'sche Musik günstigeren Aufführungsbedingungen findet das Konzert in der Paderborner Marktkirche statt. Eigens für das Konzert wurde ein neuer, optimierter Sitzplan erstellt. Auch aus den seitlichen Plätzen besteht überwiegend gute Sicht auf die Mitwirkenden. In der Pause von etwa 45 Minuten nach dem ersten Teil wird dem Publikum Gelegenheit gegeben, im Foyer des Gymnasiums Theodorianum Getränke zu sich zu nehmen.

Die Mitwirkenden:
Michael Connaire (Tenor, Evangelist), Markus Flaig (Bass, Jesus),   Magdalene Harer (Sopran), Henriette Gödde (Alt), Thomas Laske (Bass). Barockorchester Concerto con anima (Konzertmeisterin: Ingeborg Scheerer); Paderborner Domchor, Konzertchor der Mädchenkantorei (Einstudierung: Gabriele Sichler-Karle), Domkantorei Paderborn. Leitung: Thomas Berning.