„Der ehrlichste Tag des Jahres“

Erzbischof Becker feiert am Aschermittwoch Kapitelsamt im Hohen Dom: Zahlreiche Gläubige empfangen das Aschekreuz

Erzbischof Hans-Josef Becker (r.) empfing im Kapitelsamt am Aschermittwoch im Hohen Dom von Dompropst Monsignore Joachim Göbel das Aschekreuz.Foto: pdp/Maria Aßhauer Paderborn, 14. Februar 2018. Nach den „tollen Tagen“ des Karnevals steht der Aschermittwoch am Beginn einer gänzlich anderen Zeit: der Fastenzeit. Gläubige empfangen an diesem Tag das Aschekreuz – wie heute auch zahlreiche Gottesdienstbesucher im Hohen Dom zu Paderborn. Erzbischof Hans-Josef Becker feierte das Kapitelsamt in der Paderborner Bischofskirche und sagte in seiner Predigt: „Wir beginnen heute den Weg hin zu Ostern. Das ist der Unterschied zu allen Fasten-Frühjahrskuren und Fastenbräuchen in anderen Religionen. Im Mittelpunkt steht ein lebendiges Du: Jesus, der mir vorausgegangen ist und dem nachzufolgen ich in den kommenden vierzig Tagen aufgerufen bin.“      

Zahlreiche Gläubige waren in den Hohen Dom gekommen, um dort mit Erzbischof Hans-Josef Becker (M.) am Aschermittwoch die Heilige Messe zu feiern.Foto: pdp/Maria Aßhauer Das Symbol des Aschekreuzes steht für die Vergänglichkeit des Menschen und alles Irdischen. Der Priester zeichnet den Gläubigen mit Asche ein Kreuz auf die Stirn und spricht dazu die Worte „Bedenke Mensch, dass Du Staub bist und wieder zu Staub zurückkehren wirst“.  

In seiner Predigt ermutigte Erzbischof Becker die Gläubigen dazu, die eigene Vergänglichkeit und Schuldhaftigkeit anzunehmen. „Der Aschermittwoch ist der ehrlichste Tag des Jahres. Wir Christen bekennen, dass wir schwache Menschen sind, die immer wieder versagen, wir bedürfen der Umkehr und der Vergebung. Wir Menschen sind vergänglich, sind Staub und Asche. Und wir werden eines Tages wieder zu Staub und Asche zurückkehren.“ Dies seien Grundwahrheiten über den Menschen. Trotzdem würden sie vielfach verdrängt. „Irgendwie sind die Menschen hilflos und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen“, stellte der Paderborner Oberhirte fest.  

Vor dem Austeilen des Aschekreuzes segnete Erzbischof Hans-Josef Becker (r.) die Asche, die aus den Palmzweigen des letzten Palmsonntags gewonnen wurde.Foto: pdp/Maria Aßhauer Der Hinweis auf diese Vergänglichkeit werde am Aschermittwoch in Form eines Kreuzes ausgeteilt – worin ein entscheidender Hinweis stecke, erklärte Erzbischof Becker: „Die Kirche verweist mich auf den, der am Kreuz gestorben ist. Und dass meine Schuld schon längst vergeben ist, konzentriert sich im Zeichen des Aschenkreuzes.“ Die Nachfolge Christi, die insbesondere in der Fastenzeit deutlich werden könne, mache ein Verdrängen der eigenen Vergänglichkeit überflüssig: „Bekennen wir, dass wir schwache und vergängliche Menschen sind, und empfangen wir da hinein das Siegeszeichen Jesu Christi“, rief Erzbischof Hans-Josef Becker den Gläubigen zum Abschluss seiner Predigt zu.  

Nachdem der Paderborner Erzbischof die aus geweihten Palmzweigen des letzten Palmsonntags gewonnene Asche gesegnet hatte, empfing er von Dompropst Monsignore Joachim Göbel das Aschekreuz. Danach zeichneten Erzbischof Becker, Dompropst Msgr. Göbel, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB und Weihbischof Matthias König den zahlreichen Gläubigen das Aschekreuz auf die Stirn. Im Anschluss feierte Erzbischof Hans-Josef Becker die Eucharistie.      

„Bekennen wir, dass wir schwache und vergängliche Menschen sind, und empfangen wir da hinein das Siegeszeichen Jesu Christi“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt vor dem Austeilen des Aschekreuzes.Foto: pdp/Maria Aßhauer Fasten – wie kann das konkret gehen?  
Im Einladungsschreiben zur Feier der Heiligen Messe am Aschermittwoch im Hohen Dom zu Paderborn heißt es: „In den 40 Tagen der Fastenzeit geht es vor allem um Besinnung auf das Wesentliche, um den Mut, sich von selbstgebastelten Götzen und Abhängigkeiten zu befreien und zu lösen. Verzichten, Loslassen, Sich-Befreien – diese Elemente des Fastens können helfen, Gott wieder mehr Raum im Leben zu geben, die persönliche Beziehung zu Jesus Christus neu zu vertiefen und das Leben wieder intensiver an ihm auszurichten.“      

Hintergrund: Aschermittwoch  
Die an Aschermittwoch ausgeteilte Asche wird aus geweihten Palmzweigen des letzten Jahres gewonnen und gilt als Zeichen für Trauer und Buße. Der Aschermittwoch markiert den Beginn der 40 Tage dauernden Fastenzeit, die auch österliche Bußzeit genannt wird und als Vorbereitung auf die drei heiligen Tage von Karfreitag bis Ostern (Ostertriduum) dient. Deshalb ist diese Zeit der Buße zugleich von der Hoffnung auf Auferstehung erfüllt. Die Dauer der Fastenzeit leitet sich vom biblischen Bericht über eine 40-tägige Gebets- und Fastenzeit ab, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan auf sich nahm.