Der „Liebesbund“ ist auch ein Bund des Gebetes

Erzbischof Becker, Weihbischof Dominicus und Generalvikar Hardt mit Delegation aus dem Erzbistum Paderborn beim Juliansfest in Le Mans

Die Prozession mit der Reliquienbüste des heiligen Julian führte in diesem Jahr vom Fluss Sarthe zur Kathedrale von Le Mans.Foto: Arthur Gorny Paderborn / Le Mans, 30. Januar 2018. Der fast schon sprichwörtliche „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ steht am Ende des Filmklassikers „Casablanca“. Ebenso „wunderbar“, aber viel älter ist der „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ zwischen dem Erzbistum Paderborn und dem französischen Bistum Le Mans: Im Jahr 836 wurden die Reliquien des heiligen Liborius aus Le Mans nach Paderborn überführt. Am vergangenen Wochenende reisten Erzbischof Hans-Josef Becker, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB und Generalvikar Alfons Hardt mit einer Delegation aus dem Erzbistum Paderborn nach Le Mans zum Patronatsfest des heiligen Julian. Neben Mitgliedern der „Deutsch-französischen St.-Liborius-Fraternität“ fuhren auch 40 Jugendliche mit nach Frankreich. Im Rahmen des Juliansfestes wurde in Le Mans eine große Diözesan-Synode eröffnet.      

Der heilige Julian war im 4. Jahrhundert erster Bischof von Le Mans. Sein Gedenktag wird am 27. Januar begangen. In diesem Jahr war bei der Feier des Juliansfestes alles ein wenig „anders“. Grund dafür war ein Großereignis, das im Rahmen des Festes eröffnet wurde: eine Diözesan-Synode zur künftigen Entwicklung des Bistums Le Mans. Pfingsten 2019 wird der Bischof von Le Mans, Bischof Yves Le Saux, die Ergebnisse dieses mehrere Monate dauernden Prozesses verkünden.  

Während des Festhochamts in der Kathedrale von Le Mans wurde die Diözesan-Synode eröffnet, links das dazugehörige Plakat.Foto: Otto Balkhausen Das Juliansfest bot den würdigen Rahmen für die Eröffnung der Synode, wenn auch der gewohnte Ablauf des Festes dadurch geändert war: Traditionell bildeten sonst eine deutsch-französische Vigilfeier und eine anschließende Lichterprozession mit der Reliquienbüste des heiligen Julian am Samstagabend den Auftakt zu den Feierlichkeiten. In diesem Jahr führte die Reliquienprozession stattdessen am Sonntagnachmittag vom Ufer der Sarthe zur Kathedrale von Le Mans, wo Bischof Yves Le Saux mit zahlreichen Synodenteilnehmern und weiteren Gläubigen ein Pontifikalamt feierte und die Synode eröffnete. Bischof Le Saux forderte in seiner Predigt unter anderem eine Haltung des Hörens für die Synode: „Das Hören auf den Heiligen Geist geschieht durch das Hören aufeinander mit Wohlwollen und Geduld.“

Erzbischof Hans-Josef Becker konzelebrierte und bezeichnete die Anwesenheit der Paderborner Gäste als ein Zeichen dafür, dass der ‚Liebesbund‘ auch ein Bund des Gebetes sei: „Wir versprechen Euch heute unser Gebet für Euren synodalen Prozess. Und wir wissen, dass Ihr unser Suchen und Fragen bei der Umsetzung unseres Zukunftsbildes mit Eurem Gebet begleitet“, zog er die Parallele zur Bistumsentwicklung in der Ortskirche von Paderborn.  

Bischof Yves Le Saux (M.) zelebrierte das Festhochamt, Erzbischof Hans-Josef Becker (links daneben) sowie zahlreiche weitere Priester konzelebrierten.Foto: Arthur Gorny Erzbischof Becker, Weihbischof Dominicus und Generalvikar Hardt wurden vom Erzbischöflichen Kaplan, Domvikar Ulrich Liehr, begleitet. Auch eine Gruppe der „Deutsch-französischen St.-Liborius-Fraternität“ war mit über 40 Mitgliedern in Frankreich zu Gast. Die Fraternität macht den „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ seit vielen Jahren durch Begegnungen und Kontakte in beiden (Erz-)Diözesen konkret. Wie im letzten Jahr reiste ebenfalls wieder eine Gruppe Jugendlicher mit nach Frankreich – Ausgangspunkt für diesen Besuch war das Treffen von 3.000 jungen Pilgern aus Frankreich mit rund 500 Jugendlichen in Paderborn auf dem Weg zum Weltjugendtag im Sommer 2016. Vikar Jakob Jan Küchler aus St. Walburga in Meschede begleitete die Jugendlichen ebenso wie Pater Julian OSB aus der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede.   

40 Jugendliche waren wieder mit in Le Mans, um den „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ mit ihren französischen Freunden zu stärken.Foto: privat Wie Erzbischof Becker, Weihbischof Dominicus, Generalvikar Hardt und Kaplan Liehr absolvierten auch die Mitglieder der Fraternität sowie die Jugendlichen ein umfangreiches Programm. So trafen die deutschen Jugendlichen neben einer Stadtführung mit ihren französischen Freunden auch Bischof Yves Le Saux und besuchten das Museum zum legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Besonders eindrucksvoll war für die Jugendlichen ein Pontifikalamt am Samstagabend in der Kirche Notre Dame du Pré, das „ihr“ Erzbischof Hans-Josef Becker mit ihnen feierte. Man müsse sich darum bemühen, mit Jesus zu leben wie mit einem echten Freund. „Wir können die Welt durch die Frohe Botschaft verändern. Habt Mut dazu! Jesus braucht Euch!“, rief Erzbischof Becker den Jugendlichen zu. An die Heilige Messe schloss sich eine Gebetswache vor den Reliquien des heiligen Julian an. Die Fahrt hat bei den Jugendlichen offensichtlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Nicht nur die Gastfreundschaft der Franzosen wurde gelobt, auch die Atmosphäre der deutsch-französischen Gottesdienste hätten deutlich gemacht, wie intensiv die Freundschaft zwischen Le Mans und Paderborn sei, so eine Teilnehmerin.  

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte mit den Jugendlichen am Samstag in der Kirche Notre Dame du Pré ein Pontifikalamt.Foto: privat Auch die Gruppe der Fraternität hatte sich rund um die Feierlichkeiten viel vorgenommen: Auf dem Weg nach Le Mans machte sie Halt in Rouen, um die Kathedrale und das Museum am Original-Schauplatz des Prozesses der heiligen Johanna von Orleans zu besichtigen. Nach der Ankunft in Le Mans standen zwei Exkursionen nach Evron und Conlie an. Hier tauschte sich die Gruppe mit Ordenschristen, Seminaristen und Gemeindemitgliedern aus. Traditionell fuhren die Fraternitätsmitglieder auf dem Rückweg nach Deutschland über Chartres, um am Grab von Abbé Franz Stock die Heilige Messe zu feiern und für dessen Seligsprechung zu beten: Der aus dem Erzbistum Paderborn stammende Priester wirkte während der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg als Seelsorger in Paris und gilt als einer der Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung.  

Nach dem Juliansfest ist vor Libori: Im Sommer kommen wieder zahlreiche Gäste aus Le Mans nach Paderborn, um beim Liborifest dem „Liebesbund“ zwischen Paderborn und Le Mans in Ostwestfalen Ausdruck zu verleihen.      

Hintergrund: Heiliger Julian  
Der heilige Julian war im 4. Jahrhundert erster Bischof der Diözese Le Mans. Seine Reliquien wurden im Jahr 835 (ein Jahr vor der Übertragung der Liborius-Reliquien nach Paderborn) in die Kathedrale von Le Mans überführt. Seit dem 12. Jahrhundert wird er als deren Patron verehrt. Im Jahr 1243 gelangten Reliquien des heiligen Julian nach Paderborn, die heute im vorletzten Gelass des Reliquienretabels im Hochchor des Paderborner Domes aufbewahrt werden. Auf dem Reliquiar befindet sich eine Darstellung des Heiligen. Größere Julians-Darstellungen befinden sich im Chorgestühl und am Paradiesportal des Hohen Domes zu Paderborn.