„Sie haben Möglichkeiten, Brücken zu bauen“

Sales-Tag: Über 50 Medienvertreter nehmen am traditionellen Medienempfang des Erzbistums Paderborn teil

Anlässlich des Gedenktages des heiligen Franz von Sales, dem Patron der Journalisten, lädt das Erzbistum Paderborn Medienschaffende traditionell zum Austausch ein. V.l.: Erzbischof Hans-Josef Becker, Dr. Claudia Nieser, Redakteurin in der Presse- und Informationsstelle des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn, und Thomas Throenle, stellvertretender Pressesprecher des Erzbistums Paderborn.Foto: pdp/Lena Reiher Paderborn, 26. Januar 2018. Der Gedenktag des heiligen Franz von Sales (24. Januar) ist für Medienschaffende ein wichtiger Termin im Kalender – ist Franz von Sales doch der Patron der Journalisten und Schriftsteller. Deshalb lädt das Erzbistum Paderborn zum Gedenktag des Heiligen jedes Jahr Medienvertreter zum Austausch mit der Bistumsleitung ins Bildungs- und Gästehaus Liborianum in Paderborn ein. In seiner Rede ermutigte Erzbischof Hans-Josef Becker angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Spaltungen zu einer Haltung der „Versöhnung“. Dazu zähle eine Medienberichterstattung, die neben Problemen auch Lösungen in den Blick nehme. Vor dem Empfang hatte der Paderborner Erzbischof mit den Journalisten einen Wortgottesdienst in der Kapuzinerkirche gefeiert.      

Wer heute die Nachrichten verfolge, gewinne oft den Eindruck eines Auseinanderdriftens gesellschaftlicher Gruppen, stellte Erzbischof Becker am Beginn seiner Ansprache fest. In erster Linie seien hier politische, soziale und wirtschaftliche Gegenmaßnahmen nötig. „Aber wenn Sie mich als Mann der Kirche fragen, was für mich im derzeitigen gesellschaftlichen und weltpolitischen Klima nottut, dann ist das Versöhnung. Das mag wirklichkeitsfremd klingen. Aber gibt es eine Alternative, wenn es darum geht, Spaltungen auf friedlichem, konstruktivem Weg zu überwinden? Und können Sie sich erinnern, wann Sie den Begriff ‚Versöhnung‘ in politischen Debatten zuletzt gehört haben?“, fragte der Paderborner Oberhirte seine Zuhörer. Wie beim kirchlichen Sakrament der Versöhnung, der Beichte, wünsche er sich für eingefahrene Krisen die „Möglichkeit eines befreiten Neuanfangs“.  

Wie eine „versöhnende Haltung“ angesichts aller vorhandenen Krisenhaftigkeit für die Medienberichterstattung aussehen könne, verdeutlichte Erzbischof Becker anhand der Botschaft von Papst Franziskus zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel. Darin habe der Heilige Vater zu einem „offenen und kreativen Kommunikationsstil“ aufgerufen, „der niemals bereit ist, dem Bösen eine Hauptrolle zuzugestehen, sondern versucht, die möglichen Lösungen aufzuzeigen“, zitierte Erzbischof Becker Papst Franziskus. Wer Berichterstattung derart verstehe, nehme die gegenwärtige Lage zum Anlass, um über eine bessere Zukunft nachzudenken. „Unüberwindlich sind Spaltungen dann, wenn man diejenigen auf der anderen Seite des Spaltes für unerreichbar hält. Ich glaube, dass Sie Möglichkeiten besitzen, um Brücken zu bauen“, ermutigte der Paderborner Erzbischof die Medienvertreter.  

Die Kirche habe mit dem Evangelium eine „gute Nachricht“, die trotz ihres Alters von 2.000 Jahren nichts von ihrer Aktualität eingebüßt habe, so Erzbischof Hans-Josef Becker weiter. „Ein christlicher Glaube, der das Evangelium wirklich im Herzen trägt, ist ein Mittel gegen Depression und Hoffnungslosigkeit, in die zu fallen es sicherlich viele Gründe geben kann“, räumte der Paderborner Erzbischof ein. Auch die Situation der Kirche könne – etwa aufgrund von Glaubensschwund oder zurückgehender Gläubigen- und Priesterzahlen – hoffnungslos stimmen. „Aber dass die Möglichkeit der Versöhnung, des Neuanfangs, der Umkehr zum Wesen unseres Glaubens zählt, macht mir Mut“, erklärte Erzbischof Becker. Ende September 2017 hätten beim Diözesanen Forum in Unna zahlreiche Menschen intensiv über die Zukunft der Kirche im Erzbistum Paderborn diskutiert – kontrovers, aber in einem versöhnten Miteinander. „So gestärkt gehen wir 2018 Schritt für Schritt auf unserem Weg der Bistumsentwicklung weiter“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Rede.  

Zum Auftakt des Sales-Tages hatte Erzbischof Becker mit den Journalisten und Medienschaffenden einen Wortgottesdienst in der Kapuzinerkirche gefeiert. Viele beispielhafte Zeugen des Glaubens würden wertvolle Orientierung dafür geben, den größeren Horizont des menschlichen Lebens in den Blick zu nehmen, so der Paderborner Erzbischof in seiner Predigt. „Der heilige Franz von Sales hat immer wieder das Medium ‚Wort‘ bemüht, um den Menschen seiner Zeit ans Herz zu legen: ‚Gebt euch nicht mit den letztlich banalen Zielen des Alltags zufrieden! Haltet die Sehnsucht nach dem großen Ziel, nach der eigentlichen Bestimmung eures Lebens wach!‘“, erinnerte Erzbischof Hans-Josef Becker an den Namensgeber des Sales-Tages im Erzbistum Paderborn.      

Hintergrund: Franz von Sales  
Franz von Sales wurde 1567 als ältestes von zehn Kindern einer adligen Familie bei Savoyen/Frankreich geboren. Nachdem er in Paris und in Padua Philosophie, Jura und Theologie studiert hatte, wurde er als Rechtsanwalt zugelassen und sollte Senator werden, ließ sich aber 1593 zum Priester weihen. An seiner ersten Wirkungsstätte sprachen die dortigen calvinistisch geprägten Machthaber ein Verbot aus, die Predigten des katholischen Priesters zu besuchen. Franz von Sales druckte seine Predigten daraufhin als Flugblätter. Er galt als begnadeter Prediger und Seelsorger. Seine Texte verfasste er in der Landessprache, wodurch er hohe Glaubwürdigkeit gewann. Er lebte in Übereinstimmung von Wort und Tat und zeichnete sich durch Bescheidenheit aus. Im Jahr 1602 wurde er Bischof von Genf. 1610 gründete er gemeinsam mit Johanna Franziska von Chantal den „Orden von der Heimsuchung Mariä” (Salesianerinnen). Bis zu seinem Tod blieb er dessen geistlicher Leiter. Schon zu Lebzeiten wurde er verehrt. Franz von Sales starb am 28. Dezember 1622 in Lyon. Papst Alexander VII. sprach ihn 1661 selig und 1665 heilig. 1877 wurde er von Papst Pius IX. zum Kirchenlehrer ernannt und 1922 – 300 Jahre nach seinem Tod – durch Papst Pius XI. zum Patron des katholischen Schrifttums sowie der katholischen Schriftsteller und Journalisten erklärt.