„Zeit der Erfüllung“

Erzbischof Becker predigt in der Jahresabschlussmesse im Hohen Dom

Erzbischof Hans-Josef Becker spendete den zahlreichen Gläubigen zum Abschluss des feierlichen Gottesdienstes den eucharistischen Segen.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 31. Dezember 2017. „Gott schenkt uns zu jeder Zeit Anteil an seiner Zeit und Ewigkeit. Alle unsere Zeit ist Teil Seiner Zeit, sie hat Anteil an Gottes Ewigkeit. Das lässt uns an diesem Silvesterabend dankbar sein und demütig und bescheiden und hoffnungsvoll“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Feier der Heiligen Messe zum Jahresabschluss im Hohen Dom zu Paderborn. Das entscheidende Merkmal der „Zeit der Erfüllung“ sei nicht ihre Dauer, vielmehr ihre Einmaligkeit, ihre Unwiederbringlichkeit, so der Paderborner Oberhirte in seiner Predigt.        

Durch das Eintreten Gottes in Jesus von Nazareth in die Zeit der Menschen finde die menschliche Zeit ihre Erfüllung, beschrieb Erzbischof Becker die Botschaft von Weihnachten. Gott trete in Jesus von Nazareth in die Geschichte der Menschen und damit würden sich neue Zeit-Räume und neue Lebensmöglichkeiten öffnen. „Der Sohn Gottes tritt in unsere Zeitbedingungen ein und verändert sie dadurch. Da verliert die Zeit den Charakter des Diktats, des Auferlegten, des Nichtentfliehenkönnens, des Schicksals.“ Gott schenke den Menschen Anteil an seiner Zeit, an seiner göttlichen Ewigkeit, er mische in jede Zeit einen Anteil Seiner Zeit und Ewigkeit, führte Erzbischof Becker weiter aus. „Gott befreit uns von dem Widerstreit, dass wir Glück dauerhaft wollen, aber die Zeit vergeht, und somit lässt sich kein Glück festhalten.“  

Gott schenkt den Menschen Anteil an seiner Zeit, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt. Im Hintergrund: Generalvikar Alfons Hardt und Weihbischof Manfred Grothe.pdp / Thomas Throenle Dass Gott Seine Zeit mit uns teile, führe beispielsweise zur Frage nach der Bedeutung des „Sonntag“, ob auch wir Menschen unsere Zeit mit Gott teilen, so dass es eine gesegnete Zeit werde, konkretisierte Erzbischof Becker. Das Freihalten der Sonntage im Advent von Kaufen und Verkaufen deutete der Paderborner Erzbischof als Freihalten des Anteils Gottes an der Zeit der Menschen. „Dieser Anteil ist seit Jesus Christus unwiderruflich in unsere Zeit eingepflanzt.“ Erzbischof Becker fuhr fort: „Dieser Anteil von Gottes Zeit ist auch zum Beispiel ein Glück für das ungeborene Leben, denn in jedem Zeitanteil des ganz jungen Lebens hat Gott seine Ewigkeit eingepflanzt. Alles, alles Leben, hat Seine Zeit. Das gilt auch für die von Menschen definierten Wochen, in denen Menschen ohne Ihn über dieses Leben verfügen wollen“.  

Der Anteil von Gottes Zeit an der menschlichen Zeit nehme nichts weg vom „Wochenende“, erklärte Erzbischof Becker weiter. „Gott stiehlt uns nicht die Zeit. Es ist umgekehrt: Er sichert uns einen Hort der Freiheit und der Frei-Zeit. Eine Frei-Zeit, die frei davon ist, dass unsere Lebenszeit nach Kosten und Nutzen verrechnet wird. Für Gottes Anteil an unserer Zeit trifft nicht zu ‚Zeit ist Geld‘. Er gibt uns mit seinem Anteil an unserer Zeit einen Eigenstand, einen Selbstwert zurück.“ Erzbischof Becker vertiefte mit dem Hinweis auf die Worte „Du bist mein Gott. In deiner Hand liegt mein Geschick.“ aus Psalm 31: „Mein Geschick, das ist meine Zeit, das ist mein einmaliges Leben, das bin ich, und zwar in der Hoffnung, dass nach dieser gemessenen Zeit eine Zeit ist, wo Er seine ganze Ewigkeit mit mir teilt.“

 

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker (M.) feierte den Jahresabschlussgottesdienst in Konzelebration mit (v.l.n.r.) Generalvikar Alfons Hardt, Weihbischof Manfred Grothe, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB und Prälat Thomas Dornseifer.pdp / Thomas Throenle Zum Abschluss des feierlichen Gottesdienstes zum Jahresende spendete Erzbischof Hans-Josef Becker den eucharistischen Segen. Der Paderborner Oberhirte betete: „Wir danken dir für deine heilige Kirche, in der wir den Glauben empfangen haben und deine Gegenwart verkosten. Wir danken dir für die Kirche von Paderborn. Seit über 1200 Jahren hält sie dein Evangelium hier lebendig und ist ein Sauerteig, der unsere Welt umgestalten will hin zum Reich Gottes. Lass uns auch in Zukunft deine Nähe spüren. Hilf uns, die Zeichen der Zeit zu erkennen und lass uns in allem deinen Willen suchen. Stärke in allen Christen die Bereitschaft, zu dir umzukehren und dir in ihren Herzen eine Wohnung zu bereiten.“