„Gott schickt ein Kind als Retter der Welt“

Erzbischof Hans-Josef Becker predigt in der Christmette am Heiligen Abend im Hohen Dom zu Paderborn über Gottes Licht in der Nacht

Krippe im Hohen Dom zu Paderbornpdp / Ronald PfaffPaderborn, 24. Dezember 2017. Erzbischof Hans-Josef Becker feierte am Heiligen Abend mit zahlreichen Gläubigen um 22 Uhr die Christmette im Hohen Dom zu Paderborn. „Unsere Rettung kommt nicht von außen oder von oben herab, sondern unsere Rettung kommt von innen. Sie geschieht, indem Gott eintaucht in alles Menschliche. Und dabei spart Gott die Not nicht aus, auch nicht das Elend, nicht die Schwäche und auch nicht das Angewiesensein“, sagte der Paderborner Erzbischof in seiner Predigt.      

Die Heilige Nacht sei mehr, als Menschen aus ihr machen könnten, so Erzbischof Becker: „Die Christnacht hat eine Botschaft, die tiefer ist, als dass wir sie uns selbst sagen könnten. Und deswegen sind wir hier. Wir wollen etwas hören über die Nacht damals, und wir wollen etwas erahnen vom wahren Licht, das auch unsere Nacht heute erhellen kann.“

Die Nacht der Geburt Jesu sei nicht geprägt gewesen von heutiger „Weihnachtsidylle“. Vielmehr sei es eine „Nacht der Heimatlosigkeit zweier Menschen, eine Nacht der Obdachlosigkeit und eine Nacht der Armut“ gewesen, erklärte der Paderborner Oberhirte. Er lud die Gläubigen dazu ein, die eigenen „Nächte und Dunkelheiten“ zur „Nacht von Betlehem“ dazuzulegen – von Krieg und Vertreibung über Hunger und Gewalt bis hin zu innerer Not, Krankheit und Leid. „Da gibt es Einsamkeit und fehlende Anerkennung. Da gibt es Streit und Trennung, Überforderung und Ausgebrannt-sein. Wie heißt meine Nacht jetzt gerade? Wo ist mein ganz persönliches Leben in Dunkelheit getaucht?“, fragte Erzbischof Becker.  

Erzbischof Hans-Josef BeckerFoto: pdp Damals wie heute würden Menschen auf einen Retter warten, der alles hell mache, fuhr der Paderborner Erzbischof fort. Nach menschlichem Ermessen müsse ein solcher Retter charismatisch, klug und besonnen sein und eigentlich „mehr sein und können als ein Mensch“. „Ist es nicht umso erstaunlicher, auf wessen Schultern die Rettung der Welt liegt, wenn Gott entscheidet? Er schickt ein neugeborenes, hilfloses Kind. Dieses Kind – ein Retter für mein Leben? ‚In diesem Kind bin ich‘, sagt Gott. ‚In diesem Kind komme ich selbst zu euch, in eure Welt, in euer Leben, in eure Nacht‘.“, erklärte Erzbischof Hans-Josef Becker.  

Gottes Licht, das auch in die tiefste Nacht komme, sei immer auch ein Licht des Friedens und der Wertschätzung. „Wenn Gott selbst Mensch geworden ist, dann ist alles Menschliche und Allzu-Menschliche von Gott her wertvoll und würdig gemacht. Kein Mensch mehr, der keine Würde hat. Kein Leben mehr, das wertlos ist. Keine menschliche Sehnsucht mehr, die nicht bei Gott Geborgenheit fände“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Predigt.   Die Christmette im Hohen Dom wurde musikalisch gestaltet von der Mädchenkantorei am Paderborner Dom unter der Leitung von Domkantorin Gabriele Sichler-Karle sowie von Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel.