Für beteiligte Chöre das Highlight des Jahres

Am 7. Dezember findet im Hohen Dom wieder der deutsch-britische Weihnachtsgottesdienst statt

Christian Nolden leitet den gemischten Chor von \"Zwischentöne\", Kirchenchor St. Laurentius (Nordborchen), Chorgemeinschaft St. Hedwig Paderborn und Paderborn Military Wives Choir.pdp / Ronald Pfaff Paderborn, 6. Dezember 2017. Der deutsch-britische Weihnachtsgottesdienst im Hohen Dom zu Paderborn gehört schon seit Jahrzehnten zu den Höhepunkten der vorweihnachtlichen Zeit in Paderborn. So wird auch am Donnerstag, 7. Dezember 2017, ab 19 Uhr der „Christmas Carol Service“ für einen vollbesetzten Dom sorgen, und mit der Mischung aus englischen und deutschen Weihnachtsliedern sowie neun Lesungen eine außergewöhnliche Atmosphäre schaffen.

„Es ist schon jetzt ein emotionaler Moment zu wissen, dass im nächsten Jahr zumindest offiziell der letzte deutsch-britische Weihnachtsgottesdienst stattfinden wird“, sagt Alan Patterson, Verbindungsoffizier der britischen Streitkräfte in Paderborn. Somit wird sich der Rückzug des britischen Militärs aus Paderborn auch auf die lieb gewonnene Tradition des Weihnachtsgottesdienstes niederschlagen. „Doch wir werden gern als Gäste vertreten sein, wenn es eine Fortsetzung geben wird“, lässt Patterson durchblicken, dass es in Paderborn unter den Chören den Wunsch gibt, diese Form des Weihnachtsgottesdienstes in irgendeiner Form am Leben zu erhalten.

Marlies Böger, Maria-Juliana Agapi, Heike Bee-Schrödter, Erika Reker.pdp / Ronald Pfaff Im Hohen Dom zu Paderborn wurde der deutsch-britische Weihnachtsgottesdienst Anfang der 80er Jahre erstmals gefeiert. Der ehemalige Dompastor Prälat Hieronymus Dittrich gehörte zu den ersten Initiatoren. 1996 verlieh ihm Königin Elisabeth II. die Ehrung zum Honorar Officer of the British Empire für seine Arbeit zur Förderung der deutsch-britischen Beziehungen. „Es ist das Highlight des Jahres“, freut sich Marlies Böger auf den Auftritt. Sie gehört seit 35 Jahren zum gemischten Chor, der sich aus Sängerinnen und Sängern „ihres“ Chores St. Laurentius, den „Zwischentönen“, der Chorgemeinschaft St. Hedwig und dem Frauenchor der britischen Streitkräfte zusammensetzt. Gemeinsam mit Erika Reker gehört Marlies Böger zu den Frauen der ersten Stunde. „Unser Chor hatte damals noch über 160 Mitglieder. Chorleiter war Hartmut Mecke“, erinnert sich Marlies Böger, darunter seien auch viele Jugendliche gewesen. Die britischen Weihnachtschoräle seien immer etwas Besonderes für Jung und Alt geblieben.

Reker und Böger gehören zu den Routiniers dieses Weihnachtschores, der unter der musikalischen Gesamtleitung von Christian Nolden steht. 2002 übernahm er den Chor St. Laurentius in Nordborchen, seit 2011 ist er musikalisch für den deutsch-britischen Weihnachtsgottesdienst verantwortlich. „Es ist ein festlicher und ganz besonderer Gottesdienst und kein Konzert“, stellt Nolden die Besonderheit heraus, bei der die Musik vor Weihnachten auch ein verbindendes Element zwischen den Nationen sei.

Chorleiter Christian Nolden und der gemischte Chor bei der Generalprobe im Pfarrheim St. Heinrich.pdp / Ronald Pfaff Wenige Wochen vor dem Auftritt im Hohen Dom kommen unter der Leitung Noldens die Chöre zur gemeinsamen Generalprobe zusammen. Viele Sängerinnen und Sänger kennen das Repertoire schon in- und auswendig. Doch es gibt auch in diesem Jahr wieder Premieren. Das Lied „Song of Mary“ wird am Donnerstagabend erstmals vorgetragen. Aber auch neue Sängerinnen und Sänger stehen auf der Bühne. Heike Bee-Schrödter zum Beispiel gehörte seit Jahren schon zu den Zuhörerinnen im Dom. Sie hat sich nun „Zwischentöne“ angeschlossen und freut sich auf ihre Premiere. „Ich fand die Musik immer spannend, und sie ist eine gute Einstimmung auf Weihnachten.“ Der Hohe Dom sorge für eine tolle Atmosphäre, die Zweisprachigkeit und die Begleitung von Orgel und Band machten den Gottesdienst aus. Maria-Juliana Agapi stammt aus Rumänien und studiert seit September in Paderborn. „Ich freue mich sehr, erstmals mitsingen zu können. Es ist eine Freude der Seele.“

Weihbischof Matthias König verknüpft eine enge Verbundenheit zum deutsch-britischen Weihnachtsgottesdienst.pdp / Ronald Pfaff „O come, O come, Emmanuel“, „Joy the world“, „Hark, the herald angels sing“ – Klassiker der britischen Carols, die am Donnerstag nicht fehlen dürfen, ließen auch schon bei der Generalprobe die Vorfreude auf den Weihnachtsgottesdienst erkennen. Der traditionelle Gottesdienst „Festival of Nine Lessons and Carols“ wurde in England bereits 1918 erstmals gefeiert. „Once in Royal David’s City“ ist bereits seit dieser Zeit traditionell das Eröffnungslied – so auch am Donnerstag im Hohen Dom zu Paderborn.

„Der Dom wird wieder packevoll sein“, freut sich auch Weihbischof Matthias König als Zelebrant auf den Weihnachtsgottesdienst, „denn die Besucher schätzen das Besondere.“ Atmosphäre, die Lieder und Musik mit englischer Tradition, verknüpft mit deutschen Weihnachtsliedern sowie die internationale Besetzung seien das Erlebnis des deutsch-britischen Weihnachtsgottesdienstes. „Der riesige Chor, die exzellenten Militärmusiker füllen den Hohen Dom mit großem Nachhall bis unter das Gewölbe“, so König, der 1981 erstmals das Vergnügen hatte, zu den Zuhörern in den Anfangsjahren zu gehören. Seit seiner Bischofsweihe hat er beinahe in jedem Jahr diesen Gottesdienst mitzelebriert. „Dieser Weihnachtsgottesdienst ist auch ein Zeichen der Völkerverständigung. Vertreter des englischen Militärs und deutsche Politiker übernehmen auch Verantwortung, indem sie zum Beispiel Lesungen vortragen“, so Weihbischof König.

Reverend Heather Rendell (Pfarrerin) und Alan Patterson, Verbindungsoffizier der britischen Streitkräfte.pdp / Ronald Pfaff Der Carol Service mit den traditionellen englischen Weihnachtsliedern sei auch für sie ein Highlight des Jahres, betont Reverend Heather Rendell, britische Militärpfarrerin. „Doch das Lied ‚Stille Nacht‘ berührt mich persönlich dann am meisten.“ Im vierten Jahr feiert Heather Rondell den deutsch-britischen Weihnachtsgottesdienst nun mit, und sie ist immer wieder beeindruckt: Wunderbare Weihnachtslieder in einer besonderen Atmosphäre des Paderborner Doms. „Es begeistert mich, zu sehen, wie voll die Kirche dann ist“, so Reverend Rendell, die auch der deutsch-britischen Freundschaft große Beachtung schenkt: „Diese Zeit ist auch eine Chance, die Geschichte von Gott allen Menschen zu erzählen. Hier haben wir eine Plattform“ Gerade in Großbritannien sei die Gesellschaft noch säkularer als in Deutschland. Dass der Sonntag ein Ruhetag ist, sei für ihre Landsleute neu gewesen. Sonntags und auch Weihnachten gehe man in England zum Beispiel shoppen. In Deutschland sei Weihnachten eher ein Fest der Familie, Freunde und gemeinsamen großen Mahlzeiten.

Der deutsch-britische Weihnachtsgottesdienst sei für viele Menschen in der Zeit der Veränderungen auch eine Konstante im Leben. „Und dazu noch ein wundervolles und großartiges Erlebnis“, so Reverend Heather Rendell.  

Die Aktiven in der Übersicht:
Christian Nolden, musikalische Gesamtleitung.
Markus Maurer, Orgel.
Chor „Zwischentöne“, Paderborn.
Kirchenchor St. Laurentius, Nordborchen.
Chorgemeinschaft St. Hedwig, Paderborn.
Paderborn Military Wives Choir (Leitung David Cahill).
Band of the Royal Regiment of Scotland (Leitung Maj. David Barringer Camus)
Solistin: Anna Harcourt.  

Zelebranten:
Weihbischof Matthias König
Dr. Eckhart Düker, Pfarrer der Abdinghofkirche
Reverend Heather Rendell and the Chaplains of BFG and 20th Armoured Infantry Brigade.