„Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, nicht der materielle Gewinn“

Adveniat eröffnet bundesweite Weihnachtsaktion der katholischen Kirche in Paderborn

Mit einem Pontifikalamt im Paderborner Dom wurde bundesweit die Adveniat-Weihnachtsaktion eröffnet. „Wer Gott stärker in den Blick nimmt, kann die Augen vor dem Mitmenschen nicht verschließen“, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 3. Dezember 2017. Mit einem feierlichen Gottesdienst hat das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die bundesweite Advents- und Weihnachtsaktion der katholischen Kirche unter dem Motto „Faire Arbeit. Würde. Helfen.“ im Paderborner Dom eröffnet. „Durch das Motto wird klar, dass gute Arbeit helfen würde, die Not vieler Menschen gerade auch in Lateinamerika zu beseitigen“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker bei seiner Begrüßung. Die Würde der Arbeitenden verlange menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhältnisse. „Dazu gehört es, Arbeit zu schaffen und diese gerecht zu entlohnen, mit einem Lohn, von dem der Arbeitende und seine Familie leben können“, betonte der Paderborner Erzbischof. Das gelinge in Lateinamerika oft nicht, „auch, weil unsere Handelsschranken, unser Verständnis von Wirtschaft und nicht zuletzt auch schlechte Bildungsmöglichkeiten die Armen hindern, ihre Fähigkeiten zu entfalten“.      

Schüler des vom Erzbistum Paderborn getragenen Gymnasium St. Xaver in Bad Driburg hatten sich mit dem Leitwort der Adveniat-Weihnachtsaktion auseinandergesetzt und dazu eine Weltkugel gestaltet. Nach dem Pontifikalamt zur bundesweiten Eröffnung gab es ein Erinnerungsfoto.pdp / Thomas Throenle Gemeinsam mit Erzbischof Becker feierten Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck, Bischof Reinhold Nann aus Peru, Weihbischof Matthias König aus Paderborn und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz den Gottesdienst mit vielen weiteren Gästen aus Lateinamerika und Deutschland. Unter ihnen Orlando Luis Machado aus Venezuela, der in einem Elendsviertel der Stadt Maracaibo aufwuchs. In seiner Jugend arbeitete der heute 34-Jährige als Lastenträger auf dem Großmarkt: „Das ist bei uns ein Job, den nur diejenigen übernehmen, die keine Chance auf eine andere Arbeit haben. Ein Knochenjob, ohne geregelte Arbeitszeiten, schlecht bezahlt, ohne Pausen, ohne Schutz oder Versicherung“, sagte Machado im Gottesdienst. Als internationaler Vertreter der Christlichen Arbeiterjugend JOC setzt er sich heute mit Unterstützung von Adveniat dafür ein, dass arbeitende Kinder und Jugendliche neue Perspektiven erhalten. „Ich habe gelernt, wie wichtig die Solidarität der Arbeiter untereinander ist. Nur gemeinsam können wir unsere Rechte einfordern.“ Die Vorsitzende der Kolpingjugend im Erzbistum Paderborn, Lisa Metken, sagte im Gottesdienst: „Mit Sorge beobachten wir, dass auch in Deutschland viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer trotz eines Jobs kein menschenwürdiges Leben führen können.“ Unbezahlte Überstunden, Löhne, von denen man nicht leben kann, Gesundheitsschäden und fehlende gewerkschaftliche Organisierung gehörten für Viele zum Alltag – hierzulande und weltweit. Nur wenn alle Menschen weltweit Zugang zu einer sozialen Grundsicherung und sozialen Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheit haben, kann Arbeit laut Metken menschenwürdig sein.  

Das Pontifikalamt zur bundesweiten Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion in Paderborn feierte Erzbischof Becker in Konzelebration mit zahlreichen Gästen aus der Weltkirche.pdp / Thomas Throenle Es komme darauf an, die Gegenwart Gottes im eigenen Leben wahrzunehmen, Gott das eigene Herz entgegen zu halten, um von ihm beschenkt zu werden mit seiner Gegenwart, betonte Erzbischof Becker in seiner Predigt. „Wer Gott stärker in den Blick nimmt, kann die Augen vor dem Mitmenschen nicht verschließen.“ Ein waches Auge, helfende Hände und ein mutig geöffneter Mund seien heute gefragt, sagte der Paderborner Erzbischof. „Die Not, die andere Menschen erleiden, darf nicht vergessen oder überspielt werden. Dazu gehört nicht zuletzt die Einsicht, dass die Änderung unseres Konsumverhaltens zu einer Linderung der Not ganz wesentlich beitragen kann – und dass wir uns nicht zurückhalten dürfen, für die Würde der Schwestern und Brüder unsere Stimme zu erheben.“ Aufgabe sei es, „die weihnachtliche Botschaft von der Nähe Gottes zu uns Menschen in Wort und Tat in die Welt hinein zu tragen und somit dabei mitzuwirken, dass Hoffnung und Liebe größer werden“.  

„Der globalisierten Wirtschaft, die die Armen ausgrenzt und die Umwelt zerstört, müssen wir eine weltweite Solidarität entgegenstellen“, betonte Adveniat-Aktionsgast Bischof Reinhold Nann im Eröffnungsgottesdienst. „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, nicht der materielle Gewinn“, forderte der Bischof aus Peru. Dabei gehe es um ein nachhaltiges Wirtschaften, nicht um den schnellen wirtschaftlichen Erfolg. Das bedeute laut Nann aber nicht nur die Beachtung von ökologischen Kriterien, vielmehr auch den sozialen Aspekt von guter und menschenwürdiger Arbeit. Aus diesem Grund müssten von politischer Seite Anreize und Regeln für ein nachhaltiges Wirtschaften geschaffen werden, damit Unternehmen sich nach diesen Kriterien ausrichten. „Wenn von guter und menschenwürdiger Arbeit gesprochen wird, müssen verwundbare Gruppen wie Jugendliche, Frauen, Personen ohne Ausbildung, Migrantinnen und Migranten oder indigene Völker besonders in den Blick genommen werden“, unterstrich Bischof Nann im Schlusswort. „Es gibt keine überflüssigen oder wertlosen Menschen für uns Christen. Entdecken wir den Wert eines jeden. Im Teilen miteinander machen wir uns zum Mitmenschen, zum barmherzigen Samariter, zum Anwalt der Menschenwürde.“  

Zahlreiche Menschen nahmen am bundesweiten Eröffnungsgottesdienst der Adveniat-Weihnachtsaktion im Paderborner Dom teil.pdp / Thomas Throenle Die traditionelle Weihnachtskollekte, die am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands stattfindet, ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: In den vergangenen Jahren konnten mehr als 2.500 Projekte pro Jahr gefördert werden, die jährlich mit rund 40 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.