Faire Arbeit. Würde. Helfen.

Pressekonferenz zur Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Aktion in Paderborn

Pressekonferenz zur bundesweiten Eröffnung der Adveniat-Aktion in Paderborn: Weihbischof Matthias König (Paderborn), Bischof Reinhold Nann (Peru), Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn), Pater Arturo Estrada Acosta SJ (Mexiko) und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 30. November 2017. „Sklavenarbeit und Ausbeutung müssen gestoppt werden. Jeder hat ein Recht auf menschenwürdige, gerecht bezahlte Arbeit.“ Das hat der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der bundesweiten Weihnachtsaktion des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat in Paderborn betont. In Lateinamerika und der Karibik sei vielen Menschen – insbesondere Frauen – der Zugang zu fairer Arbeit verwehrt. „Gute Arbeitsbedingungen dürfen nicht länger das Privileg der reichen Länder bleiben“, sagte Erzbischof Becker. Arbeitsplätze würden dorthin verlagert, „wo man die Sorge für die Arbeiter und den Umweltschutz umgehen und Löhne senken kann“. Zusammen mit Adveniat und den Partnern aus Lateinamerika setze sich das Erzbistum Paderborn deshalb unter dem Motto der diesjährigen Weihnachtsaktion „Faire Arbeit. Würde. Helfen.“ für gerechte Arbeitsbedingungen ein. Der feierliche Eröffnungsgottesdienst findet am ersten Adventssonntag, 3. Dezember 2017, um 10 Uhr im Hohen Dom zu Paderborn statt.      

„Wenn man als deutscher Priester in Lateinamerika arbeitet, fällt einem vor allem die Armut auf, in der ein Großteil der Bevölkerung lebt“, sagte Bischof Reinhold Nann, Prälat der Territorialprälatur Caravelí in Peru. Ursache seien vor allem die geringen Löhne: „Wenn ein Arbeiter mit seinem Mindestlohn weit unter dem Warenkorb liegt und dem Bauern für seine Produkte kaum etwas bezahlt wird, dann ist das nicht fair“, betonte Nann. Arbeitsplätze zu schaffen und für gerechte Arbeitsbedingungen einzutreten, das sei eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft. Dann seien Wege aus der Armut möglich. „Die Arbeit ist grundlegend für die Würde eines Menschen, deshalb machen wir uns als Kirche für faire Arbeitsbedingungen stark.“ Bischof Nann rief die Christen in Deutschland dazu auf, durch die Kollekte an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag solidarisch mit den Menschen in Lateinamerika zu sein: „Menschenwürde und Arbeitswürde kann man nicht kaufen – aber unsere Solidarität kann Alternativen aufzeigen für eine menschlichere Arbeit und ein besseres Leben.“  

Erzbischof Hans-Josef Becker freut sich auf die bundesweite Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion in Paderborn.pdp / Lena ReiherVon ihrer Hände Arbeit besser leben können bereits die 269 Familien, die sich mit Unterstützung von Adveniat-Projektpartner Pater Arturo Estrada Acosta in Bachajón im mexikanischen Bundesstaat Chiapas zusammengeschlossen haben. Gemeinsam mit den Jesuiten haben die Kleinbauern vom Volk der Tzeltal eine Kooperative gegründet, in der Kaffee bester Qualität, Honig und Seife produziert werden. „So konnte eine echte Alternative zur sozialen Ausgrenzung, unter der die indigene Bevölkerung leidet, geschaffen werden“, sagte Padre Estrada. Zudem seien die Einkommen der Familien nicht mehr von den stark schwankenden Kaffeepreisen abhängig, die der Weltmarkt diktiere. Geschaffen worden seien  „ganzheitliche Prozesse einer solidarischen Wirtschaft zur Sicherung des Lebensunterhaltes“. Neben dem Dank für die langjährige Unterstützung durch Adveniat rief der Jesuitenpater die Menschen in Deutschland zu verantwortungsvollem Konsum auf: „Es geht darum, die Etiketten genau zu lesen, Wissen zu vermitteln, lokale Netzwerke zur Hilfe aufzubauen und vor allem auch auf neue und alternative Wirtschaftsformen zu setzen.“  

„Faire Arbeit ist ein Menschenrecht, weil Menschen und ihre Arbeit keine Waren oder Ressourcen sind“, betonte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz. Immer noch müssten viele Menschen in Lateinamerika unter prekären Bedingungen für das Familieneinkommen sorgen. „Je geringer die Qualifikation, desto größer ist die Gefahr, ausgebeutet zu werden“, sagte Pater Heinz bei der Pressekonferenz in Paderborn. Das Lateinamerika-Hilfswerk setze sich deshalb mit der katholischen Kirche vor Ort besonders in den Bereichen Ausbildung und Studium, Entstehung von gerecht entlohnten Arbeitsplätzen, Arbeiterrechte sowie Seelsorge ein. „Wir treten aber auch in Deutschland dafür ein, dass internationale Gründe für Ungerechtigkeit angegangen werden“, sagte Pater Heinz. Adveniat unterstützt mit jährlich rund 40 Millionen Euro mehr als 2.500 Projekte. „Damit die Menschen in Lateinamerika und weltweit zu ihrem Recht kommen, braucht es die Solidarität aller Menschen guten Willens.“  

Die traditionelle Weihnachtskollekte, die am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands stattfindet, ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: In den vergangenen Jahren konnten mehr als 2.500 Projekte pro Jahr gefördert werden, die jährlich mit rund 40 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.  

Unter diesen Links ist am 3. Dezember 2017 ab 10 Uhr der Live-Stream von der bundesweiten Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion zu sehen: www.domradio.de, www.erzbistum-paderborn.de, http://www.erzbistum-paderborn.de/dom/. Der Fernsehsender EWTN zeigt den Eröffnungsgottesdienst am ersten Adventssonntag um 12.30 Uhr.  

Weitere Informationen zur diesjährigen Weihnachtsaktion von Adveniat gibt es im Internet unter www.adveniat.de/weihnachtsaktion und www.adveniat-eroeffnung-in-paderborn.de