Gott ins Gespräch gebracht im Leben junger Familien

Erzbischof Hans-Josef Becker begrüßt rund 300 Priester, Ständige Diakone, Gemeinde- und Dekanatsreferenten erstmals zum „Tag des pastoralen Personals“ in Paderborn

Akteure beim Tag des pastoralen Personals (v.l.n.r.): Domvikar Dr. Rainer Hohmann (Leiter Fortbildung pastorales Personal), Generalvikar Alfons Hardt, Dr. Albert Biesinger, Erzbischof Hans-Josef Becker, Svenja Hoffmann und Stefan Nagels (beide Fortbildung pastorales Personal) sowie Angelika Tuschhoff (Erzbischöfliches Generalvikariat, Pastoral in KiTas) als eine der Workshop-Leiterinnen.Foto: pdp/Maria AßhauerPaderborn, 27. November 2017. Unter dem Leitwort „Gott ins Gespräch bringen. Lernorte des Glaubens für Eltern, Kinder und Kindeskinder“ fand heute der erste „Tag des pastoralen Personals“ in der Paderborner Kaiserpfalz statt, zu dem sich rund 300 Priester, Ständige Diakone, Gemeinde- und Dekanatsreferenten des Erzbistums Paderborn trafen. Nach der Begrüßung durch Erzbischof Hans-Josef Becker hielt Dr. Albert Biesinger, emeritierter Professor für Religionspädagogik und kirchliche Erwachsenenbildung an der Eberhard Karls Universität Tübingen, einen Impulsvortrag. Nachmittags vernetzten sich die Teilnehmer in verschiedenen Workshops zur seelsorgerischen Begleitung von jungen Familien. Das Treffen endete mit einem Abschlussgottesdienst im Hohen Dom.      

Bisher kamen jedes Jahr im November die Priester und Ständigen Diakone des Erzbistums zum traditionellen Herbstpriestertreffen in Paderborn zusammen. Die Glaubensweitergabe an die nachfolgende Generation ist jedoch eine Herausforderung, die sich allen kirchlichen Berufsgruppen stellt. Erstmals fand deshalb jetzt der „Tag des pastoralen Personals“ als gemeinsamer Studientag für Priester, Ständige Diakone, Gemeinde- und Dekanatsreferentinnen und -referenten statt.  

„Eltern sind die ersten Glaubenszeugen für ihre Kinder“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Grußwort.Foto: pdp/Maria Aßhauer„Wir glauben an einen Gott, der uns Menschen anspricht, um uns ein Beziehungsangebot zu machen, uns in die Kommunikation mit ihm, in eine Lebensgemeinschaft mit ihm einzuladen“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Grußwort. Es sei zu fragen, wie Seelsorge organisiert sein müsse, damit Gott „Stimme habe und Gehör finde, um Menschen zu erreichen“. „Heute greifen wir diese Frage auf, gezielt mit Blick auf die Lebenswirklichkeit junger Familien und Eltern: Wie möchten wir Familien und Kinder religiös begleiten, und zwar so, dass dabei Gott ins Gespräch kommt und ansprechende Lernorte des Glaubens für Eltern, Kinder und Kindeskinder eröffnet werden?“, fasste Erzbischof Becker das Anliegen des Studientages noch einmal zusammen.  

Er begrüßte den Referenten, Dr. Albert Biesinger, Professor emeritus für Religionspädagogik und kirchliche Erwachsenenbildung an der Eberhard Karls Universität Tübingen, der zahlreiche Publikationen verfasst hat – unter anderem die beiden Bücher „Kinder nicht um Gott betrügen“ oder „Gott mit Kindern wiederfinden“. Die beiden Buchtitel waren programmatisch für den Impulsvortrag von Dr. Biesinger. Katechese für Kinder sei immer auch Erwachsenenkatechese, so der Religionspädagoge. „Auch Eltern sind Ihnen anvertraut, Sie sollen sie zur Begegnung mit Gott führen, um auch den Kindern die Berührung durch Gott zu ermöglichen“, ermutigte der Religionspädagoge die Seelsorger.

Dr. Albert Biesinger plädierte in seinem Impulsvortrag für eine alltagsnahe und auch humorvolle religiöse Erziehung.Foto: pdp/Maria AßhauerDie Hinführung zur Berührung mit Gott müsse unideologisch und humorvoll geschehen. Religiöse Erziehung müsse alltagstauglich sein und geschehe über simple Rituale: „Wenn Eltern ihrem Kind morgens Gottes Segen mit auf den Weg geben, mittags vor dem Essen mit ihm beten oder abends mit ihm den Tag durchgehen und danach fragen, was gut und was schlecht war, reicht das oftmals für die einfache Erkenntnis aus beim Kind: Mit Gott unterwegs zu sein, ist besser, als ohne ihn unterwegs zu sein“, führte der Referent aus.  

In einer Meditation nahm Dr. Biesinger die Teilnehmer des Studientages mit auf eine Reise in die eigene Kindheit, bei der sie nachspüren konnten, wie sie als Kind mit Gott in Berührung gekommen waren. Im Anschluss stellte er das von ihm und verschiedenen Kollegen erarbeitete „Familienbuch“ vor: Es biete eine Elementarisierung von Glaubensinhalten – von der Thematisierung des Jahreskreises bis hin zur Beschäftigung mit dem muslimischen Glauben, dem Kinder oft schon in der Kindertagesstätte begegnen. Es gehe immer darum, Kinder in ihren Fragen zu begleiten. Dabei gelte es, als Seelsorger für Eltern, die Begleiter ihrer Kinder seien, selber zum Begleiter zu werden. „Machen Sie die Eltern zu Bündnispartnern, um so mit ihnen Kirche nach vorne zu gestalten“, appellierte Dr. Biesinger an seine Zuhörer.  

„Gott mit neuen Augen sehen. Wege zur Erstkommunikation“ heißt das Familienbuch, das Dr. Albert Biesinger gemeinsam mit Kollegen erarbeitet hat und das er den Studientagsteilnehmern vorstellte.Foto: pdp/Maria AßhauerNach dem gemeinsamen Mittagsgebet startete der Austausch in fünf Workshops, die thematisch einen Bogen von der Schwangerschaft bis zum Empfang des Sakraments der Erstkommunion spannten: In einem Workshop wurde erörtert, wie Menschen im Prozess des Eltern-Werdens religiös begleitet werden können. Ein weiterer Workshop verdeutlichte anhand konkreter Beispiele, dass die Taufe nicht nur ein Geschehen innerhalb der Familie, sondern auch in der Gemeinde sein kann. Um KiTas als Begegnungsräume junger Familien und als familienpastorale Orte ging es in einem dritten Workshop. Die Kommunion als Kommunikation und somit die gemeinsame Suche nach einer Beziehung zu Gott von Eltern und Kind stand in einem Workshop zur Erstkommunion im Fokus. „Religiös erziehen – wie geht das heute?“ fragte schließlich ein Workshop, der die Wege religiöser Erziehung „sinnlich und besinnlich“ erfahrbar machte. Zum Abschluss feierten die Priester, Ständigen Diakone und Gemeinde- und Dekanatsreferentinnen und -referenten einen Gottesdienst im Hohen Dom.