Wie christliche Wertebildung gelingt

Katholische Krankenhäuser: Mitarbeiter als „Werte-Botschafter“

Berichteten über ihre Erfahrungen mit der christlichen Profilbildung von Krankenhäusern (von links): Klaus Bathen, Brigitte von Germeten-Ortmann (Diözesan-Caritasverband), Bernd Wessels, Mathias Wendt (Köln), Mechthild Schade, Mirka Neffke, Jutta Kappel (beide Hospitalverbund Hellweg), Daniel Robbert, Susanne Richter , Friedhelm Evermann (beide St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund) und Dr. Thomas Günther.cpd / JonasDortmund / Paderborn, 21. November 2017. (cpd) Das christliche Profil katholischer Krankenhäuser stärken: Das ist das Anliegen des Instrumentes „German-CIM 3.0“, das den 50 katholischen Krankenhäusern seitens des Erzbistums Paderborn zur Verfügung steht. Wie dies gelingen kann, diskutierten Vertreter der Krankenhäuser bei einer „User Conference“ in der Kommende in Dortmund, der vom Erzbistum Paderborn getragenen Sozialakademie. Für die beteiligten Krankenhäuser sei es ein „gemeinsamer Lernweg, wie christliche Werte- und Profilbildung sinnhaft umgesetzt werden kann“, sagte der Leiter von German-CIM, Dr. Thomas Günther vom Diözesan-Caritasverband Paderborn. Dabei setze man besonders auf die Mitarbeiter als „Werte-Botschafter“.      

Die Solidarität mit Menschen in Not thematisierte Klaus Bathen, Hauptgeschäftsführer der katholischen St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund. Er rief Arbeitgeber von Wohlfahrtsverbänden auf, auch die eigenen Mitarbeiter in den Blick zu nehmen. Vor allem Teilzeitkräfte in den unteren Lohngruppen stünden in der Gefahr, von relativer Armut betroffen zu sein. Innerhalb der EU liegt die Grenze dazu bei 60 Prozent des nach Haushaltsgröße gewichteten Nettoeinkommens. Obwohl der Stundenlohn in der niedrigsten Gehaltsstufe in der St.-Johannes-Gesellschaft mit ihren mehr als 2.700 Mitarbeitern noch zwei Euro über dem Mindestlohn liege, gebe es Mitarbeiter, die nach EU-Kriterien als „arm“ gelten, sagte Bathen. „Ich war erschüttert, als ich das hörte.“ Zwar sei man an Tarifverträge gebunden, wolle künftig aber betroffene Mitarbeiter vermehrt unterstützen. So plane man einen Sozialfonds einzurichten und Ferienangebote für Alleinerziehende und Familien mit Kindern anzubieten.      

Für den katholischen Hospitalverbund Hellweg berichtete Daniel Robbert von der Stabsstelle Ethikberatung über die intensive Diskussion von ethischen Grundhaltungen seitens der Mitarbeiter des Hospitalverbundes und ein daraus entstandenes Leitbild für die angeschlossenen Krankenhäuser und Altenheime. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren wolle man sich jedes Jahr intensiv mit einem Teilaspekt des Leitbildes beschäftigen, 2018 mit dem Thema „Nächstenliebe leben“.      

Auf die schwierige Situation von Menschen mit Behinderung im Krankenhaus wiesen Bernd Wessels und Mechthild Schade vom St.-Marien-Stift Friesoyte im Oldenburger Münsterland hin. So habe man Handlungsbedarf entdeckt, da Menschen mit geistigen Einschränkungen im Krankenhaus häufig überfordert seien oder gar traumatisiert würden. Entsprechend entwickelte das kleine Krankenhaus mit 115 Betten Abläufe, um Menschen mit Behinderung Sicherheit zu geben und Vertrauen zu schaffen. Dafür wird ein fester Kreis von Mitarbeitern benannt, die Kontakt mit dem Wohnheim oder den Angehörigen aufnehmen. Dabei stellen die Mitarbeiter fest, welche Maßnahmen für das Wohl des Patienten maßgeblich sind. Nebenbei sorge der sensible Umgang mit Menschen mit Behinderung auch dafür, dass diese das Krankenhaus früher verlassen können, sagte Bernd Wessels. Das St.-Marien-Stift Friesoythe hat als erstes Krankenhaus außerhalb des Erzbistums Paderborn das Instrument German-CIM eingesetzt.