Gemeinsam den Glauben bekennen

Ökumene-Referent des Erzbistums Paderborn blickt auf Reformationsjahr zurück

Thomas Kaiser (l.) und Dietmar Deutschmanek (r.), 1. und 2. Vorsitzender der KAB Weidenau, begrüßten mit den anderen Vorstandskollegen den Referenten, Monsignore Dr. Michael Hardt (Mitte)Heilig Kreuz SiegenPaderborn / Siegen, 7. November 2017. „Das Reformationsgedenken hat die Christen verschiedener Konfessionen noch einmal einander näher gebracht“, davon ist der Leiter der Fachstelle Ökumene im Erzbischöflichen Generalvikariat des Erzbistums Paderborn und Direktor des Möhler-Instituts für Ökumenik, Monsignore Dr. Michael Hardt, überzeugt. Er sprach jetzt auf Einladung der KAB Heilig Kreuz in Siegen zum Thema „Ein ökumenischer Rückblick auf das Reformationsjubiläum - Warum Katholiken das Reformationsgedenken mitfeiern konnten“.  

Das „Ökumenische Zeitalter“ habe 1948 mit der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen begonnen, später kam die „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen“ (ACK) dazu, führte Monsignore Dr. Hardt aus. Für die Katholische Kirche habe das II. Vatikanische Konzil (1962-65) einen positiven Schwung in die Beziehung zu den anderen Konfessionen gebracht. Dabei betreffe Ökumene viel mehr als nur die evangelische und die katholische Kirche. Auch mit Orthodoxen und den vielen Freikirchen betreibe man Ökumene.  

Negativerfahrungen aus den vergangenen 500 Jahren und die leidvolle Geschichte der Trennung müsse nicht aus dem Gedächtnis gestrichen, aber weiter aufgearbeitet und überwunden werden. An vielen Orten in Deutschland, auch im Erzbistum Paderborn, auch in Siegen, war das Reformationsjahr ein „Kairos“, ein „Gnadenjahr“, um einen Schlussstrich unter die schmerzhaften Trennungsgeschichten zu ziehen, erläuterte Monsignore Dr. Michael Hardt weiter.      

Das Miteinander, das in vielen gemeinsamen Gottesdiensten und Aktionen das von der evangelischen Kirche ausgerufene „Christus-Jahr“ veranschaulicht habe, müsse erhalten und ausgebaut werden. Der ökumenische Dialog der vergangenen Jahrzehnte habe gezeigt: „Uns verbindet viel mehr als was uns trennt“. Martin Luthers Reformbemühungen seien für die katholischen Christen eine „Lese- und Hörhilfe“ für das, was sich dann später auf dem II. Vatikanischen Konzil durchgesetzt habe. Er sei nicht mehr um Verurteilungen gegangen, sondern um ein Zugehen auf den anderen. Das verdeutliche auch die gemeinsame Schrift von Vatikan und Lutherischem Weltbund mit dem bezeichnenden Titel „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“. Das Konzil habe der Heiligen Schrift wieder mehr Bedeutung gegeben, die Feier der Heiligen Messe erneuert, das allgemeine Priestertum betont. „Das sind alles Themen, die Luther und die anderen Reformatoren angestoßen haben“, so Monsignore Dr. Hardt. Ein Meilenstein auf dem gemeinsamen Weg sei die Erklärung über die Rechtfertigungslehre im Jahr 1999 gewesen, so dass das Thema „Rechtfertigung“ kein Streitthema unter den Konfessionen mehr sei.  

Der heutige Mensch, an den sich die Kirchen wenden, stelle andere Fragen: „Existiert Gott überhaupt?“ oder „Wie können wir die Welt besser machen?“. Darauf müssten die Christen heute Antwort geben.  

Das Verstehen-wollen des anderen führe auch zu einem besseren Verständnis der eigenen Position. So feierten Protestanten heute häufiger Abendmahl und wagten es, anerkennend auf Frömmigkeitsformen der Katholiken zu blicken. „Ist die versöhnte Verschiedenheit das Modell der Zukunft?“, fragte Monsignore Dr. Michael Hardt. „Ja, aber dennoch sollten wir uns über das Ziel der Ökumene verständigen, wie es auch der vatikanische Ökumene-Minister, Kardinal Kurt Koch, anmahnt.“ Die sichtbare Einheit der Kirche sei für Katholiken immer noch ein Ziel. Die „Eine Kirche“ könne durchaus unterschiedliche inhaltliche und gottesdienstliche Ausrichtungen aufweisen. Über Fragen von Amt, Eucharistie und Einheitsverständnis müsse theologisch diskutiert werden. Vor Ort gehe es vorrangig darum, so schloss Monsignore Dr. Hardt seine Ausführungen, weiter gemeinsam ökumenisch die Zukunft zu gestalten. Die kürzlich beschlossene Einführung des gemeinsamen, kooperativen Religionsunterrichts sei hier zu erwähnen, oder auch ökumenische Gemeindepartnerschaften und das gemeinsame Bekenntnis des Glaubens in der aktuellen Gesellschaft.