„Richtig verstandene Demut erniedrigt nicht“

Pontifikalamt zum Herbstliborifest mit Erzbischof Hans-Josef Becker

Der vergoldete Silberschrein wurde von den Mitgliedern der Liboribruderschaft aus der Krypta in den Hochchor des Paderborner Doms getragen.pdp /Ronald PfaffPaderborn, 29. Oktober 2017. Erzbischof Hans-Josef Becker feierte am Sonntag im Hohen Dom zu Paderborn das traditionelle Pontifikalamt zum Herbstliborifest, mit dem das Erzbistum Paderborn der Rückführung der Reliquien des heiligen Liborius am 31. Oktober 1627 gedenkt. „Die Gebeine des heiligen Liborius sind geborgen im prächtigen goldenen Schrein. Das ist ein Zeichen für das ‚leuchtende Vorbild‘, das er uns gibt“, betonte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt. Nicht ohne Grund sehe die Leseordnung der Kirche für diesen Festtag ein Evangelium vor, das man als Hinweis darauf verstehen könne, warum in Paderborn der Heilige Liborius seit dem Jahr 836 dankbar verehrt und um seine Fürsprache angerufen werde.

Im ersten Hymnus zur Ersten Vesper des Liborifestes werde das Demuts-Verständnis des Heiligen Liborius auf den Punkt gebracht: „Demütig warst du, lauter hier im Leben; nie hat dein Herz dem Bösen sich ergeben. Gott war das große Ziel all deiner Schritte, Gott war die Mitte.“ Demut sei in der Geschichte oft durch Demütigung ersetzt worden. „Aber“, so der Erzbischof, „angeregt durch das Tagesevangelium, lassen Sie uns die Frage stellen: Wie kann Demut richtig verstanden werden?“

Erzbischof Hans-Josef Becker predigte über die wahre Bedeutung des Begriffs Demut aus christlicher Sicht.pdp /Ronald Pfaff „Richtig verstandene Demut erniedrigt nicht. Sie erhöht den Menschen, weil sie dazu erzieht, sich in realistischem Blick auf die Dinge in das Lebensnetz der Schöpfung Gottes einzuordnen. Das ist ein wichtiger Aspekt des christlichen Menschenbildes, auf das unsere Gesellschaftsordnung gegründet ist. Und ich wage zu bezweifeln, dass menschliches Zusammenleben auf andere Weise dauerhaft gelingen kann. Das Evangelium des heutigen Festes macht uns diese ethischen Maßgaben deutlich. Für den andern da sein: das macht den Menschen groß. Es gibt sicherlich kein Patentrezept für Auswege aus den zahlreichen Krisen, in denen sich die Welt zurzeit befindet. Aber ein wesentlicher Aspekt besteht meines Erachtens in der Wiedergewinnung einer Haltung der Demut“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker.

Am Beispiel des Heiligen Liborius sei deutlich geworden, was es bedeute, in Demut zu leben. Dann stehe Gott in der Mitte des Lebens. Gott sei der Urgrund des Lebens. „Seine Liebe gilt es an ihn zurück- und an die Mitmenschen weiterzugeben. Dieser Weg der Demut ist nicht immer einfach zu gehen. Wir vertrauen aber fest darauf, dass er am Ende zum Ziel führen wird“, schloss der Erzbischof seine Predigt zum Herbstliborifest.

Zum Pontifikalamt wurden die Reliquien des heiligen Liborius, die das Jahr über in einer Ebenholztruhe im Altar der Krypta ruhen, erhoben und im vergoldeten Silberschrein aus der Krypta in den Hochchor des Paderborner Doms getragen.

Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte das Pontifikalamt zum Herbstlibori-Fest mit den Weihbischöfen Dr. Dominicus Meier OSB, Matthias König und Hubert Berenbrinker.pdp /Ronald PfaffErzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte den Festgottesdienst, es konzelebrierten Weihbischof Matthias König, Weihbischof Hubert Berenbrinker und Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB.

Der feierliche Gottesdienst zum Herbstliborifest wurde musikalisch gestaltet vom Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Thomas Berning und Domorganist Tobias Aehlig an der Orgel. Zur feierlichen Erhebung der Reliquien des Patrons des Erzbistums Paderborn, des Hohen Domes und der Stadt Paderborn sang  der Chor der Dommusik sowie der Solistin Ina Siedlaczek.

Der Goldene Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius im Hochchor des Hohen Doms zu Paderborn.pdp / Ronald PfaffAm Nachmittag wurden die Reliquien im Rahmen einer eucharistischen Andacht der Liboribruderschaft wieder in feierlicher Prozession in die Krypta überführt, wobei wie schon bei der Erhebung der Reliquien der Libori-Tusch zu hören war.

Hintergrund:
Das Erzbistum Paderborn gedenkt am Herbstliborifest der Rückführung der Reliquien des hl. Liborius am 31. Oktober 1627. Diese waren in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1622 von Christian von Braunschweig bei der Plünderung des Paderborner Domes geraubt worden. Zu Beginn des festlichen Gottesdienstes im Hohen Dom wird der Goldene Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius in einer Prozession in den Hochchor überführt und dort aufgestellt.