13 Tonnen schweben aus offenem Hallendach

Glockenform der neuen Glocke des Hohen Doms mit Schwertransport zu Schiffsschrauben-Gießerei

In der Glockengießerei Asten musste das Dach abgedeckt werden, um die Glockenform mit einem Kran auf den Schwertransporter zu heben.pdp/Ronald Pfaff Paderborn / Asten (NL), 25. Oktober 2017. Die Form der neuen, großen Glocke für den Hohen Dom zu Paderborn ist erstellt. Zu Beginn dieser Woche wurde sie mit einem Schwertransporter von der Royal Eijsbouts Glockengießerei Asten ins gut eine Autostunde entfernte Zaltbommel – im Norden der Niederlande - gebracht. Mitte November wird dann die Paderborner Glocke mit der Inschrift „Jesus Christus – unser Friede“ dort gegossen.

Straßensperrungen in der schmucken Innenstadt, ein riesiger Hebekran und ein Schwertransporter sorgen am frühen Montagmorgen für Aufsehen in der niederländischen Kleinstadt Asten. Für die rund 17.000 Einwohner in Asten ist es nicht ganz ungewöhnlich, besondere Transporte von der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts zu sehen. Doch an diesem Morgen sorgt der Aufwand schon für mehr Schaulustige. Auch Firmeninhaber Joost Eijsbouts und Mitarbeiter Joep van Brussel warten gespannt darauf, ob der Plan aufgeht.

Der Transport ist der dritte Schritt für die neue Bass-Glocke, die am Ende etwa 13 Tonnen schwer sein wird. Bisher wurden in der Gussgrube der Glockengießerei die so genannte „falsche Glocke“ aus Ziegeln gemauert, die Schichten erstellt und mittels einer drehbaren Schablone geglättet. Im zweiten Schritt wurden Schriften und Verzierungen aufgetragen, die der Schriftkünstler Brody Neuenschwander (Brügge / Belgien) entworfen hatte.

Die gefertigte Form der neuen Glocke für den Hohen Dom zu Paderborn wird aus der Glockengießerei gehoben.pdp /Ronald Pfaff Da die Paderborner Glocke mit ihrem Durchmesser von vier Metern und einer Höhe von drei Metern die bis dato größte Glocke im Wachsmantel ist, die die Glockengießerei in Asten je erstellen durfte, reichen die Kapazitäten nicht aus. 16 Tonnen Bronze müssen gegossen werden. Das schaffen die Öfen bei Eijsbouts nicht. Deshalb ist die Kooperation mit der Gießerei Van Voorden in Zaltbommel erforderlich, die zum Beispiel auch große Schiffsschrauben gießen.

Kein Tor in der Glockengießerei Asten ist groß genug, um die Glocke nach draußen auf einen Transporter zu bringen. Daher entschied sich das Unternehmen dafür, bei trocknem Wetter am frühen Morgen das Hallendach zum Teil abdecken zu lassen. Damit ist die Öffnung geschaffen, über die ein 200-Tonnen-Kran die Glockenform aus dem Fabrikgebäude heben kann. Langsam baut sich der Kran neben der Halle auf, durch das Dach ist bereits der Hebearm zu sehen. Die Hebeseile werden heruntergelassen, die Mitarbeiter der Transportfirma und der Glockengießerei bringen die Seile vorsichtig an. Millimeter für Millimeter erhebt sich anschließend die Glockenform aus der Gussgrube. Ganz gerade - denn jede Schwingung würde die Millimeter genaue Arbeit erschweren. Nach einigen Minuten blicken alle erwartungsvoll nach oben. Die Unterseite – die breiteste Stelle der Glocke – muss nun das „Loch im Dach“ Die Form der Glocke wird auf den Transporter verladen.pdp/ Ronald Pfaff passieren. Händisch drehen die Fachleute die Glocke nochmals in die richtige, gerade Linie.

 Als die Glockenform über dem Dach schwebt, „begrüßt“ keine 500 Meter entfernt das Glockenspiel der Kirche von Asten mit dem kräftigen Uhrschlag zur vollen Stunde die Gussform. Der Kran schwenkt und die übergroße Glockenform findet ihren Platz auf dem Transporter. Auch hier messen die Mitarbeiter wieder nach, so dass die Glockenform genau mittig ist. Schließlich wird das kostbare Transportgut befestigt.

Durch die Gassen der Innenstadt von Asten ging der Transsport der Glockenform gen Schiffsschraubengießerei.pdp / Ronald Pfaff Im Konvoi mit einem Begleitfahrzeug geht es im Schritttempo durch die Straßen von Asten. Gleich drei Rechtskurven sind eine Herausforderung, die Anwohner applaudieren. Allmählich verschwindet der Schwertransporter gen Norden am Horizont. Der Glockenguss wird Mitte November dann der nächste Höhepunkt, bei der Schaffung der neuen Glocke, die dann im neuen Jahr im Hohen Dom den Ton angeben wird.