„Der Dom gehört uns allen“

Priester servieren Menschen am Rande ein Festmahl im Hasenkamp des Doms

Gastmahl im Dom Zum Gastmahl im Dom waren etwa 70 geladene Menschen gekommen, darunter auch Hans Dieter Schettke (links). Joachim Veenhof, Geschäftsführer des SKM, Wohnungslosenseelsorgerin Schwester Ulrike Tyws und Dompropst Monsignore Joachim Göbel (v.l.) halfen den Tag zu etwas Besonderem zu machen.pdp/Lena Reiher Paderborn, 14. Oktober 2017. Im Mittelpunkt stehen, sich bedienen lassen, sich rundum wohl fühlen – dieses Gefühl ist für viele Menschen ein seltenes Gut. Etwa siebzig Bedürftige, Wohnungslose, Menschen am Rande aus Paderborn durften heute diesen Luxus im Hohen Dom zu Paderborn erfahren. Auf Einladung des Paderborner Metropolitankapitels waren sie im Zuge der Feierlichkeiten des 950-jährigen Jubiläums des Imad-Doms in die Paderborner Kathedrale gekommen und haben ein Festmahl serviert bekommen. 30 Helfer, darunter zehn Priester, zehn Priesteramts-Kandidaten und ehrenamtliche Helfer, haben diesen Tag zu etwas ganz Besonderem werden lassen.

„Dieser Dom ist nicht unser Dom. Er gehört allen Menschen. Schon beim Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl sitzen am Ende gute und böse Menschen zusammen, es ist eine ganz bunte Mischung aus schrägen und weniger schrägen Typen und man kann nicht direkt erkennen, wer wer ist“, sagte Dompastor Dr. Nils Petrat in seiner Ansprache an alle Gäste im Dom. „Heute sind Sie eingeladen zu einem Fest der Begegnung; mit den unterschiedlichsten Menschen, aber auch der Begegnung mit Gott. Gott schafft ein Miteinander, bei dem die Vergangenheit nicht mehr zählt. Gott schafft ein Miteinander, bei dem die Karriere, der Erfolg, das Ansehen, nicht mehr zählt. Ich wünsche mir, dass Sie heute dieses Gefühl haben, dass Sie sich im Dom zuhause fühlen und dieses Gefühl mit in Ihren Alltag nehmen können.“

Impuls Domkapitular Dr. Thomas Witt und Dompastor Dr. Nils Petrat leiteten gemeinsam mit Schwester Elrike Tyws das Gastmahl mit einem geistlichen Impuls ein.pdp/Lena Reiher Für viele Menschen am Rande sei es nicht selbstverständlich in den Dom zu gehen, viele seien sich sogar sehr unsicher, ob sie den Dom überhaupt betreten dürfen, weiß Schwester Elrike Tyws, Wohnungslosenseelsorgerin in Paderborn: „Die persönliche Einladung in den Dom war für viele ein Zeichen von großer Wertschätzung und sie haben sich sehr darüber gefreut. Mich persönlich freut es zudem sehr, dass so viele die Möglichkeit wahrgenommen haben eine Kerze für eine eigene Fürbitte anzustecken und einen persönlichen Segen zu erhalten. Ich weiß, dass dies für viele eine große Mutprobe gewesen ist.“ In den Fürbitten war deutlich zu spüren, wie groß die Solidarität der Straße ist. Zahlreiche Kerzen wurden für Verstorbene entzündet oder für Gleichgesinnte, für die die Hemmschwelle zu groß war in den Dom zu kommen.

Dieses Gefühl kennt auch Hans Dieter Schettke nur zu gut. „Ich komme gerne ab und zu in den Dom, um eine Kerze anzuzünden, denn manchmal habe ich auch den ein oder anderen Wunsch, doch für ein Hochamt am Sonntag habe ich nicht die richtige Kleidung“, meint der 57-Jährige. „Mein großer Wunsch ist es einmal Weihnachten im Dom zu feiern, denn egal, wie schlecht es mir zwischendurch geht und welche bösen Zeiten ich durchmache, der Glaube fällt nicht ab.“

geschmückte Tische Der Hasenkamp im Hohen Dom war für das Festmahl festlich geschmückt.pdp/Lena Reiher Dank des Katholischen Vereins für soziale Dienste in Paderborn, dem SKM, geht es Hans Dieter Schettke wieder besser und er kann in seinem Leben wieder Fuß fassen. „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, stammen aus der guten Mittelschicht und sind sehr gebildet. Doch oft erleben sie einen Schicksalsschlag, der sie aus der Bahn wirft und wenn dann keine Familie da ist, die sie auffängt, ist der Weg auf die Straße nur noch ein ganz kurzer“, beschreibt Joachim Veenhof, Geschäftsführer des SKM, seine Erfahrungen. „Genau deshalb ist ein Tag wie heute sehr wichtig und unglaublich wertvoll.“

Das 950-jährige Jubiläum des Imad-Doms, das im kommenden Jahr begangen wird, steht unter dem Leitsatz „behütet und bedacht“ und soll ein Jubiläum für alle sein. Es soll jedem einzelnen zeigen, dass er in der Kirche willkommen ist und dort ein Zuhause finden kann. Das Gastmahl für die Bedürftigen verdeutlicht genau dies.