Die Bibel hinter Gittern

900 Bibelausgaben für die Gefängnisseelsorge im Erzbistum Paderborn

Das Erzbistum Paderborn verschickt 900 Bibeln für die Seelsorge in Justizvollzugsanstalten. Für Stephan Lange vom Erzbischöflichen Generalvikariat kommt so das „Wort Gottes“ auch zu den Menschen hinter Gittern.pdp / Thomas ThroenlePaderborn, 13. Oktober 2017. Es ist für die meisten Menschen sicherlich ein ungewöhnliches Bild, 900 Bibeln auf zwei Paletten zu sehen. Möglicherweise noch überraschender ist es, den Bestimmungsort der 900 Exemplare der Heiligen Schrift zu erfahren: Sie werden alle für die Gefängnisseelsorge im Erzbistum Paderborn bereitgestellt, so dass Seelsorger in Bibelkreisen hinter Gittern mit ihnen arbeiten oder sie Inhaftierten überlassen können.      

„Wir sind froh und dankbar, dass wir nicht allein durch die Person unserer Gefängnisseelsorger bei den Gefangenen präsent sein können, vielmehr den Inhaftierten nun auch das ‚Buch der Bücher‘ anbieten können“, sagt Stephan Lange. Als Leiter der Abteilung Gemeinde- und Erwachsenenpastoral im Erzbischöflichen Generalvikariat ist er auch für den Bereich der Kategorialseelsorge, damit die Seelsorge in den Justizvollzugsanstalten auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn, zuständig. Die Seelsorge für Inhaftierte, deren Angehörige und die Bediensteten der Justizvollzugsanstalten gehöre zu den wesentlichen Elementen des seelsorglichen Handelns der Kirche, ist Dekan Wilhelm-Friedrich Schulte gewiss. Der Priester ist der Diözesanbeauftragte des Erzbistums Paderborn für die Seelsorge in Justizanstalten und arbeitet selbst in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld. Auf biblischer Grundlage sei es für den Dienst des Seelsorgers wesentlich und fundamental, „den Gefangenen die Entlassung zu verkünden“ (Lk 4,18). Das bedeute für die Häftlinge nicht, die Haftstrafe nicht verbüßen zu müssen, dass vielmehr die Zuwendung und Vergebung Gottes auch durch Gefängnisgitter nicht aufgehalten werde.  

Die Botschaft der Bibel werde lebendig und menschlich erfahrbar insbesondere an den Rändern der Gesellschaft, führt Lange ausgehend von Aussagen von Papst Franziskus aus. Damit sei das Gefängnis auch ein konkreter pastoraler Ort und ein bedeutsames Feld der Seelsorge und Nähe zu den Menschen. Lange ist froh, dass insgesamt 14 Seelsorgerinnen und Seelsorger, davon sieben Priester und sieben Theologinnen und Theologen, diesen Dienst der Kirche leisten. „Es ist gut, dass wir die Bibel auch zu den Menschen in den Gefängnissen bringen“, so Lange im Hinblick auf die 900 Exemplare der Heiligen Schrift. „Die Beschäftigung mit der Bibel kann insbesondere in Krisensituationen wie im Gefängnis helfen, den eigenen Weg zum Glauben zu finden“, so Dekan Schulte. „Uns Seelsorgern ist es ein großes Anliegen, die Sorgen und Nöte der Menschen ernst zu nehmen und sie zu begleiten.“ Das könne in den vertraulichen seelsorglichen Gesprächen sein, aber auch in Bibelgesprächskreisen, die hinter Gittern von den Seelsorgern angeboten werden.  

Die Deutsche Bischofskonferenz, die Katholische Bibelanstalt und die Katholische Gefängnisseelsorge in Deutschland haben 40.000 Exemplare einer Sonderausgabe der neuen, revidierten Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift für Menschen im Gefängnis bereitgestellt. 900 Exemplare hat das Erzbistum Paderborn erhalten und gibt diese an die fünfzehn Orte mit einer Justizvollzugsanstalt weiter.  

Ein Altar aus Bibeln in der Gefängniskapelle in Herford: Auch diese Bibeln sind für die Inhaftierten bestimmt.pdp / Michael KingTheologe Michael King, Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Herford, erhielt aus dem Kontingent der Deutschen Bischofskonferenz 1.000 Exemplare der Heiligen Schrift und platzierte sie vorrübergehend in der Gefängniskapelle, wo er sie als „Altar aus dem Wort Gottes“ aufbaute. Aber auch diese Exemplare dienen nur kurze Zeit als Altar, denn sie sind für die Inhaftierten bestimmt.