Interdisziplinäre Hallenkirchen-Tagung eröffnet

Öffentlicher Abendvortrag am Donnerstag, 5. Oktober

Paderborn, 4. Oktober 2017. Dompropst Monsignore Joachim Göbel und Rektor Professor Dr. Rüdiger Althaus haben am Mittwoch, 4. Oktober, die groß angelegte interdisziplinäre Tagung „1.000 Jahre Bartholomäuskapelle“ zu Geschichte und Architektur von Hallenkirchen an der Theologischen Fakultät Paderborn eröffnet. Zusammen mit dem Tagungsleiter Dr. Norbert Börste begrüßten sie die zusammengekommenen Experten verschiedener Fachrichtungen im Auditorium Maximum. Bis Freitag tauschen sich die Wissenschaftler in Vorträgen und Diskussionsrunden über die europaweiten Untersuchungen und neuesten Forschungsergebnisse aus.  

„Es ist für uns eine große Ehre und Freude, dass sie sich auf den Weg nach Paderborn gemacht haben, um Forschungsergebnisse zu präsentieren, zu diskutieren und den neusten Stand der Forschung zusammen zu tragen“, sagte Dompropst Göbel bei seiner Eröffnungsansprache. Dabei hob er gleich zu Beginn hervor, welche Bedeutung die Fachtagung insbesondere für das Metropolitankapitel am Hohen Dom zu Paderborn habe. Zwar sei das Metropolitankapitel dafür verantwortlich, dass die uralte Bartholomäuskapelle und damit der „sicher kostbarste Raum Paderborns“ auch für die kommenden Generationen „ein Ort des Geheimnisses, der Heimat und des Segens bleibt“. Aber um diese Verantwortung fundiert und reflektiert überhaupt wahrnehmen zu können, „brauchen wir Sie, die Fachleute unterschiedlicher Disziplinen.“  

Gerade heute, wo das Thema „Heimat“ immer relevanter werde, würden auch besondere Kirchenräume wieder gefragter, erklärte Dompropst Göbel. Darum habe sich das Domkapitel auch bewusst dafür entschieden, das Doppeljubiläum, 1.000 Jahre Bartholomäuskapelle und 950 Jahre Imad-Dom, unter das Leitwort „behütet und bedacht“ zu stellen. Zu den gefragten Orten rund um den Domplatz würde für viele die Krypta des Domes gehören, die als bergender, behütender und segensreicher Raum erlebt werde. Ein Raum mit einer noch größeren Anziehungskraft aber stelle die Bartholomäuskapelle dar. „Nicht nur musikalische Menschen haben ihn entdeckt und suchen ihn häufig auf. Viele Einzelbesucher und solche, die immer wieder kommen, sind geradezu überwältigt von der großartigen Stimmigkeit und Schlichtheit, von der Reinheit und Klarheit der Architektur.“ 

Wie eindrucksvoll diese Kirchbauten gerade zur Zeit ihrer Entstehung gewesen sein müssen, werde deutlich, wenn man sich die damalige Lebenswirklichkeit im Mittelalter vor Augen führe, sagte Professor Althaus in seinem Grußwort an die Tagungsteilnehmer. „Bauten aus Stein waren absolute Rarität, Wohlhabende konnten sich Häuser aus Holz leisten, während normale Menschen mehr oder weniger in Erdgruben hausten. Was haben diese Menschen über eine große Kirche, über einen Dom gestaunt“, gab Professor Althaus zu bedenken.  

Der damaligen Philosophie und Theologie entsprechend hätten die Baumeister mit ihrem Streben und Mühen in der Architektur versucht, ein Abbild des himmlischen Jerusalems auf Erden zu schaffen. Das sei der Versuch gewesen, „den Menschen eine Ahnung von Gott und seiner himmlischen Herrlichkeit zu geben“, obwohl die Gelehrten auch damals genau gewusst hätten, dass „selbst die großartigste Kirche den allmächtigen Gott weder einfangen noch beherbergen kann“, erklärte der Rektor der Theologischen Fakultät.  

Tagungsleiter Dr. Norbert Börste bedankte sich nach den offiziellen Begrüßungsworten bei allen anwesenden Gästen und führte die Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Frankreich in Ablauf und Inhalt der Konferenz ein. Besonderer Dank gelte den Unterstützern dieser Tagung: der Stadt Paderborn, dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V., dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen sowie der katholischen Erwachsenen- und Familienbildung im Erzbistum Paderborn.  

Viele Fragen würden bis Freitag in diesem Expertenkreis erörtert, sagte Dr. Börste. Neben der Analyse und Genese der Bartholomäuskapelle würde auch „die aktuellste Forschung zu gotischen Hallenkirchen behandelt, zumal Westfalen als Land der Hallenkirchen gilt und mit dem Langhaus des Paderborner Domes erstmals eine Großhalle in einer deutschen Kathedrale im 13. Jahrhundert verwirklicht worden ist.“ So könne diese Tagung ebenso „als Auftakt für weitere Vertiefungen im Bereich der Bau-, Kunst- und Liturgiegeschichte des Domes angesehen werden, dem im Jahr des Domjubiläums mehrere Publikationen folgen“, erklärte der Lehrbeauftragte für Kunstgeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn. Diese Tagung, die Brücken zwischen einzelnen Paderborner Institutionen schlage, sei also auch der Beginn für die weitere Erforschung des gesamten Domumfeldes und seiner heiligen Räume.  

Auf der erstmaligen interdisziplinären Tagung zu gotischen Hallenkirchen in Deutschland und Europa beschäftigen sich Wissenschaftler bis Freitag an der Theologischen Fakultät Paderborn aus verschiedenen Perspektiven mit aktuellen Forschungsfragen. Dabei werden ebenso archäologische, (kunst-)historische, kirchengeschichtliche und liturgische Aspekte erörtert wie denkmalpflegerische, bautechnische, geologische und akustische Maßnahmen diskutiert. Ein öffentlicher Abendvortrag im Rahmen der Tagung findet am Donnerstag, 5. Oktober, um 19.00 Uhr im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät (Klingelgasse, Ecke Liboristraße) statt. Der Osnabrücker Kunsthistoriker Professor Dr. Klaus Niehr spricht zum Thema „Rom – Pienza – Paderborn. Die Physiognomie der Hallenkirche: Wahrnehmung und Interpretation“. Der Eintritt ist frei.  

Die 1.000 Jahre alte Bartholomäuskapelle ist das einzige bis heute nahezu unzerstörte Gebäude des Paderborner Bischofs Meinwerk. Sowohl innerhalb der westfälischen Sakralbaulandschaft als auch in der überregionalen ottonischen Architekturgeschichte nimmt sie eine herausragende Stellung ein. Die Bartholomäuskapelle zwischen Paderborner Dom und Kaiserpfalz gilt als die „älteste Hallenkirche nördlich der Alpen“ und steht seit fast zweihundert Jahren im Fokus der Forschung, insbesondere die Fragen nach ihren byzantinischen Vorbildern und der Herkunft der griechischen Handwerker, den Grecos Operarios, die in der Vita Meinwerci genannt werden.  

Im Anschluss an die Tagung ist eine Buchveröffentlichung geplant, die die Beiträge des interdisziplinären Austausches dokumentieren soll.