Auftakt zum Diözesanen Forum

Erzbischof Becker zieht Bilanz nach drei Jahren Zukunftsbild / Im Erzbistum stehen mehrere Veränderungen an

Die Lenkungsgruppe für das Zukunftsbild im Interview mit den Moderatoren des Diözesanen Forums (v.l.): Moderatorin Jutta Loke, Prälat Thomas Dornseifer, Generalvikar Alfons Hardt, Erzbischof Hans-Josef Becker, Msgr. Michael Bredeck und Moderator Tom Hegermann.Foto: pdp/Thomas Throenle Unna, 29. September 2017. In Unna hat am Freitagnachmittag das Diözesane Forum des Erzbistums Paderborn mit einem großen Plenum in der Stadthalle begonnen. Vor 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bezeichnete Erzbischof Hans-Josef Becker das vor drei Jahren veröffentlichte Zukunftsbild als „nach wie vor verbindliches Wegzeichen“. Der Erzbischof machte gleichzeitig deutlich, dass der damit initiierte Richtungswechsel noch Zeit brauche. Für die kommenden Jahre kündigte Erzbischof Becker mehrere Veränderungen in der Erzdiözese an, zum Beispiel beim Einsatz von Laientheologinnen und -theologen oder Gottesdienstfeiern am Sonntag.      

Ein Richtungswechsel, der Zeit braucht  
Zu Beginn seines Statements skizzierte Erzbischof Becker den im Zukunftsbild definierten Richtungswechsel. Es gehe darum, von einem Kirchenbild, das den Priester ins Zentrum stellt, zu einem Kirchenbild zu gelangen, das alle gemeinsam ins Zentrum stelle, sagte er. Weiterhin ermutige das Zukunftsbild dazu, statt auf eine Pastoral, die flächendeckend die gesamte Pfarrgemeinde erfassen wolle, stärker auf eine differenzierte Pastoral im größeren Raum zu setzen, die Schwerpunkte setze. In einem weiteren Richtungswechsel dürfe sich die Kirche nicht mehr so stark auf volkskirchliche Voraussetzungen verlassen, die es mancherorts in Wahrheit gar nicht mehr gebe. Stattdessen lade das Zukunftsbild dazu ein, mit Mut, Freude und Glaubwürdigkeit neue Wege zu beschreiten.      

Entscheidungen für die kommenden Jahre  
Für einige Themen gab Erzbischof Becker Entscheidungen bekannt. Eine davon betrifft eine Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten von Laientheologinnen und Laientheologen: Ab dem Wintersemester 2017/2018 richtet das Erzbistum einen Bewerberkreis für Laientheologen ein und entwickelt eine standardisierte Berufseinführungsphase. Auch bezüglich Gottesdiensten am Sonntag gab Erzbischof Becker eine Veränderung bekannt: Künftig können Pfarrer, ihre Teams und die Gremien selbst entscheiden, welche Form von Wortgottesfeiern es am Sonntag bei ihnen vor Ort geben soll. Diese können sich auf diese Weise auch für eine Wortgottesfeier am Sonntag mit Kommunionausteilung entscheiden. Eine entsprechende Regelung dazu wird zum ersten Advent 2017 bistumsweit in Kraft treten, die sich an den Erfahrungen im Pastoralen Raum Warburg orientiere. Dort läuft seit 2016 ein Modellprojekt, in dem Wortgottesfeiern am Sonntag mit Kommunionausteilung erprobt wurden.  

Erzbischof Hans-Josef Becker (l.) bezeichnete das Zukunftsbild auf dem Diözesanen Forum als „nach wie vor verbindliches Wegzeichen“, rechts: Msgr. Michael Bredeck.Foto: pdp/Ronald Pfaff Erzbischof Becker kündigte weiter an, dass das Erzbistum Frauen, die eine haupt- oder ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirche ausüben, stärker fördern wolle. Eine Weiterentwicklung der beiden Gremien Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand nannte Erzbischof Becker als weiteres Vorhaben für die kommenden Jahre. Dazu hätten die Generalvikare der NRW-Bistümer eine Arbeitsgruppe beauftragt, die bis 2020 einen Gesetzesentwurf vorlegen solle. Schließlich thematisierte Erzbischof Becker das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus aus dem vergangenen Jahr: In Umsetzung dieses Schreibens werde er bis zum Jahresende für die drei Kooperationsräume Mitte, Ost und West mehrere Personen benennen, die wiederverheiratet Geschiedenen als Begleiter zur Verfügung stehen. Diese Personen werden entsprechend geschult.      

Statements der Lenkungsgruppe für das Zukunftsbild  
Neben Erzbischof Hans-Josef Becker gaben auch die weiteren Mitglieder der Lenkungsgruppe für das Zukunftsbild ihre Eindrücke aus den vergangenen Jahren wieder. Generalvikar Alfons Hardt sagte, dass sich das Erzbischöfliche Generalvikariat derzeit auf die veränderte Situation und Bedürfnisse in den Pastoralen Räumen einzurichten versuche. „Wenn wir in den Pastoralen Räumen Vielfalt wollen, müssen wir uns in der Behörde darauf einstellen“, sagte er. Ein erster Schritt sei die Einrichtung verschiedener finanzieller Fonds gewesen, etwa für neue Projekte in der Pastoral oder christliche Popularmusik. Monsignore Dr. Michael Bredeck, Leiter des Projektes Bistumsentwicklung, zeigte sich insgesamt begeistert und dankbar, dass sich viele Menschen an der Umsetzung des Zukunftsbildes quer durch alle Ebenen beteiligt haben. Dies sei nicht selbstverständlich. Prälat Thomas Dornseifer, Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat, beschrieb seine Eindrücke aus den verschiedenen Pastoralvereinbarungen der Pastoralen Räume: „Er kommt mir vor, als ob unsere bisherigen Erfahrungen durch einen Filter gegossen werden. Dieser Filter ist Zukunftsbild mit seinen vier Handlungsfeldern.“      

Welcome-Team, Himmelsflitzer und geistliche Gestaltung  
Moderiert wurde das Plenum von Jutta Loke, stellvertretende Geschäftsführerin des Gemeindeverbandes Hellweg, und Tom Hegermann, freier Journalist und ehemaliger WDR2-Moderator.   Zu Beginn riefen sie das Welcome-Team auf die Bühne, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor der Stadthalle mit alkoholfreien Cocktails begrüßt und nach ihren Erwartungen ans Forum befragt hatte. Zu den Antworten zählte zum Beispiel „Gewinn, guter Austausch, Begeisterung, die weitergetragen wird“.  

500 Frauen und Männer sind zum Diözesanen Forum in der Stadthalle Unna zusammengekommen.Foto: pdp/Thomas Throenle Aus dem Pastoralen Raum Dortmund-Ost berichteten Angelika von Kölln, Gemeindereferentin im Ruhestand, und Pastor Stefan Wigger von ihren Erfahrungen. Im Mittelpunkt stand dabei der so genannte „Himmelsflitzer“, ein dreirädriges Rollermobil, mit dem man in Dortmund-Ost seit drei Jahren unterwegs ist, um auf unkomplizierte Weise mit Menschen in Kontakt zu kommen. „Unser Motto war immer: Wir wollen eine Kirche sein, die überrascht“, sagte Angelika von Kölln. Sie erzählte davon, wie sie mit dem Himmelsflitzer in der Adventszeit an einer Haltestelle gestanden und das „Friedenslicht von Bethlehem“ an die wartenden Menschen verteilt habe. „Dabei sind viele Gespräche entstanden“, sagte sie.  

Monsignore Martin Reinert und Dr. Annegret Meyer gestalteten das Plenum mit geistlichen Elementen und bezogen sich dabei auf die Gleichnisse Jesu. Für musikalische Untermalung sorgten Miriam Buthmann und Band.  

Nach dem Plenum hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, sich auf einem „Marktplatz“ in der Stadthalle umzusehen, auf dem insgesamt 42 Themen an Stellwänden präsentiert werden, oder einen von sieben Workshops zu besuchen. Eine zweite Workshop-Phase schließt sich am späteren Abend an. Mit einem Abendsegen und einem gemütlichen Beisammensein endet der erste Tag des Diözesanen Forums.

Stichwort Zukunftsbild und Diözesanes Forum  
2014 hat sich das Erzbistum Paderborn mit dem „Zukunftsbild“ ein Entwicklungsprogramm für die kommenden Jahrzehnte gegeben. Auf diesem Entwicklungsweg sind Diözesane Foren fest vereinbarte Meilensteine, die alle drei Jahre stattfinden. Das Diözesane Forum 2017 ist das erste Forum nach der Veröffentlichung des Zukunftsbildes und steht unter dem Leitwort „Erfahrung. Begegnung. Wachstum“. Die beiden Tage wollen sichtbar machen, was sich im Erzbistum seitdem verändert hat, welche Ideen es gibt, welche davon wachsen und gedeihen und welche Entwicklungen schwierig sind. 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich informieren, diskutieren und an für sie interessanten Fragestellungen weiterarbeiten. Dazu präsentieren Menschen aus dem Erzbistum auf einem großen Marktplatz insgesamt 42 Projekte und Initiativen. Zusätzlich wird es im Verlauf der beiden Tage drei Workshop-Phasen mit insgesamt 24 Workshops geben, an denen intensiv an einem Thema gearbeitet werden kann. Am Ende des Diözesanen Forums stehen Empfehlungen für den weiteren Weg der Entwicklung im Erzbistum Paderborn.  

Die 500 eingeladenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer bilden einen Querschnitt der zahlreichen engagierten Menschen im Erzbistum Paderborn ab. Es kommen Vertreter der diözesanen Ebene und der Dekanatsebene sowie Menschen aus den Pastoralen Räumen und den Verbänden. Die Hälfte der teilnehmenden Frauen und Männer sind Ehrenamtliche. Natürlich zählen auch Erzbischof Hans-Josef Becker und die gesamte Bistumsleitung zu den Teilnehmern. Für diejenigen, die nicht beim Forum dabei sein können, stellt das Erzbistum von Teilen des Programms (Plenen, Gottesdienst) einen Live-Stream zur Verfügung.   

Zum Video vom Plenum