Kloster Wedinghausen soll Ort des Segens sein

Generalvikar Alfons Hardt legt Grundstein für neues Kapitel im Kloster Wedinghausen

Ein neues Kapitel wird durch die Grundsteinlegung im Kloster Wedinghausen aufgeschlagen: Mitglieder der brasilianischen Shalom-Bewegung beleben das geistliche Zentrum neu.pdp / Thomas Throenle Paderborn / Arnsberg, 16. September 2017. In Arnsberg im Sauerland, konkret im ehemaligen Kloster Wedinghausen, wurde am Samstag ein neues Kapitel aufgeschlagen und gewinnt das frühere geistliche Zentrum jetzt unter veränderten Vorzeichen seine ursprüngliche Bestimmung zurück: Nach den umfangreichen Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen im Ostflügel wird die aus Brasilien stammende Gemeinschaft Shalom in das historische Gemäuer des alten Klosters Wedinghausen einziehen und mit ihr wieder geistiges und geistliches Leben. Generalvikar Alfons Hardt legte dafür nach dem traditionellen Grafenbegängnis mit Memoria und Wortgottesdienst in der Propsteikirche den Grundstein im Ostflügel. Propst Hubertus Böttcher begrüßte die zahlreichen Gäste, der Regierungspräsident von Arnsberg, Hans-Josef Vogel, Christoph Regniet als Kirchenvorstand und Dr. Bettina Heine-Hippler als Vertreterin der LWL-Denkmalpflege sprachen Grußworte.      

Propst Hubertus Böttcher und Generalvikar Alfons Hardt freuen sich mit der Propsteigemeinde in Arnsberg: die Urkunde zur Grundsteinlegung ist unterschrieben.pdp / Thomas Throenle „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ Dieses Wort aus dem Markus-Evangelium wurde im feierlichen Wortgottesdienst vorgetragen und steht als Chronogramm wie eine Überschrift über dem Ostflügel. Von ihm ausgehend erläuterte Generalvikar Alfons Hardt, diese Worte seien wie eine Brücke zwischen dem, was die Prämonstratenserchorherren des Klosters Wedinghausen im 12. Jahrhundert begonnen und bis zur Säkularisation 1803 und damit der Aufhebung des Klosters gelebt hatten, über die Wirklichkeit der Arnsberger Propsteigemeinde, die das Gebäude als Pfarrheim genutzt habe, bis zum Aufbruch, der mit der Grundsteinlegung verbunden sei. Kirche sei Aufbruch zu den Menschen, bekräftigte der Generalvikar des Paderborner Erzbischofs. Denn Jesus Christus habe Christen dazu gesandt, allen die Frohe Botschaft der Liebe Gottes zu verkünden, Licht zu sein in einer Welt, die oft von Gleichgültigkeit und Egoismus verdunkelt werde.  

Kloster Wedinghausen soll auch weiterhin ein Ort des Segens sein, so Generalvikar Alfons Hardt in seiner Ansprache.pdp / Thomas Throenle „Wir haben die Shalom-Bewegung, die in Brasilien und 36 weiteren Ländern sehr erfolgreich ihren Weg geht, eingeladen, auch hier in Deutschland und in unserem Erzbistum Paderborn dieses Experiment und diesen Aufbruch zu wagen. Die Mitglieder haben ihre Heimat und Kultur verlassen, um dem Ruf des Evangeliums zu folgen, so wie damals vor 800 Jahren, als der Mönch Richard seine Heimat in England verließ, um hier als Zeuge des Glaubens zu leben“, führte Generalvikar Hardt in seiner Ansprache aus. Heute gehe es darum, selbst ein „lebendiges Wort“ zu sein und das Evangelium durch das Leben zu verkünden. Er vertraue darauf, dass die Saat des Evangeliums für die Menschen aufgehen und blühen werde. Der Ort solle auch weiterhin ein Ort des Segens sein.  

Seit zwei Jahren leben sechs junge Mitglieder der Shalom-Bewegung in Arnsberg. Die charismatische Glaubensgemeinschaft möchte insbesonder junge Menschen für die Frohe Botschaft Jesu Christi begeistern. Kreativ, lebendig und temperamentvoll fördert die Gemeinschaft Begegnung und Austausch und möchte so Zeichen des Evangeliums sein. Im Gottesdienst mit Generalvikar Hardt trugen Mitglieder der Shalom-Bewegung Lieder und Fürbitten vor. Der Wortgottesdienst wurde auch vom Kirchenchor der Arnsberger Propsteigemeinde musikalisch gestaltet.  

Mitglieder der aus Brasilien stammenden Shalom-Bewegung gestalteten den Gottesdienst musikalisch.pdp / Thomas Throenle Vor dem Beginn des Gottesdienstes in der Arnsberger Propsteikirche wurde das traditionelle Grafenbegängnis begangen, das an den Stifter des Klosters Wedinghausen, Graf Heinrich I., erinnert. Dazu wurde der Stadtrat von Arnsberg von Propst Hubertus Böttcher und Generalvikar Alfons Hardt am Portal zum Gotteshaus abgeholt und zum Hochgrab von Graf Heinrich II. und Gräfin Ermengardis von Arnsberg in der Kirche begleitet, wo ein Gebet gesprochen wurde.  

Kirche bilde sich aus Menschen, die dem christlichen Glauben ihr Gesicht verleihen, führte Propst Böttcher bei der Begrüßung der Gottesdienstteilnehmer aus. Menschen würden in der Kirche mit Herz, Hand und Mund ihren Glauben lebendig und vielfältig leben. „Wir sind als Kirche eine große Gemeinschaft, Menschen, die Zeugen des Glaubens sind und so die eine Kirche bilden.“ Jeder Gottesdienst sei eine Verbindung von Himmel und Erde, ebenso wie eine Verknüpfung von dem, was gewesen sei, was jetzt sei und was zukünftig sein werde, so der Dechant des Dekanates Hochsauerland-West weiter. Im Hinblick auf die Gemeinschaft Shalom führte er aus, er sei sehr dankbar, dass junge Menschen aus Brasilien die vor langer Zeit von den Prämonstratenserchorherren begonnene Geschichte und jene der Pfarrgemeinde hier fortschreiben und dem Ruf Gottes folgen. „Alte und neue Geschichte verbinden sich, es ist ein Weg der Gnade Gottes mit uns.“  

Mit der Grundsteinlegung ist ein Etappenziel der Restaurierung des ehemaligen Klosters Wedinghausen erreicht. Am Ende wird die Gemeinschaft Shalom in das historische Gemäuer einziehen.pdp / Thomas Throenle Am Ende des Gottesdienstes wurden anlässlich der umfangreichen Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen im Ostflügel und der damit verbundenen Grundsteinlegung verschiedene Grußworte gesprochen. Die durchgeführten Arbeiten zielen auf die Verortung und Unterstützung der Mitglieder der Gemeinschaft Shalom ab. Propst Böttcher erläuterte: „Heute feiern wir, dass etwas eingepflanzt und grundgelegt wurde, das Gott wachsen lässt. Es soll hier in Arnsberg, im ehemaligen Kloster Wedinghausen etwas werden und wachsen.“ „Aber passt es zusammen, der Samba Brasiliens und die knorrige Eiche des Sauerländers“, fragte Propst Böttcher mit einem Schmunzeln. „Ich denke schon: Wir brauchen als Stadt mit alter Tradition neues Leben und die Shalom-Bewegung geht respektvoll mit unserer Tradition um.“ Es bestehe die Chance, dass neue und alte Erfahrung zusammen komme und lebendig wirke. „Ich wünsche uns, dass Leben und Glaube weiter geht. Gerne geben wir uns in diese Tradition hinein, um so neu Gott im Menschen zu entdecken. Ich wünsche mir, dass aus Träumen und Visionen Wege zur Wirklichkeit werden.“

Der Regierungspräsident von Arnsberg, Hans-Josef Vogel, sagte in seinem Grußwort: „Ich danke dem Paderborner Erzbischof und dem Arnsberger Propst für das, was sie aus dem Kloster Wedinghausen machen. Sie haben es geschafft, einen neuen Aufbruch zu initiieren: Ein altes Kloster kehrt zurück in eine lebendige Wirklichkeit.“ Die Propsteigemeinde Arnsberg und der gesamte Pastorale Raum freue sich über den erlebten Aufbruch und danke für die erfahrende Unterstützung von Seiten des Erzbistums und der Bevölkerung von Arnsberg, führte Christoph Regniet als Kirchenvorstand aus. „Wir freuen uns über die Shalom-Bewegung, die neues Leben in unsere Gemeinde bringt.“  

Nach dem traditionellen Grafenbegängnis mit dem Stadtrat von Arnsberg und dem Arnsberger Propst, Hubertus Böttcher, wurde der Grundstein für den restaurierten Ostflügel gelegt.pdp / Thomas Throenle Dr. Bettina Heine-Hippler von der oberen Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe bezeichnete die Restaurierungsarbeiten im Ostflügel als eine ganz besondere Baumaßnahme. Hier sei ein Team von Menschen entstanden, eine Gemeinschaft, die von Kooperation und Dialog geprägt sei. „Wir stehen in einer langen Reihe von Menschen, die hier gelebt und geglaubt haben.“ Sie sei gewiss, dass der Ostflügel zu einem Haus werde, das in eine Spiritualität hineinführe. „Hier entsteht ein Haus, das auf Fels gebaut ist. Wir sind dankbar, dass das Erzbistum Paderborn uns dieses Geschenk für die Zukunft macht.“ Auch der brasilianische Gründer der Shalom-Bewegung hatte zur Grundsteinlegung einen Brief gesandt, der vorgetragen wurde: „Wir freuen uns, dass wir Teil der Geschichte des Klosters Wedinghausen sein dürfen und diese Geschichte weiterführen dürfen. Wir wollen Diener Gottes sein, der uns berufen und gesandt hat, das Evangelium weiter zu geben. Dieses Haus möge ein Ort der Freude und Begegnung sein, in dem die Nähe Gottes erfahrbar ist.“  

Im Anschluss an die Grußworte wurde die Grundsteinurkunde unterschrieben und gemeinsam mit aktuellen Tageszeitungen, einer Ausgabe der Kirchenzeitung DER DOM, Münzen und einem Kreuz aus der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede in eine Kupferrolle eingelassen. Nach dem von Zimmermann Franz-Josef Huckenbeck vorgetragenen traditionellen Richtspruch sprach Generalvikar Alfons Hardt zur Grundsteinlegung ein Gebet und anschließend wurde die Kupferkapsel in den Boden des Ostflügels eingelassen. Die zahlreichen Besucher hatten dann Gelegenheit zu Begegnung und einem Imbiss auf dem Vorplatz und konnten sich bei Führungen über den Stand der Restaurierungsarbeiten informieren.      

Kloster Wedinghausen: Ein Ort, der Geschichte atmet  

Im Jahr 1170/73 stiftete Graf Heinrich I. von Arnsberg in Wedinghausen ein Kloster. 1254 wurde der frühgotische Chor der Klosterkirche geweiht. Über Jahrhunderte schrieb das Kloster Wedinghausen europäische Kultur- und Geistesgeschichte. Am wichtigen Knotenpunkt im Netzwerk der Prämonstratenserchorherren entstanden bedeutende mittelalterliche Handschriften, die heute zum Teil in der Klosterbibliothek ausgestellt und aufbewahrt werden. 1794 kam der Kölner Domschatz mit seinem weltberühmten Schrein und den Gebeinen der Heiligen Drei Könige in der Klosteranlage unter, um hier vor Napoleons Häschern geschützt zu werden. Mit der Säkularisierung fand das Klosterleben in Arnsberg dann 1803 ein Ende, und das schon im Mittelalter und der frühen Neuzeit als Pfarr- und Klosterkirche der Stadt genutzte Gotteshaus ist seit 1859 die Propsteikirche St. Laurentius. Ab 2002 erfolgte die Umgestaltung des Westflügels für das Stadt- und Landständearchiv sowie für eine historische Ausstellung, zudem die Restaurierung der alten Klosterbibliothek und die Neugestaltung des Klosterinnenhofes. Seit 2014 wird der Ostflügel umgestaltet.  

Zurzeit wird der Ostflügel von Kloster Wedinghausen umgebaut, weil hier Ende 2018 die Missionare der Katholischen Gemeinschaft Shalom einziehen sollen. Das Kloster Wedinghausen wird damit zu einem neuen Zentrum, an dem nicht nur Mittelalter und 21. Jahrhundert aufeinandertreffen, vielmehr auch (junge) Menschen auf den Glauben, um ihm wie sich selbst auf neue Weise zu begegnen.