Große Glocke im „Kern“ schon erkennbar

Glockenguss für Hohen Dom zu Paderborn eine Herausforderung für Königliche Glockengießerei

Domkapitular Dr. Gerhard Best mit den Joep van Brussel (r.) und Firmeninhaber Joost Eijsbouts vor dem Kern der neuen Glocke in der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts in Asten.pdp/Ronald Pfaff Paderborn/Asten, 13. September 2017. „Festgemauert in der Erden, steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden; frisch, Gesellen, seid zur Hand.“ Bis Schillers „Lied von der Glocke“ so zitiert werden darf, wird es Spätherbst werden. Doch die neue große Glocke für den Hohen Dom zu Paderborn nimmt in der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts im niederländischen Asten derzeit bereits Formen an. Der sogenannte Kern aus Ziegeln ist gemauert und die feinen Schichten für die Innenform der Glocke werden mit handwerklichem Geschick aufgebaut.

Domkapitular Dr. Gerhard Best, Beauftragter für das Glockenwesen im Erzbistum Paderborn, nahm in dieser Woche diesen ersten Schritt für die neue große Glocke des Paderborner Doms in Augenschein. Das Paderborner Metropolitankapitel hatte beschlossen, das bisherige Geläut musikalisch zu optimieren und um eine kleine Glocke (Ton gis‘) als „Klangkrone“ und eine neue große Glocke (Ton e) als „Klangteppich“ zu erweitern. Die neue Bass-Glocke wird etwa 13.000 kg schwer sein.

In der Gussgrube wird der Kern aus Ziegeln gemauert und dann die Schichten aufgetragen, die mittels einer drehbaren Schablone geglättet werden.pdp/Ronald Pfaff Das Erzbistum Paderborn setzt auf die Erfahrung der niederländischen Glockengießerei Royal Eijsbouts, die sich bereits seit 1872 der hohen Kunst der Glockengießerei verschrieben hat. „Sie sind auch Spezialisten, wenn es darum geht, dass Glocken repariert und geschweißt werden müssen“, weiß Dr. Gerhard Best, der mit dem Vizepräsidenten der Königlichen Glockengießerei, Joep van Brussel, den weiteren Ablauf durchspricht. „Im Dezember“, so rechnet van Brussel, „werden die Glocken gegossen und wir erwarten, dass die Glocke Ende Februar dann ganz fertig ist.“

Bis dahin ist aber noch viel zu tun. Denn für die Mitarbeiter der Glockengießerei ist dieses Projekt mit vielen Herausforderungen verbunden. Immerhin ist die Paderborner Glocke die bisher größte Glocke im Wachsmantel im Auftrag von Eijsbouts und dazu reichen nicht alle Kapazitäten aus. Wenn die Form der Glocke erstellt ist, wird sie zu einer anderen Gießerei in den Niederlanden, die unter anderem auch Schiffsschrauben herstellt, transportiert und dort dann gegossen. Allein der Aufwand mit Hebekran und Schwertransporter wird in der schönen Kleinstadt Asten mit rund 17.000 Einwohnern für Aufsehen sorgen.

Der momentane Stand des sogenannten Kerns der neuen Glocke für den Hohen Dom zu Paderborn.pdp/Ronald Pfaff Was ist bisher geschehen? In der Gussgrube wurde der sogenannte Kern – auch Ziegelkern - gemauert. Er ist die Stütze für die weitere Konstruktion, an dem mit feinen Lehmschichten die Innenform der Glocke aufgebaut wird. Mittels einer drehbaren, hölzernen Schablone werden die Schichten ständig geglättet. Diese Schablone – auch Flügel genannt – bestimmt die Größe und letztlich auch den Klang der zukünftigen Glocke. Wenn diese Schichten getrocknet sind, kommt ein Trennmittel hinzu.

Im nächsten Schritt wird auf diese Innenform mit mehreren Schichten die zweite Glocke - die sogenannte „Falsche Glocke“ - aufgebracht. Sie ist das Pendant der späteren Glocke. Die Außenform der „falschen Glocke“ wird ähnlich bearbeitet wie der Kern. Verzierungen oder Inschriften werden auf die „falsche Glocke“ mit Wachs aufgebracht.

 

Joep van Brussel, Vizepräsident der Königlichen Glockengießerei Eijsbouts in Asten (NL).pdp/Ronald Pfaff

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Joep van Brussel (Audio)