Besuch in der Justizvollzugsanstalt

Weihbischof König informiert sich in der JVA und trifft Gefangene

In der Kirche der Justizvollzugsanstalt Dortmund (v.l.) Pastor Josef Tyc, Gefängnisseelsorger, Andreas Eleganczyk, Ausbildungsleiter Justizvollzugsdienst, Andreas Dargel, Personalratsvorsitzender, Weihbischof Matthias König, Ralf Bothge, Leiter der JVA-Dortmund und Propst Andreas Coersmeier.pdp Dortmund, 11. September 2017. „…ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen“ (Mt 25, 31-46). Es ist andächtig still als Pastor Josef Tyc die Stelle aus dem Gleichnis „Vom Weltgericht“ aus der Bibel vorliest. Neben dem Gefängnisseelsorger an der Justizvollzugsanstalt Dortmund (JVA) steht Weihbischof Matthias König in einem Kreis von Gefangenen in der überraschend großen Kirche des Dortmunder Gefängnisses.

Aktuell 416 Gefangene sind dort zu etwa gleichen Teilen im Strafvollzug und in der Untersuchungshaft untergebracht. Eigentlich sollten es nur 405 sein. „Wir sind voll“, sagt Ralf Bothge, der seit Juni die JVA leitet. Er erläutert Weihbischof König und Propst Andreas Coersmeier die Abläufe im Strafvollzug, das Bemühen um Resozialisierung und die Besonderheiten der  Justizvollzugsanstalt Dortmund. Anlass für den Besuch ist die Visitationsreise von Weihbischof Matthias König, die auch die Gefängnisseelsorge umfasst. Der Weihbischof ist Ralf Bothge sehr dankbar, dass ihm zusammen mit Propst Andreas Coersmeier zugleich ein umfangreicher Einblick in die Welt des Gefängnisses gewährt wird.

Manches in dem 130 Jahre alten Gebäude erinnert an ältere Filme. So etwa die dicken Holztüren zu den Zellen, die im Wortsinn noch mit Schloss und Riegel gesichert werden. Für Ralf Bothge hat das auch einen Charme, den neuere Anstalten so nicht haben. Andererseits seien die räumlichen Möglichkeiten eher begrenzt. Um die Gefangenen kümmern sich 200 Mitarbeiter. Neben 139 Justizvollzugsbeamten auch Psychologen, Sozialarbeiter, Ärzte, Lehrer und die katholische und evangelische Gefängnisseelsorge.

„Religion ist hier wichtig“, erklärt Bothge. Schon die Möglichkeit, mit dem Seelsorger unter vier Augen sprechen zu können und zu wissen, dass dieser nichts davon weiterträgt, helfe vielen Gefangenen. Nicht wenige würden in der Haft zum Glauben finden. Pastor Josef Tyc bestätigt das. Zwischen 35 und 60 Teilnehmer kommen jeweils zu ihm in den Sonntagsgottesdienst. Dafür müssen sie sich bereits am Mittwoch zuvor anmelden.

Durchaus groß ist auch die Runde, die sich zu der kurzen Andacht und dem anschließenden Gespräch mit Weihbischof König in der Kirche versammelt hat. „Sport ist hier wichtig – auch dadurch bin ich seit acht Monaten vom Alkohol weg“, berichtet einer der Gefangenen. Vielleicht sei die Haft für ihn so etwas wie ein positives Schicksal.

In der Anstalts-Bibliothek (v.l.): Pastor Josef Tyc, Ralf Bothge, Propst Andreas Coersmeier und Weihbischof Matthias König.pdp Ein Großteil der Gefangenen spricht Deutsch nicht als Muttersprache und einzelne wünschen sich mehr fremdsprachige Bücher in der Bibliothek. Die sei jedoch schon mit Büchern in vielen Sprachen ausgestattet, erläutert Ralf Bothge. Allerdings könne man nicht für alle der aktuell 46 Nationen der Gefangenen etwas vorhalten.

Ein für ihn wichtiges Buch hat Weihbischof König bereits auf den ersten Blick in der Anstalts-Bibliothek entdeckt. Es handelt vom Patron des Erzbistums Paderborn und trägt den Titel „Sankt Liborius – Schutzpatron im Strom der Zeit“.