Forschungsprojekt zu Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger gestartet

Kommission für kirchliche Zeitgeschichte untersucht Leben und Werk des früheren Paderborner Erzbischofs

Rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen erforschen Leben und Werk des früheren Paderborner Erzbischofs Lorenz Kardinal Jaeger. Das Forschungsprojekt wird durchgeführt von der Kommission für kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn.pdp / Thomas ThroenlePaderborn, 7. September 2017. Das von der Kommission für kirchliche Zeitgeschichte initiierte Forschungsprojekt „Lorenz Kardinal Jaeger. Erzbischof von Paderborn 1941-1973“ startete jetzt mit einer gut besuchten Eröffnungstagung im Paderborner Bildungshaus Maria Immaculata. Nach einem Grußwort von Generalvikar Alfons Hardt, der die große Bedeutung des Projektes für das Erzbistum Paderborn hervorhob, führte die Paderborner Theologieprofessorin Dr. Nicole Priesching als Vorsitzende der Kommission für kirchliche Zeitgeschichte in das umfassende Forschungsprojekt zum Leben und Werk des früheren Paderborner Erzbischofs Lorenz Kardinal Jaeger ein. In den nächsten fünf Jahren wird es jeweils eine Fachtagung in der Katholischen Akademie Schwerte geben, auf der Jaeger unter einer bestimmten Perspektive behandelt werden soll.      

Für jede der geplanten Fachtagungen konnten mindestens zwölf Referentinnen und Referenten für einzelne Vorträge gewonnen werden. Die Beiträge dieser Fachtagungen sollen publiziert werden. Insgesamt sind über 40 Wissenschaftler aus ganz Deutschland am Projekt beteiligt, vor allem Kirchenhistoriker und Geschichtswissenschaftler. Auf diese Weise entsteht in den nächsten Jahren ein Arbeitskreis, in dem Ergebnisse präsentiert und diskutiert werden.  

In seinem Grußwort betonte Generalvikar Alfons Hardt, er sei dankbar, dass sich die Kommission für kirchliche Zeitgeschichte im Erzbistum Paderborn der Aufgabe angenommen habe, ein umfassendes Bild von Kardinal Jaeger zu erstellen. Dass viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen in einem interdisziplinär besetzten Arbeitskreis zusammen arbeiten, sei wertvoll. „Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie sich in der anstehenden Tagungsreihe der Person und dem schriftlichen Nachlass von Lorenz Kardinal Jaeger nähern möchten. Für Ihre Arbeit wünsche ich Ihnen von Herzen Gottes Segen und viel Erfolg.“  

Der Nachlass von Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger ist eine wichtige Grundlage für das Forschungsprojekt. Professorin Dr. Nicole Priesching und Diözesanarchivar Dr. Arnold Otto im Erzbischöflichen Diözesanarchiv.pdp / Thomas ThroenleDie meisten Mitglieder des Arbeitskreises waren bereits zur Eröffnungstagung nach Paderborn gekommen. Auf dem Programm stand ein Stadtrundgang auf den Spuren von Erzbischof Jaeger, bei dem die ganze Gruppe spontan von Erzbischof Hans-Josef Becker im Bischofshaus begrüßt wurde. Weiter gab es ein Zeitzeugeninterview mit Pfarrer i. R. Werner König und Prälat Theodor Ahrens, zudem eine Einführung in den Jaeger-Nachlass im Erzbischöflichen Diözesanarchiv durch Bistumsarchivar Dr. Arnold Otto. Dabei bestand die Möglichkeit, erste Bestände zu sichten. Das Programm der Eröffnungstagung wurde vervollständigt durch erste Diskussionen in den Arbeitsgruppen, die nach den geplanten Fachtagungen eingeteilt waren, und eine öffentliche Filmvorführung über Lorenz Kardinal Jaeger mit archivalischen Filmaufnahmen.  

Die Initiative zum Projekt geht von der Kommission für kirchliche Zeitgeschichte des Erzbistums Paderborn aus. Es handelt sich bei dem Projekt um eine Ergänzung und Erweiterung des Forschungsauftrages, den Erzbischof Hans-Josef Becker der Theologischen Fakultät in Paderborn zur Rolle von Erzbischof Jaeger in der Zeit des Nationalsozialismus erteilt hat. Als Ziel hat sich die Kommission für kirchliche Zeitgeschichte gesetzt, ein möglichst vielschichtiges Bild des ehemaligen Paderborner Oberhirten zu entwickeln. Was für ein Mensch war Erzbischof Jaeger? Was hat ihn geprägt? Was hat er angestoßen, verhindert, vorangetrieben? Was waren seine Ziele als Erzbischof und welche Handlungsspielräume hatte er für deren Umsetzung? Wo machte er Kompromisse? Mit welchen Personen arbeitete er wie zusammen? Wie war er privat?  

Über die Beschäftigung mit Erzbischof Jaeger im Forschungsprojekt rückt auch die allgemeine Zeitgeschichte in den Blick: Vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und das Drittes Reich bis in das geteilte Deutschland, die Erfahrungen zweier Weltkriege eingeschlossen. Kirchenhistorisch spannt sich der Bogen von der Zeit des Antimodernismus eines Papst Pius X. über das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) bis zur Würzburger Synode in den 1970ern. Das Forschungsprojekt wird Erzbischof Jaeger auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene begegnen und möchte dieser Komplexität gerecht werden. „Am Ende des Projekts hoffen wir, eine wissenschaftlich kompetente, interdisziplinäre und dem öffentlichen Interesse Rechnung tragende Aufarbeitung des Lebens und Wirkens Kardinal Jaegers bieten zu können“, so Professorin Priesching.  

Die erste Fachtagung wird Ende August 2018 in der Katholischen Akademie Schwerte zum Thema „Jaeger als Theologe“ stattfinden.