Sich als christliche Kirchen gemeinsam für ein Thema stark machen, das die ganze Erde betrifft

Pfarrerin Annette Muhr-Nelson und Dr. Burkhard Neumann zum Schöpfungstag auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe

Pfarrerin Annette Muhr-Nelson und Dr. Burkhard NeumannFotos: Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen / Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik im Erzbistum Paderborn Paderborn, 29. August 2017. Pfarrerin Annette Muhr-Nelson leitet das Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen und ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen (ACK NRW). Dr. Burkhard Neumann ist Priester und Direktor am Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn und ebenfalls Mitglied im Vorstand der ACK NRW. Beide sind wesentlich an der Vorbereitung des ökumenischen Tags der Schöpfung beteiligt, der am 9. September 2017 im GlaubensGarten der Landesgartenschau in Bad Lippspringe gefeiert wird. Seit 2010 begeht die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland den ökumenischen Tag der Schöpfung, in diesem Jahr unter dem Leitwort „So weit Himmel und Erde ist“ (Ps 148,13, Lutherübersetzung).      

Frau Pfarrerin Muhr-Nelson, warum braucht es so dringend einen ökumenischen Schöpfungstag? Gerät die Schöpfung aus dem Blick?  
Muhr-Nelson: In diesem Jahr hatten wir bereits am 2. August den sogenannten „Erdüberlastungstag“, das heißt, es waren schon nach sieben Monaten des Jahres 2017 so viele Ressourcen verbraucht, wie die Erde in einem Jahr zur Verfügung stellen kann. Wir verbrauchen sozusagen im Moment 1,6 „Erden“ pro Jahr. Im Jahr 2050 werden es drei sein. Dass der Klimawandel äußerst bedrohlich ist und weltweit Krisen wie zum Beispiel Hungersnöte verursacht, die wiederum zu Fluchtbewegungen führen, wird heute von keinem ernst zu nehmenden Politiker und Wissenschaftler mehr bestritten. Die Kirchen – alle christlichen Kirchen – rufen schon seit den achtziger Jahren verstärkt zur Bewahrung der Schöpfung auf. Und das tun sie auch dieses Jahr wieder.      

Der Schöpfungstag wird seit 2010 in Deutschland begangen – welche Erfahrungen gibt es bisher?  
Muhr-Nelson: Gute Erfahrungen. Die Gemeinden und Kirchen nehmen das Material, das anlässlich der Feier des Schöpfungstages bereitgestellt wird, dankbar an und setzen es in ihrer konkreten Arbeit ein – wenn auch nicht unbedingt immer am ersten Sonntag im September, dem eigentlichen Termin des Schöpfungstages. Da gibt es örtlich ganz unterschiedliche Gepflogenheiten. Manche setzen am Erntedankfest den Schwerpunkt auf die Schöpfung, manche im Frühling oder vor den Sommerferien. Aber es ist ein gutes ökumenisches Signal, dass wir uns als christliche Kirchen gemeinsam für ein Thema stark machen, das die ganze Erde betrifft.      

Herr Direktor Dr. Neumann, wie wird der Schöpfungstag im Erzbistum Paderborn aufgegriffen? Welche Resonanz gab es bisher?  
Dr. Neumann: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Gemeinden, die den Schöpfungstag bereits seit Jahren regelmäßig feiern und andere, die ihn kaum oder noch gar nicht kennen. Gerade darum möchten wir diese wichtige ökumenische Initiative durch die Feier auf der Landesgartenschau noch bekannter machen und in einem guten Sinne dafür werben.      

Wie kam es dazu, den Schöpfungstag in diesem Jahr in Bad Lippspringe zu feiern? Was erwartet die Besucher dort?  
Dr. Neumann: Anlass war natürlich die Landesgartenschau, die einen wunderbaren Rahmen für einen Gottesdienst zum Schöpfungstag bietet und die darum eben auch mithelfen kann, diesen Tag in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen. Von Seiten der ACK NRW haben wir darum so früh wie möglich mit den Kirchengemeinden vor Ort Kontakt aufgenommen und sind mit unserem Anliegen sofort auf offene Ohren gestoßen.  

Die Besucher erwartet zunächst im GlaubensGarten ein Rahmenprogramm zum Schöpfungstag, wo sich an verschiedenen Ständen Initiativen und Projekte vorstellen. Für Familien mit ihren Kindern haben wir ein Kinderschminken und eine Buttonmaschine vorbereitet. Der Gospelchor der Neuapostolischen Kirche wird auf dem Gelände singen und so die Besucher auf den Schöpfungstag aufmerksam machen. Und nach einem offenen Singen feiern wir zum Abschluss einen Gottesdienst auf der Adlerwiese.      

Beim Abschlussgottesdienst werden die Siegerbeiträge aus einem Malwettbewerb prämiert. Was war das Thema des Wettbewerbs und wer hat alles mitgemacht?  
Dr. Neumann: In Anlehnung an das Leitwort des diesjährigen Schöpfungstages „So weit Himmel und Erde ist“ lautete das Thema: „Gottes Schöpfung zwischen Himmel und Erde“. Wir haben die Grundschulen und die Kirchlichen Kindertageseinrichtungen in Bad Lippspringe angeschrieben und eingeladen, mitzumachen.      

Frau Pfarrerin Muhr-Nelson und Herr Dr. Neumann, welche Botschaft sollte am Ende des Schöpfungstages in Bad Lippspringe in den Köpfen der Gäste hängen bleiben?  

Muhr-Nelson: Ein wenig Nachdenklichkeit wünsche ich mir, einen sorgsameren Umgang mit Wasser, Plastik, Strom, Nahrungsmitteln. Wir können alle etwas tun, um den Klimawandel aufzuhalten, und sei es noch so wenig – auch der Ozean besteht aus einzelnen Wassertropfen. Es ist eine spirituelle Frage, wie ich lebe. Ich wünsche mir ein Ohr für das Leiden der Kreatur, eine Spiritualität der Achtsamkeit – und des Widerstands gegen die Lebensweise des „immer mehr“. Wir müssen lernen, weniger zu verbrauchen. Dazu gibt es schon viele gute Beispiele. „Weniger ist mehr“ – das sollte in den Köpfen der Menschen hängen bleiben.  

Dr. Neumann: Dem kann ich nur zustimmen. Und ich wünsche mir, dass wir als Christen durch unser gemeinsames Beten und Singen zeigen können, dass diese Haltung gerade aus dem Lob Gottes und dem Dank für seine Schöpfung kommt. Wenn das in den Köpfen hängen bleibt, dann würde uns das sehr freuen.