Als Kirche Zeichen gegen Missstände setzen

Weihbischof Matthias König und Delegation aus dem Erzbistum Paderborn besuchten Madagaskar

Die Reisegruppe aus dem Erzbistum Paderborn beim Besuch der Schule in Ambalavao mit Missionar auf Zeit Paul Schwarzelühr.Foto: privatPaderborn, 7. August 2017. Zu Gast am anderen Ende der Welt: Weihbischof Matthias König, Ulrich Klauke als Leiter des Referates Mission-Entwicklung-Frieden im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn, Dagmar Feldmann, Vorsitzende der Initiative „Freunde von Tafita“, Lena Wierich, ehemalige Missionarin auf Zeit (MaZ) und einige weitere Interessierte hatten im Juli die Chance, weltkirchliche Partner und Freunde in Madagaskar zu besuchen.      

Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt mit einer einmaligen Flora und Fauna – viele Arten in der Tier- und Pflanzenwelt gibt es nur hier. Allerdings gehört das Land, eine ehemalige französische Kolonie, zu den ärmsten Ländern der Welt. Jahrzehntelange Misswirtschaft und Korruption sind unter anderem die Gründe dafür, dass das Land sich in dieser Situation befindet. Die Folgen sind beispielsweise eine hohe Armut und Kriminalität, so dass ein echter Aufbruch kaum möglich erscheint. Die katholische Kirche in Madagaskar versucht, gegen diese Missstände Zeichen zu setzen. Katholiken bilden die zahlenmäßig größte Konfession auf der Insel, auf der etwa die Hälfte der Bevölkerung einer christlichen Konfession angehört.  

Ein beispielhafter Visionär, der versucht, den Menschen neue Hoffnung zu geben und die derzeitigen Umstände Schritt für Schritt zu verändern, ist Monsignore Benjamin Ramaroson, Oberhirte des Erzbistums Antsiranana (früher Diego-Suarez) im Nordwesten der Insel. Bereits als Bischof des südöstlichen Bistums Faranfangana hatte er die „Diocèse vert“ – die „Grüne Diözese“ – proklamiert. Gegen die schrankenlose Abholzung der einst reichen Wälder mit all ihren Folgen wie Erosion, extreme Wetterphänomene oder Wassermangel hatte er ein Programm gestartet, das den Gläubigen Anstoß gab, bei wichtigen familiären Ereignissen Bäume zu pflanzen und damit ein Zeichen zu setzen. Mit Hilfe von Tafita, einem jungen Mann aus Madagaskar, der 2010 und 2011 auf dem Jugendbauernhof in Hardehausen im Erzbistum Paderborn als Missionar auf Zeit gearbeitet hatte, wurde bis 2014 Vieles erreicht: Einige hundert Hektar Bäume wurden gepflanzt, zaghaft begann bei den Menschen ein Bewusstsein dafür zu wachsen, dass etwas gegen die Zerstörung der Natur getan werden kann.  

Weihbischof Matthias König (hintere Reihe, 4.v.l.) mit Erzbischof Benjamin Ramaroson, und den Priestern der Erzdiözese Antsiranana.Foto: privatNun versucht Erzbischof Benjamin Ramaroson, der dem Orden der Vincentiner angehört, ähnliches in Antsiranana zu beginnen. Hier geht er den Weg über die Schulen und versucht, Kinder und Jugendliche in den kirchlichen Bildungseinrichtungen für die (über-) lebensnotwendige Bedeutung des Umweltschutzes zu sensibilisieren und so mit ihnen als „Verbündete“ gegen die Umweltzerstörung anzugehen.  

Bei ihrem Besuch in Madagaskar besuchten die Gäste der Delegation aus dem Erzbistum Paderborn das Pastorale Zentrum, das zur Fortbildung der Katechisten dient und vom Erzbistum Paderborn gefördert wurde. Bei einer Messfeier in der Kathedrale von Antsiranana wurde der Gruppe vom Präsidenten des Laiengremiums eine kostbare geschnitzte Madonna als Zeichen der Dankbarkeit und Verbundenheit überreicht. Außerdem trafen die Gäste aus Deutschland nahezu alle 62 Priester des Erzbistums Antsiranana, die im Juli stets drei Wochen mit ihrem Erzbischof zur Beratung, zur Fortbildung und zu gemeinsamen Exerzitien zusammenkommen. Zwei verdiente europäische Missionare aus den Reihen der Spiritaner-Patres, beide gebürtige Elsässer und über 50 Jahre im Land, wurden bei dieser Gelegenheit verabschiedet.  

Die deutschen Besucher konnten zudem einige Projekte in und um Antsiranana besuchen, so etwa kirchliche Schulen, Schwesternhäuser und ein neues Zentrum in einem wachsenden Vorort der Stadt. Das Zentrum, in dem Ordensschwestern tätig sind, soll Jugendlichen ein Anlaufpunkt sein, um sie vor Drogen und Gewalt zu bewahren.   Von der Hauptstadt Madagaskars, Antananarivo, ging es dann für die Reisegruppe aus dem Erzbistum Paderborn nach Süden. Begleitet wurde die Gruppe von Paul Schwarzelühr aus Bünde, der in Ambalavao als Missionar auf Zeit in einer Schule der Josephsschwestern von Cluny tätig ist. Er erwies sich auf der Reise als profunder Kenner des Landes und konnte aufgrund seiner Sprachkenntnisse in Französisch und Madagassisch viele Gespräche und manchen Austausch anregen.  

Ein weiterer Besuch führte in die Projektstelle Kianjavolasoa in der Nähe von Antsirabe. Dort haben die Schwestern Unserer Lieben Frau von La Salette mitten auf dem Land eine Schule und einen Bauernhof. Auch dort war eine Missionarin auf Zeit eingesetzt. In der Nacht zum 1. April 2017 wurde diese Station von rund 30 Leuten überfallen und ausgeplündert. Die Missionarin auf Zeit musste daher ihren Einsatz abbrechen. Der Besuch der deutschen Gruppe aus dem Erzbistum Paderborn war für die Schwestern dort ein wichtiges Zeichen der Solidarität. Eine Messfeier am Ort des Geschehens sollte zur geistlichen Heilung des Traumas einen Beitrag leisten.  

Weihbischof Matthias König tauscht sich beim Besuch einer Schule aus.Foto: privatAn allen Orten wurden Weihbischof Matthias König, Ulrich Klauke und die Begleiterinnen und Begleiter mit Freude und großer Aufmerksamkeit empfangen. Die Bischöfe, Ordensleute und Laien schätzten die Zeichen der Wertschätzung und der geschwisterlichen Anteilnahme.  

Ein weiterer Madagasse, Obin Brunel, der gerade erst im Juni 2017 in die Heimat zurückgekehrt war, konnte die Besucher aus Deutschland ebenfalls auf einem Teil ihrer Reise begleiten. Er hat Arbeit bei einer schweizerischen Entwicklungsorganisation (ADES) gefunden, die sich ebenfalls für praktischen Umweltschutz und die Zurüstung der Bevölkerung zur Mitarbeit daran einsetzt. Auch Schwester Georgine von den Schwestern Unserer Lieben Frau von La Salette, die vor Jahren als Missionarin auf Zeit ebenfalls in Hardehausen eingesetzt war, freute sich über den Besuch der ihr vertrauten Menschen aus Paderborn.  

Die Reise nach Madagaskar hat Beziehungen gestärkt und ausgebaut und den regen Austausch über die Missionare auf Zeit noch einmal vorangebracht. Neue Projekte, jetzt auch im Erzbistum Antsiranana, sollen erschlossen werden, weitere Madagassen sollen in das Erzbistum Paderborn kommen.