Alltags-Unterbrechungen als Gottesgeschenk empfangen

10 Jahre Apostolisches Schreiben „Summorum Pontificum“: Erzbischof Hans-Josef Becker predigt in Heiliger Messe in der Kapuzinerkirche

Gottesdienst Domvikar Monsignore Gregor Tuszynski stand der Heiligen Messe in der Kapuzinerkirche vor.pdp/Lena Reiher Paderborn, 6. August 2017. In der Kapuzinerkirche in Paderborn wurde heute in einer Heiligen Messe an die Veröffentlichung des Apostolischen Schreibens „Summorum Pontificum“ von Papst Benedikt XVI. erinnert, das vor zehn Jahren in Kraft trat. Seitdem ist neben der heute üblichen Form des römischen Liturgie-Ritus, die aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil erwachsen ist, auch die vor dem Konzil übliche „außerordentliche Form des römischen Ritus“ wieder anerkannt. Auch in Paderborn wird diese „außerordentliche Form“ regelmäßig gefeiert: am Sonntag um 11 Uhr in der Kapuzinerkirche und am Mittwoch um 18.30 Uhr am Kreuzaltar im Hohen Dom. Domvikar Monsignore Gregor Tuszynski stand der Heiligen Messe in der Kapuzinerkirche vor, Erzbischof Hans-Josef Becker hielt die Predigt.

Zelebranten In der „außerordentlichen Form des römischen Ritus“ wird die Heilige Messe mit dem Rücken zu den Gottesdienstbesuchern gewandt, gefeiert.pdp/Lena Reiher Worin besteht der Unterschied zwischen den beiden Formen des römischen Ritus? In der „außerordentlichen Form“ wird die Heilige Messe bis auf die Predigt in lateinischer Sprache gefeiert. Die „ordentliche Form“ wird seit der Liturgiereform zwar zum Teil auch noch in Latein, überwiegend aber in den lebendigen Volkssprachen gefeiert, damit die Gläubigen bewusster am Gottesdienst teilhaben können.

Auch die „außerordentliche Form des römischen Ritus“ hat eine treue Gemeinde – wie auch am heutigen Sonntag in der Heiligen Messe in der Kapuzinerkirche. In seiner Predigt sprach Erzbischof Hans-Josef Becker zum Evangelium zur „Verklärung des Herrn“. „Wir feiern ‚Verklärung des Herrn‘ und werden so aus unserem Alltag herausgerissen und damit auch aus der Gewohnheit unserer Gottesbeziehung“, erklärte Erzbischof Becker. Dieser Umstand stelle Menschen vor die Frage, was für einen Gott sie erwarten würden: „Den, der sich schön in unseren Alltag einfügt, der uns bestätigt, so wie wir sind, der zufrieden nickt. Oder den, der uns zur Unterbrechung zwingt, zum Innehalten, zum Stutzig-Werden über all das Gewöhnliche, was sich so eingeschliffen hat in unser Leben und in unseren Glauben“, hinterfragte der Paderborner Erzbischof.

Erzbischof Becker predigt Erzbischof Hans-Josef Becker hielt in der Kapuzinerkirche die Predigt.pdp/Lena Reiher Eine Unterbrechung vom Alltag würde von vielen Menschen gesucht. Doch eine „christliche Alltags-Unterbrechung“ geschehe auf andere Art: „Christliche Unterbrechung des Alltags ist etwas, was wir nicht selbst erzwingen können. Sie ist uns geschenkt von Gott. Und am Menschen ist es, dieses Geschenk Gottes anzunehmen, sich ihm zu öffnen und sich dadurch – ein ganz wesentlicher Schritt – wandeln zu lassen“, erklärte Erzbischof Becker. Zudem bedeute eine Unterbrechung des Alltags nicht, dass dieser Alltag nicht wiederkomme, mitunter auch mit negativen Momenten, die vom Gefühl der Gottferne und -verlassenheit geprägt sein könnten. „Doch wir Menschen wissen, dass die Erfahrung der Gottesferne tragen kann, wenn wir aus der Überzeugung leben: Ich bin auch jetzt nicht allein gelassen, weil ich zu einem anderen Zeitpunkt meines Lebens die Nähe Gottes ganz deutlich spüren durfte“, so der Paderborner Erzbischof.