Singen für den Frieden und Brasilien erleben

Mädchenkantorei am Paderborner Dom beim Internationalen Chorfestival in Brasilien

Singen gehört für Domkantorin Gabriele Sichler-Karle und die Sängerinnen der Mädchenkantorei am Paderborner Dom zum Alltag, jetzt aber in Brasilien.pdpPaderborn, 31. Juli 2017. Ein beeindruckendes Reiseprojekt führte Mitglieder der Mädchenkantorei am Paderborner Dom und einige Begleiter jetzt für insgesamt zwölf Tage nach Brasilien: Das Pueri Cantores-Festival, zu dem sich die Paderborner Sängerinnen mit 24 anderen jungen Chören aus Brasilien, Mexico, Frankreich, Polen, Südkorea, Schweden und Deutschland zum gemeinsamen Musizieren trafen, war allerdings nur eins der Ziele der informativen musikalischen Reise nach Südamerika.      

Eingeladen hatte Pueri Cantores International zur 41sten Auflage ihres internationalen Kongresses nach Rio de Janeiro in Brasilien. „Kinder und Jugendliche aus der ganzen Welt bilden Freundschaften, singen zur Ehre Gottes und für den Frieden in der Welt“, berichtet Domkantorin Gabriele Sichler-Karle, die die jungen Sängerinnen aus Paderborn begleitete. Sie hatte mit der Mädchenkantorei zuletzt am Jahreswechsel 2015/16 beim internationalen Pueri-Treffen in Rom teilgenommen. Die Kantorin weiß auch, wie viel es den südamerikanischen Sängerinnen und Sängern bedeutet, wenn Chöre aus Europa auf den südamerikanischen Kontinent und damit auch in ihr Land kommen. Aus Deutschland waren mit der Mädchenkantorei am Paderborner Dom auch Domchöre aus Speyer, Mainz und Köln dabei.  

Die Teilnahme am Pueri Cantores Kongress in Rio de Janeiro war für die Mädchenkantorei ein besonderes Erlebnis der Brasilienreise.pdp„Wenn wir nach Brasilien reisen, wollen wir unser Gastland mit seinen unterschiedlichsten Seiten erfahren.“ Dazu hatte Domkantorin Gabriele Sichler-Karle ein differenziertes Programm erstellt, neben den nötigen Impfungen hatte man sich auch hinsichtlich der Sicherheitsbedingungen bestmöglich vorbereitet.  

Insgesamt war die Mädchenkantorei zwölf Tage in Brasilien. Zusammen mit den 22 Sängerinnen der Mädchenkantorei und ihrer Leiterin waren Domvikar Dr. Rainer Hohmann, Dekanatskirchenmusiker Sebastian Freitag und fünf Betreuerinnen nach Südamerika geflogen.  

Erstes Etappenziel war Vitória, ein in Brasilien gelegenes Partnerbistum von Paderborn. In der beeindruckenden Stadt mit über 300.000 Einwohnern waren die Mädchen in Gastfamilien untergebracht, um die Lebensweise brasilianischer Familien kennenzulernen und miteinander die Stadt zu erkunden. „Ein ganz neues Erlebnis war, einen Gottesdienst in einer Basisgemeinde mitzufeiern“, meinte eines der Mädchen. „Wir waren überrascht von der Lebensfreude und Begeisterung, aber auch, wie oft wir während und nach dem Gottesdienst fotografiert und gefilmt wurden.“ „Konzerte, ein Pontifikalamt in der Kathedrale, viele Spaziergänge und im Rahmen des sozialen Projekts ‚José de Calazans‘ für die Kinder zu singen, gehörte zu unseren Unternehmungen“, sagt Gabriele Sichler-Karle, die wie ihre Mädchen von der großherzigen Wärme der Gastfamilien begeistert war.  

Begegnung und Kennenlernen standen für die Mädchen auf dem Programm, hier im Kinderheim in Nova Iguacu.pdpIm Anschluss war die Mädchenkantorei dann für sechs Tage beim Kongress Pueri Cantores in Rio de Janeiro. Die Eröffnungsfeier in der Kathedrale San Sebastian, viele Begegnungen bei gemeinsamen Proben und Konzerten, ein Empfang mit den Chören aus Köln, Mainz und Speyer und gemeinsam gesungenen Volksliedern in der Residenz des Deutschen Generalkonsuls sowie ein Gala-Konzert im Stadttheater standen hier auf dem Programm.  

Natürlich gehörten auch Ausflüge zum Strand und der Aufstieg zum Berg Corcovado mit der bekannten Christusstatue dazu. „Sauberes Wasser und hohe Wellen hatten wir am Strand von Ipanema, direkt neben der vier Kilometer langen Copacabana“, zeigten die Mädchen sich sehr beeindruckt vom direkten Nebeneinander von Naturschönheiten und Umweltkatastrophen. Welche Rolle Musik und Tanz für die Menschen spielt, erlebten die Mädchen bei einem speziellen Samba-Projekt mit anschließender Aufführung.  

Freizeitprogramm am Strand in Rio de Janeiero für die Sängerinnen der Mädchenkantorei.pdpMit der Fahrt nach Nova Iguacu begann der letzte Abschnitt der Reise nach Brasilien. Hier lebten die Paderborner Mädchen zwei Tage mit den Kindern der Kindertagesstätte von AVICRES. Der Reichtum Brasiliens kommt Millionen von Menschen nicht zu gute. Zahllose Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind von Hunger, Krankheit, Analphabetismus, Arbeitslosigkeit, Elend und Unterdrückung betroffen. Dass Gewalt Alltag ist, erlebte die Mädchenkantorei zum Glück nur in Form der zahlreichen Sicherheitsmaßnahmen. „Busfahren, Einkaufen, Sightseeing – das findet hier unter ganz anderen Voraussetzungen statt.“  

Die brasilianische Organisation AVICRES leistet mit ihren Projekten Erziehungs- und Gesundheitsarbeit in den Armen- und Elendsvierteln einer riesigen Vorstadtzone von Rio de Janeiro und versucht, Straßenkindern, Jugendlichen und Erwachsenen Perspektiven zu ermöglichen. Hier konnten die Paderborner Mädchen am Schulprogramm teilnehmen und eine Nacht verbringen.  

Ein vertrautes Bild: Mädchenkantorei und Bischof – jetzt aber in Brasilien.pdp„Besser als erwartet“, schildert eine Teilnehmerin ihre ersten Eindrücke zum Kinderheim, während ein anderes Mädchen die Gefühle beim Abschiednehmen mit den Begriffen „traurig und sehr emotional“ umschreibt. Erlebt wurde bei der „Begegnung der Kulturen“, wie Johannes Niggemeier das Zusammenleben während der zwei Tage beschrieb, viel Gemeinsamkeit über das gemeinsame Musizieren, das Tanzen und Singen oder spontane Aufführungen. „Entscheidend war aber, sich mit den Kindern und Jugendlichen zu treffen, miteinander zu spielen, zu essen und zu merken, wie viel Freude man miteinander haben kann, auch wenn man nicht dieselbe Sprache spricht.“