Tobias Aehlig bringt den Dom zum Klingen

Orgelkonzert bietet feierliche Momente im Libori-Trubel

Groß und Klein waren in den eigens für das Konzert besonders illuminierten Hohen Dom gekommen, um den Klängen von Domorganist Tobias Aehlig zu lauschen.Foto: pdp/Juliane Fröhling Paderborn, 28. Juli 2017. Es gehört zu Libori dazu wie der Pottmarkt, die Kirmes oder die Prozession mit dem Liborius-Schrein durch die Stadt: das Orgelkonzert im Hohen Dom zu Paderborn. In diesem Jahr widmete sich Domorganist Tobias Aehlig dem Komponisten Louis Vierne, dessen 80. Todestag begangen wurde.      

In der „Hommage à Louis Vierne“ stehen zum einen die 3. Symphonie und zum anderen drei Stücke von den „Pièces de Fantaisie“ auf dem Programm. Tobias Aehlig präsentierte die moderne Musik in gewohnt sehr hoher Qualität und stellte unter Beweis, dass er als Bach-Spezialist auch andere Stilrichtungen eindrucksvoll beherrscht.  

Nach dem Konzert bedankte sich Domorganist Tobias Aehlig für den Applaus.Foto: pdp/Juliane Fröhling Geprägt von dissonanten Anklängen und dramatischem Charakter steht die 3. Symphonie op. 28 in einer langen Reihe von weiteren symphonischen Werke, die der Organist Louis Verne komponiert hat. Der erste Satz „maestoso“ klingt mit einem gewaltigen Tutti Unheil verkündend und zugleich festlich passend zum Libori-Fest. Der Charakter erinnert an die berühmte Orgelpassage des später entstandenen Musicals „Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber. In der „Cantilene“ werden ganz andere Register gezogen, sodass ein zurückhaltender Gesamtklang entsteht. In der Begleitstimme herrscht durch schnelle, präzise gespielte Tonfolgen eine unterschwellige Bewegung. Beim „Intermezzo“ prägt eine schnelle Figur den gesamten Satz, was leicht scherzhaft klingt. Ganz anders hingegen im „Adagio“: Insbesondere die Basslage ist hier präsent, sodass der dramatische Anklang nicht verloren geht. Im letzten Satz „Finale“ endet die Symphonie mit einer gewaltigen Orgelwucht, die den Dom ausfüllt.  

Typisch Libori: es herrscht ein reges Kommen und Gehen, viele bleiben stehen oder setzen sich hin, um eine Weile der Musik zu lauschen. Auch der dezent beleuchtete Dom und die eindrucksvolle Liborius-Büste auf dem Altar tragen zur besonderen Atmosphäre bei. Tobias Aehlig lässt das große Instrument in allen Farben und Facetten erklingen, sodass ein Hörerlebnis der besonderen Art möglich ist.  

Als besonderen Abschluss musizierte der Domorganist „Clair de Lune“, „Impromptu“ und „Carillion de Westminster“. Während ersteres mit seinen langen Haltetönen zur Ruhe kommen lässt, bildet „Impromptu“ einen aufgeregten Gegenpol dazu. Das fulminante Finale lässt die berühmten Glocken der Londoner Westminster-Kirche in mehreren Varianten erklingen, die Begeisterung hervorrufen. Die Gläubigen im voll besetzten Dom dankten Tobias Aehlig mit langanhaltendem Applaus. Im Anschluss war die Bischofskirche für Besucher zum Verweilen in stimmungsvoller Atmosphäre geöffnet.