„Man vertraut uns, tun Sie es auch, wir sind es wert!“

Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes Festredner bei Libori-Kundgebung des Landvolkes

Erzbischof Hans-Josef Becker und kirchliche und politische Vertreter füllten zusammen mit zahlreichen Landwirten und Landfrauen in diesem Jahr die Paderborner Schützenhalle zur traditionellen Libori-Kundgebung des Landvolks.Foto: pdp/Maria AßhauerPaderborn, 25. Juli 2017. „Bauern in der Kritik – was wir wirklich falsch machen“ stand als Motto über der diesjährigen Libori-Kundgebung des Landvolkes in der Schützenhalle Paderborn. Erzbischof Hans-Josef Becker appellierte in seinem Grußwort an die Schöpfungsverantwortung: „Uns muss es gelingen, mit den Ressourcen unserer Erde so umzugehen, dass wir heute alle gut ernährt werden können und dass morgen die nächsten Generationen eine lebenswerte Umwelt vorfinden“, forderte der Paderborner Oberhirte. Als Festredner war in diesem Jahr Werner Schwarz, Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes, nach Paderborn gekommen. „Nur eine wirtschaftlich stabile Landwirtschaft ist stark genug, um Veränderungen zu gestalten“, so Schwarz in seiner Rede.      

Erneut waren zahlreiche Landwirte und Landfrauen zur Kundgebung nach Paderborn gekommen, ebenso wie Vertreter aus Kirche, Politik und Verbänden. „Die Landwirtschaft hat sich zwischen Unwissenheit großer Bevölkerungskreise über landwirtschaftliche Produktionsprozesse, notwendigem Veränderungsdruck, veränderten Wertevorstellungen und kämpferischen Ideologien zu bewähren“, umriss Monsignore Uwe Wischkony, Direktor der vom Erzbistum Paderborn getragenen Katholischen Landvolkshochschule Hardehausen, in seiner Begrüßung das Thema der Kundgebung.  

Werner Schwarz sprach als Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes klare Worte in seiner Festrede: „Auch wir Landwirte müssen uns ändern, wenn wir auf Dauer Erfolg haben wollen.“Foto: pdp/Maria AßhauerDie Kirche müsse sich angesichts der Verantwortung für die Schöpfung in die Diskussion über die Verantwortung der Landwirtschaft einbringen, sagte Erzbischof Becker in seinem Grußwort. Alles von Gott Geschaffene sei Geschenk, mit dem sorgsam umgegangen werden müsse. Es gebe zwar bereits Ansätze für einen nachhaltigen Lebensstil in der Gesellschaft: „Aber vieles liegt noch im Argen, bei uns Verbrauchern, im Handel, in der Landwirtschaft, schließlich in der Politik weltweit. Wie viele Lebensmittel kaufen wir ein und werfen sie dann in die Tonne! Wie viele Lebensmittel kommen erst gar nicht in den Verkauf, weil sie zu klein, zu groß, zu krumm oder schief sind! Wie gehen wir mit den Tieren, die uns zur Nahrung dienen sollen, um, wenn Preisdruck unser Verhalten lenkt?“, fragte Erzbischof Becker.  

„Ein Konsens über Nachhaltigkeit kann nur im Dialog gefunden werden“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker sagte in seinem Grußwort.Foto: pdp/Maria AßhauerEin gesellschaftlicher Konsens über den nachhaltigen Umgang mit Pflanzen, Böden und Tieren sei nur im Dialog zu finden. „Als Kirche möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass dieser Dialog konstruktiv geführt werden kann. Wir wollen die Diskussion anhand von Werten führen. Wertvoll sind für uns gute Lebensmittel, um alle Menschen ernähren zu können. Wertvoll sind für uns bäuerliche Familienbetriebe, die mit ihrem Hof zur Entwicklung ihrer Gemeinde und ihres Dorfes beitragen. Wertvoll ist für uns eine Tierhaltung, die am Wohl des Tieres orientiert ist. Wertvoll ist für uns eine ressourcenschonende und klimaverträgliche Landwirtschaft. Wertvoll sind für uns Lebensmittelpreise, die angemessen sind“, fasste Erzbischof Hans-Josef zusammen.  

Über die Kritik, in die die Landwirtschaft derzeit zunehmend gerät, sprach anschließend ein Festredner aus der Praxis: Werner Schwarz ist Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Auf seinem Hof bei Bad Oldesloe betreibt er Ackerbau mit Schweinemast und Jungsauenvermehrung. Mit einer Stall-Webcam ermöglicht er transparente Einblicke in die tägliche Arbeit als Landwirt.  

„Bauern leben von der Natur und deshalb auch mit ihr. Natur ist nicht statisch, sie verändert sich beständig. Auch wir Landwirte müssen uns deshalb ändern, wenn wir auf Dauer Erfolg haben wollen“, machte Schwarz zu Beginn seiner Rede klar. Wichtig sei dabei ein gutes Management. „Landwirtschaft ist existenziell“, fuhr der DBV-Vize-Präsident fort. Landwirte würden vielfältige Mittel zum Leben erzeugen, nicht nur Nahrungsmittel, beispielsweise auch Energie oder gesunde Luft durch den Anbau von Mais, der große Mengen an Sauerstoff erzeuge. „Als Landwirte leben wir in einem ständigen Kompromiss. Denn wir müssen dem Druck des Marktes standhalten“, erklärte der Landwirt.  

Annette Witte und ihr Sohn Patrick Witte, beide Landwirte auf ihrem bäuerlichen Familienbetrieb in Rheda-Wiedenbrück, sagten im Schlusswort der Kundgebung: „Wir werden immer weniger Landwirte und müssen zusammen stark sein!“Foto: pdp/Maria AßhauerKritik an der Landwirtschaft beziehe sich auf negative Umweltauswirkungen und einen nicht ausreichenden Tier- und Naturschutz. „Ich sage deutlich: Es gibt berechtigte Kritik und wir sind gut beraten, diese ernst zu nehmen“, bekräftigte der DBV-Vize-Präsident. Er sei immer noch fest davon überzeugt: Es gebe keinen schöneren Beruf als den des Landwirts. „Aber viele Landwirte zweifeln, ob sie diesen Beruf ihren Kindern noch empfehlen können. Denn niemand wird Landwirt, um sich nach der Arbeit auf dem Hof noch in Verwaltungsarbeit zu verlieren und dann in den Medien nur Kritik zu lesen. Dass ein einziger Bauer dafür sorgt, dass rund 140 Mitbürger satt werden, scheint nicht mehr zu zählen“, erklärte Werner und forderte ein Umdenken – hin zu einer realistischen Betrachtung der Landwirtschaft. „Oft kennen wir doch nur noch den Preis von etwas, jedoch nicht mehr den Wert.“  

Derzeit werde das Bild des landwirtschaftlichen Berufsstandes von dessen Kritikern gezeichnet: „Weil wir selber den Pinsel schon lange beiseitegelegt haben. Das heißt, dass das Bild der Landwirtschaft sich derzeit massiv von unserem Selbstbild unterscheidet. Und das heißt: Machen wir etwas gut, sollten wir das zeigen. Machen wir etwas nicht gut, sollten wir es verändern. Lassen Sie uns deshalb nicht allein auf die Zwänge hinweisen, die uns bedrücken, sondern auf die Freude, die unser Beruf macht“, rief Werner Schwarz insbesondere den anwesenden jungen Landwirten zu. „Trotz aller Kritik gehören wir immer noch einem angesehenen Berufsstand zu, weil unser Beruf lebensnotwendig für unsere Mitbürger ist. Man vertraut uns, tun Sie es auch, wir sind es wert!“,