„Leben und ausstrahlen, was dem Geist Jesu entspricht“

Pontifikalamt, Prozession und Empfang am Libori-Sonntag

Erzbischof Hans-Josef Becker stand dem Pontifikalamt am Libori-Sonntag vor. Nach der Prozession mit dem Allerheiligsten und mit dem Schrein des Bistumspatrons durch die Stadt versammelten sich die Bischöfe im Altarraum des Doms.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 23. Juli 2017. „Ich möchte Ihnen Mut machen, der Spur der Freundschaft Jesu im Kleinen und Alltäglichen zu folgen. Diese Spur der Freundschaft verläuft dort, wo das Gebot, die Weisung Jesu, eingehalten wird, die Weisung der Liebe!“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker ausgehend vom Leitwort des diesjährigen Liborifestes „Freundschaft ist heilig – L’amitié est sacrée“ in seiner Predigt im Pontifikalamt am Libori-Sonntag im Hohen Dom zu Paderborn, das er in Konzelebration mit zahlreichen Bischöfen aus der Weltkirche feierte. Nach dem Festgottesdienst wurden das Allerheiligste und der vergoldete Libori-Schrein mit den Reliquien des Bistumspatrons in einer Prozession durch die Stadt getragen. Im Anschluss fand ein Empfang für geladene Gäste im Haus Maria Immaculata statt.      

Die Reliquien des Bistumspatrons wurden in einer Sakraments-Prozession durch die Stadt Paderborn getragen.pdp / Thomas Throenle Das aus seiner „Abschiedsrede“ stammende Wort Jesu „Ihr seid meine Freunde“ (Joh 15,14) habe den Charakter eines Vermächtnisses, führte der Paderborner Erzbischof in seiner Predigt aus. In diesem Satz fasse Jesus alles zusammen, was er den Seinen unbedingt ans Herz legen wolle. Jesus habe seine Freunde erwählt und berufen, in seine Fußstapfen zu treten und an der „heilenden Sendung der Liebe“ mitzuwirken, als seine Freunde in seiner Liebe zu bleiben und aus seinem Geist zu leben. Die Freundschaft Jesu, die von ihm gelegte „Liebes-Spur“, bleibe nicht in der Vergangenheit, vielmehr gehe sie weiter und es seien viele Spuren zu erkennen, so Erzbischof Becker weiter. „Natürlich denken wir heute an das Wirken des heiligen Liborius, in seiner umfassenden Seelsorge, in der Verkündigung des Wortes Gottes und in seinem Dienst an den leidenden Menschen.“ Der Paderborner Oberhirte erinnerte auch an Abbé Franz Stock, den aus dem Sauerland und damit aus dem Erzbistum Paderborn stammenden Priester, der durch seinen selbstlosen Dienst während des Zweiten Weltkriegs in Paris und später als Regens im „Priesterseminar hinter Stacheldraht“ in Chartres einen grundlegenden Beitrag in der Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland gelegt habe.  

Am Paderborner Rathaus spendete Weihbischof Matthias König den sakramentalen Segen. Erzbischof Hans-Josef Becker, die bischöflichen Gäste und zahlreiche Gläubige nahmen an der Feier teil.pdp / Thomas Throenle Bei der Freundschaft Jesu gehe es nicht um ein äußerliches Gefühl oder ein Gesetz, vielmehr um ein Leben in innerer Übereinstimmung und Verbundenheit mit Gott. Diese Spur der Freundschaft sei dort, wo Menschen sich öffnen und einen Raum des Vertrauens ermöglichen würden, wo Freude aufkomme, ein Lichtstrahl der Freundlichkeit Gottes, so Erzbischof Becker. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Frauen und Männer in unseren Gemeinden, ohne Aufsehen zu erregen, einfach selbstverständlich die Aufgabe der Sorge und Pflege an einem der Ihrigen übernehmen, in der Nachbarschaft viel mehr, als es ihre Pflicht ist, an Zuwendung und an Fürsorge schenken. Ich denke an die große Palette derer, die ganz selbstverständlich und ganz großzügig das leben und ausstrahlen, was dem Geist Jesu Christi entspricht.“ Zum Abschluss seiner Predigt bekräftigte Erzbischof Becker: „Freundschaft ist heilig. Bezeugt ist diese Wahrheit besonders in der großartigen Verbundenheit der Diözesen Le Mans und Paderborn, für die der Name Liborius steht.“  

Erzbischof Hans-Josef Becker feierte das Pontifikalamt am Libori-Sonntag in Konzelebration mit zahlreichen Bischöfen aus der Weltkirche.pdp / Thomas Throenle Erzbischof Becker feierte das Pontifikalamt in Konzelebration mit zahlreichen bischöflichen Gästen aus der Weltkirche und spendete am Ende des Gottesdienstes allen Gläubigen den päpstlichen Segen. Nach dem Festgottesdienst wurden das Allerheiligste und der vergoldete Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius in einer Prozession, die von zahlreichen Gläubigen begleitet wurde, durch die Paderborner Innenstadt getragen. Weihbischof Matthias König spendete bei der Prozession am Paderborner Rathaus den sakramentalen Segen. Er betete: „Segne und beschütze deine Kirche und erhalte sie im Glauben. Reichen Segen schenke unserer Stadt und all ihren Bewohnern. Schenke der ganzen Erde deinen Frieden.“  

Musikalisch gestalteten Domchor, Domkantorei, Solisten und Orchester unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning das Pontifikalamt. Zur Aufführung kam die „Krönungsmesse“ (Missa in C, KV 317) von Wolfgang Amadeus Mozart. An der Orgel spielte Domorganist Tobias Aehlig.  

Der vergoldete Schrein mit den Reliquien des heiligen Liborius wurde durch das Paradiesportal des Domes getragen.pdp / Thomas Throenle Beim anschließenden Empfang im Haus Maria Immaculata in Paderborn thematisierte Erzbischof Becker den „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ zwischen den Diözesen Le Mans und Paderborn, der das Liborifest vor fast 1.200 Jahren begründet habe. „Der Stellenwert dieses ‚Liebesbundes‘ kann gar nicht groß genug gedacht werden“, unterstrich der Paderborner Oberhirte. „Die Ortskirche von Le Mans hat der Ortskirche von Paderborn einen Bistumspatron ‚geschenkt‘, dessen Verehrung heute für so viele Gläubige noch immer eine Herzensangelegenheit ist“, so Erzbischof Becker. „Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der Verbundenheit oder Gemeinschaftssinn nicht mehr selbstverständlich sind. Gerade deshalb ist diese jahrhundertelange Freundschaft über Landesgrenzen hinweg, die wir zu Libori und auch beim Patronatsfest zu Ehren des heiligen Julian im Januar in Le Mans feiern, ein so nötiges Signal.“ Ganz „handfest“ sei diese Freundschaft im letzten Jahr sichtbar geworden, als in Le Mans das neue Diözesanhaus „Maison Saint-Julien“ eingeweiht wurde, dessen Bau das Erzbistum Paderborn unterstützt hat. „Bei der Einweihung haben wir den ‚Liebesbund ewiger Bruderschaft‘ feierlich erneuert – ein eindeutiges Zeichen, dass das Band, das der heilige Liborius zwischen den beiden Ortskirchen von Paderborn und Le Mans geknüpft hat, gewachsen ist und bis heute hält“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker zum Abschluss seiner Ansprache.