Bischöfe aus dem Südsudan und Nicaragua geben Einblicke in ihre Arbeit

Zweiter Begegnungsabend „Gesichter der Weltkirche“ im Forum St. Liborius zog zahlreiche Interessierte an

Bischof Edward Hiiboro Kussala erzählte im Gespräch mit Weihbischof Matthias König vom Leben im Südsudan.pdp/Ronald PfaffPaderborn, 21. Juli 2017. Die Situation der Kirche im Südsudan und in Nicaragua stand im Mittelpunkt des Begegnungsabends „Gesichter der Weltkirche“. Die Veranstaltung am Vorabend des Libori-Festes, bei der Bischöfe aus der Weltkirche Einblick in ihr Land und ihre Arbeit geben, fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Viele Menschen folgten der Einladung und füllten das Forum St. Liborius. Bischof Edward Hiiboro Kussala aus der Diözese Tombura-Yambio im Südsudan berichtete von den Herausforderungen der Kirche in einem der gegenwärtig ärmsten Länder der Erde. José Leopoldo Kardinal Brenes Solórzano, Erzbischof von Managua in Nicaragua, beschrieb, wie die Bevölkerung des mittelamerikanischen Landes nach Jahren des Bürgerkrieges nach einem besseren Leben strebt. 

Weihbischof Matthias König, der das Interview mit Bischof Kussala führte, bezeichnete den Südsudan als eines der am meisten von Krisen geschüttelten Länder der Erde. Bischof Kussala bestätigte dies: Es habe lange gedauert, bis die Menschen im Südsudan ihre Freiheit erreicht hätten. Die Kirche habe bei diesem Prozess der Bewusstseinsbildung eine große Rolle gespielt. Für die Freiheit sei jedoch ein hoher Preis bezahlt worden: Schätzungen zufolge seien in den Kämpfen um die Unabhängigkeit bis zu zwei Millionen Menschen ums Leben gekommen, so Bischof Kussala.

Erzbischof José Leopoldo Kardinal Brenes im Gespräch mit Bischof em Bernhard Hombach und Ulrich Klauke.pdp/Ronald PfaffTragisch sei, dass sich die Hoffnungen auf ein besseres Leben nicht erfüllt hätten, fuhr der Bischof aus Afrika fort. Das Gegenteil sei der Fall: Seit 2013 herrsche Bürgerkrieg im Land, der vor allem mit Stammesfehden und der Gier nach Bereicherung zu tun habe. Die Rolle der Kirche im Land bewertete Bischof Kussala positiv: Sie sei eine starke Macht in dem Konflikt und versuche, mit verschiedenen Gruppen für den Frieden zu arbeiten. 

Die westliche Kirche bat Bischof Kussala um ihr Gebet: „Eine Botschaft zu predigen, die zu unserer Wirklichkeit im Südsudan in einem scharfen Gegensatz steht, geht nur durch das unterstützende Gebet“, sagte er. Politiker der westlichen Welt rief er dazu auf, den Friedensprozess in Land und keine Kriege zu fördern. 

José Leopoldo Kardinal Brenes Solórzano, Erzbischof von Managua in Nicaragua, sagte, dass man in Nicaragua nach Jahren des Bürgerkrieges viel erreicht habe. Der Bürgerkrieg habe großes Leid über viele Familien gebracht, etwa 50.000 Menschen hätten bei dem Konflikt ihr Leben verloren. Heute sei die hohe Arbeitslosigkeit die größte Herausforderung des Landes. „Die Bevölkerung möchte nicht betteln und die Hand aufhalten, sondern selbst einen Beitrag leisten und selbst produzieren“, so der Kardinal aus Nicaragua. Als weitere Herausforderung nannte Kardinal Brenes Solórzano das Gesundheitswesen: Oft gäbe es keine Medizin, um den Menschen wirklich zu helfen. Die Kirche betreibe zwar viele kleine Gesundheitsstationen, doch die könnten oft nur erste Hilfe leisten. 

Dompropst Monsignore Joachim Göbel begrüßte zahlreiche Gäste im Forum Liborius zum Abend "Gesichter der Weltkirche".pdp/Ronald PfaffNach den Interviews mit den Bischöfen nutzten viele Besucher der Veranstaltung die Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch mit den bischöflichen Gästen. Neben den beiden Referenten waren viele weitere Gastbischöfe zu der Veranstaltung in Forum St. Liborius gekommen. Eingeladen zu den „Gesichtern der Weltkirche“ hatte das Metropolitankapitel am Hohen Dom zu Paderborn. 

Die Veranstaltung „Gesichter der Weltkirche“ war nicht die einzige Gelegenheit, bei der Besucher des diesjährigen Libori-Festes den Blick in andere Kontinente richten können Erstmals wird Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der Katholiken in Deutschland, das Libori-Fest mitfeiern. Wer beim Libori-Bummel ein wenig Lateinamerika erleben möchte, kann das am Sonntag, 23. Juli, im Zelt auf dem Verbändeplatz (Kleiner Domplatz) und am Dienstag, 25. Juli, im Informationszelt des Erzbistums vor dem Dom tun: Dann stehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hilfswerks zu Gesprächen zur Verfügung.

„Da wir die bundesweite Weihnachtsaktion der katholischen Kirche am ersten Advent im Paderborner Dom eröffnen, darf Adveniat beim diesjährigen Libori-Fest natürlich nicht fehlen“, sagte Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens. Unter dem Motto „Faire Arbeit. Würde. Helfen.“ stellt das Hilfswerk das Recht auf menschenwürdige Arbeit in den Blickpunkt.

Mehr Infos unter: www.adveniat-eroeffnung-in-paderborn.de.