„Dann trug der Raum menschenbewegte Töne in sich“

Jubiläumsinstallation „Fest-Klang-Krone“ in der Bartholomäuskapelle der Öffentlichkeit präsentiert

Detailaufnahme Fest Klang Krone Zahlreiche Besucher kamen, um sich die Jubiläumsinstallation anzusehen, die erst auf den zweiten Blick Details frei gibt.pdp/Lena Reiher Paderborn, 19. Juli 2017. In einer feierlichen Vernissage hat die Künstlerin Christa Henn ihre Installation „Fest-Klang-Krone“ in der Bartholomäuskapelle sowie die begleitende retrospektive Werkschau der Öffentlichkeit vorgestellt. Rund 80 geladene Gäste wurden im Erzbischöflichen Generalvikariat über die Hintergründe informiert und nahmen anschließend die Krone sowie die weiteren Werke im Domkreuzgang selbst in Augenschein. Dr. Heidemarie Colsman-Freyberger aus New York erschloss die Installation vor dem bisherigen Schaffen der Künstlerin.

Für die zahlreich erschienenen Gäste mussten im Foyer des Erzbischöflichen Generalvikariats bereits zusätzliche Stühle aufgestellt werden, als Dompropst Joachim Göbel sie am Dienstagabend im Namen des Metropolitankapitels begrüßte. Er wies darauf hin, dass der Ursprung der „Fest-Klang-Krone“ in einer Liebesgeschichte liege: „Sie, liebe Frau Henn, waren von dem Raum hingerissen. Sie dachten zunächst, dieser edlen Kapelle könne man gar nichts hinzufügen. Doch dann haben Sie ihren Klang vernommen und ihn in Kunst verdichtet.“ Dompropst Göbel ist sich sicher, dass die Kunstinstallation den Raum neu erschließt.

Detailaufnahme Fest Klang Krone Erst bei genauer Betrachtung sind Einzelheiten auf der Fest-Klang-Krone zu entdecken.pdp/Lena Reiher Dr. Heidemarie Colsman-Freyberger, Executive Director der Barnett-Newman-Foundation in New York, führte anschließend in den Hintergrund der bisherigen Werke Christa Henns ein. Wie das Schindermesser und die abgezogene Haut die Attribute des Hl. Bartholomäus seien, so habe sich Christa Henn zuerst mit der Haut als der einzigen menschlichen Begrenzung zwischen dem Individuum und der Außenwelt auseinandergesetzt. Ab 1992 griff sie auf Röntgenbilder zurück, die das Innere des Menschen abbildeten. „Christa Henn sah, dass das Innere eines jeden Menschen wesentlich gleich, aber doch jeder einzelne wieder anders ist.“ Da sie in der einzelnen Zelle ein Bild für das ganze Leben erkannte, habe sie bewusst die Röntgenbilder in kleine Stücke geschnitten. „Wenn sich die kleinen Teile zu einem neuen Ganzen verbinden, wird das Einzelne als Möglichkeitsraum einer neuen Schöpfung offenbar.“ Damit können die Röntgenbilder positiv wahrgenommen werden, auch wenn die Menschen mit ihnen eher Existenzangst verbinden. Wie die Besucher in der Bartholomäuskapelle Töne aus ihren Körpern hervorbringen, so habe Christa Henn mit ihren Röntgenbildern das Innere dieser Körper ans Licht gebracht.

Hier im Wortlaut die Rede von Dr. Heidemarie Colsman-Freyberger.

Im Anschluss erläuterte Christa Henn, dass die Installation für sie den Abschluss einer ein Jahr ausdauernden Arbeit markierte. „Die Fest-Klang-Krone ist im Dialog zwischen dem Raum und mir entstanden“, schilderte sie. Zunächst sei der Raum in sich gestanden. Es sei der Gesang gewesen, der ihren Schaffensdrang geweckt habe. „Dann trug der Raum menschenbewegte Töne in sich“, fasste sie als den entscheidenden Impuls für die Schaffung der Fest-Klang-Krone zusammen.

Anschließend überzeugten sich die Gäste selbst von der Wirkung der Installation in der Bartholomäuskapelle und der retrospektiven Auswahl weiterer Werke Christa Henns im Domkreuzgang.

Anna und Thomas Koeper begleiteten die Vernissage an Querflöte und Klarinette unter anderem mit dem „Minuette in Antique Style“ von Leo Ornstein und einem Tambourin von Chedeville.

Die Fest-Klang-Krone ist bis Ende des Jahres tagsüber in der Bartholomäuskapelle zu besichtigen. Die Werkschau im Domkreuzgang ist freitags bis sonntags außerhalb der Gottesdienstzeiten geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Besucher der Vernissage erzählen von ihren Eindrücken der Fest-Klang-Krone.