Priestergemeinschaft Sankt Martin besiedelt Abtei Marienmünster neu

Gemeinschaft aus Frankreich kommt ins Erzbistum Paderborn

Die Gemeinschaft Sankt Martin aus Frankreich wird in den nächsten Jahren mindestens drei ihrer Mitglieder nach Marienmünster senden, das als geistliches Zentrum weiter ausgebaut werden soll. Darauf freuen sich (v.l.n.r.) Pfarrer Ansgar Heckeroth, Bürgermeister Robert Klocke, Johannes Potthast, Monsignore Andreas Kurte und Prälat Thomas Dornseifer.pdp / Thomas ThroenlePaderborn / Marienmünster, 7. Juli 2017. Die Entscheidung für Deutschland, für das Erzbistum Paderborn und für die Abtei Marienmünster ist jetzt gefallen: Die in Frankreich gegründete Priestergemeinschaft Sankt Martin wird mindestens drei Mitglieder entsenden, die in den nächsten Jahren ihren priesterlich-seelsorglichen Dienst in Marienmünster aufnehmen werden. Mit der Entsendung von Geistlichen entspricht die Gemeinschaft von Weltpriestern der Einladung von Erzbischof Hans-Josef Becker, der entsprechend dem Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn wünscht, dass an unterschiedlichen Orten im Erzbistum Zentren entstehen, an denen Menschen mit Gott in Verbindung kommen können, wo sie in ihrem Suchen und Fragen begleitet werden und im Glauben Stärkung erfahren. In einem Pressegespräch am Freitag stellten Monsignore Andreas Kurte, Prälat Thomas Dornseifer (beide Paderborn), Pfarrer Ansgar Heckeroth (Leiter des zukünftigen Pastoralen Raumes), Johannes Potthast (Kirchenvorstand) und Bürgermeister Robert Klocke die Planungen vor.      

Viel Medieninteresse an einer guten Nachricht für Marienmünster, die überbracht wurde von (v.l.n.r.) Prälat Thomas Dornseifer, Johannes Potthast, Pfarrer Ansgar Heckerodt, Bürgermeister Robert Klocke, Monsignore Andreas Kurte.pdp / Thomas ThroenleMarienmünster wird der erste Standort der Gemeinschaft Sankt Martin in Deutschland sein. Nicht um der zurückgehenden Anzahl von Priestern und damit dem Priestermangel entgegen zu treten, habe Erzbischof Hans-Josef Becker sich an die französische Gemeinschaft Sankt Martin gewandt und sie zur Mitarbeit im Erzbistum eingeladen, führte Monsignore Andreas Kurte als Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat aus. Vielmehr gehe es darum, in Marienmünster ein geistliches Zentrum zu schaffen, in dem der christliche Glaube einen festen Ort habe, so Prälat Thomas Dornseifer, der im Erzbischöflichen Generalvikariat die Hauptabteilung Pastoral leitet. „Marienmünster ist seit vielen Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten ein geistlicher Ort. Nach dem Weggang der Passionisten haben Ehrenamtliche hier segensreich gewirkt und den Ort lebendig erhalten. Es geht nicht darum, durch die Geistlichen der Gemeinschaft Sankt Martin Fehlstellen zu besetzen, vielmehr soll ein geistliches Zentrum entstehen und ausgebaut werden. Wir sind dankbar, dass die Gemeinschaft Sankt Martin das geistliche Leben weiter führt und neue Impulse setzen will“, so Monsignore Kurte.  

Die Gemeinschaft St. Martin hat Erzbischof Hans-Josef Becker ein Konzept für ihre Präsenz in Marienmünster vorgelegt, das auf vier Säulen beruht: „Geistliches Leben“, „Ein Ort für Familien“, „Seelsorge im Pastoralen Raum Steinheim-Nieheim-Marienmünster“ und „Ort der Begegnung und der Kultur“. „Die Gemeinschaft Sankt Martin möchte ihre Erfahrung des gemeinschaftlichen Lebens von Priestern, Diakonen und Suchenden teilen. Sie lädt in Marienmünster ein, an der mitbrüderlichen, geistlichen und liturgischen Dimension ihres Gemeinschaftslebens teilzunehmen. Für alle bietet die Gemeinschaft in der Abteikirche ein regelmäßiges und offenes liturgisches Leben im ‚martinischen‘ Stil“, erläuterte Prälat Dornseifer den Aspekt des „Geistlichen Lebens“.  

In einem Pressegespräch wurde informiert, dass die in Frankreich verortete Gemeinschaft Sankt Martin nach Deutschland, ins Erzbistum Paderborn, in die Abtei Marienmünster kommt.pdp / Thomas Throenle„Die Gemeinschaft Sankt Martin möchte aus Marienmünster einen Ort machen, der in enger Zusammenarbeit mit den diözesanen Stellen einen Beitrag zur Familienpastoral im Erzbistum Paderborn leistet“, führt Prälat Dornseifer weiter aus. „Es gibt keinen besseren Weg, den Glauben und das Evangelium weiter zu geben, als in den Familien. Die Familie ist der erste Ort der Glaubensweitergabe. Deshalb ist es gut, Familien anzusprechen und zu stärken.“  

„Die Gemeinschaft Sankt Martin wirkt in Abstimmung mit dem Pfarrer und dem Erzbistum im Pastoralen Raum mit. Sie wird unter Berücksichtigung bereits vorhandener Initiativen und Projekte mit den Verantwortlichen vor Ort missionarische Projekte für den Pastoralen Raum entwickeln. Die Gemeinschaft Sankt Martin wird auch die Wallfahrt zur ‚Schmerzhaften Mutter Gottes‘ von Marienmünster fördern“, erläuterte Prälat Dornseifer weiter.  

„Zusammen mit den anderen Partnern auf dem Gelände der Abtei in Marienmünster möchte die Gemeinschaft Sankt Martin zur Entstehung eines harmonischen Ensembles beitragen. Marienmünster soll als Ganzes lebendig für Besucher aller Art sein, die die spirituelle Kraft des Ortes empfinden möchten. Dazu möchte die Gemeinschaft in aktiver Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung alle Besucher in das Herz des geistlichen Ortes, die Abteikirche, hineinführen. Im Geist der Begegnung engagiert sie sich auch im Empfang der Pilger, Touristen, Wanderer“, so der Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat.  

Konkret bedeutet dies, dass die Gemeinschaft Sankt Martin die Räumlichkeiten nutzen wird, in denen bisher die Passionisten gewohnt haben. Entsprechende Umbaumaßnahmen werden in Absprache mit den staatlichen Stellen und dem Kirchenvorstand sowie dem Architekturbüro Henne in Höxter durchgeführt. Die Kirchengemeinde wird auch weiterhin für ihre Zwecke Räume im Abteigebäude nutzen.  

Die Abtei Marienmünster wurde im Jahre 1128 von Corvey aus gegründet. „Wenige Jahre vor dem 900-jährigen Jubiläum gibt es kein größeres Geschenk, als dass dieser besondere geistliche Ort zu neuem Leben erweckt wird“, ist Monsignore Kurte gewiss. Auf diese Weise finde auch die jahrzehntelange Arbeit der Passionisten vor Ort (von 1965-2014), die den Menschen im Umfeld in lebendiger Erinnerung ist, eine Wertschätzung. Bis zum Jahr 2019 werden wenigstens drei Mitglieder der Gemeinschaft Sankt Martin nach Marienmünster kommen. Ein erster Geistlicher kommt bereits im September 2017, er wird mit einer halben Stelle an der Theologischen Fakultät Paderborn studieren und mit einer weiteren halben Stelle als „Kundschafter“ in Marienmünster wirken, um Dinge vorzubereiten und zu beraten. Im September 2018 wird ein weiterer Priester kommen und im Jahr 2019 ein dritter. „Es werden junge Männer sein, Franzosen und Deutsche, Leute, die die Ärmel hochkrempeln wollen und anpacken“, informierte der Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal.  

„Es ist gut, dass wir Marienmünster als geistlichen Ort stärken können“, freut sich Pfarrer Ansgar Heckeroth als Leiter des Pastoralen Raumes auf die Gemeinschaft Sankt Martin. „Wir sind eine starke, aktive und lebendige Gemeinde. Es ist wertvoll, dass wir hier eine Heimat haben“, so Johannes Potthast vom Kirchenvorstand. „Die Gemeinschaft Sankt Martin bringt einen neuen Geist mit, der die Abtei Marienmünster weiter und neu beleben kann“, ist Bürgermeister Robert Klocke gewiss. Er sei dankbar für das hohe ehrenamtliche Engagement in Marienmünster, das nun eine Bereicherung erfahre. „Mir ist ein harmonisches Miteinander mit denen wichtig, die sich seit Jahren hier engagieren, die hier leben und wirken“, so Monsignore Kurte.  

Die Gemeinschaft Sankt Martin ist eine in Frankreich gegründete und auch dort verortete Vereinigung von Weltpriestern und Diakonen, die ihren seelsorglichen Dienst in Gemeinschaft erfüllen und mittlerweile in verschiedenen Bistümern eingesetzt werden. Die Gemeinschaft zählt zurzeit 97 Priester und Diakone, 96 Seminaristen und 17 Jugendliche im Propädeutikum, eine Zeit der Vorbereitung auf das Theologiestudium. Ihr Mutterhaus und Priesterseminar befindet sich in Frankreich, in Evron, in der Nähe von Le Mans. Mittlerweile gibt es in der Gemeinschaft Priester und Diakone, die gebürtig aus Deutschland oder Österreich kommen.  

Die Gemeinschaft Sankt Martin wurde 1976 von Jean-François Guérin im Zuge der Erneuerungsbewegung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gegründet. Sie stellt ihre Mitglieder den Bischöfen der Weltkirche und dem Heiligen Stuhl zur Verfügung. Verschiedenste Dienste sind ihr mittlerweile anvertraut worden: Pfarreien, Schul- und Internatsseelsorge, Wallfahrtsorte, Einkehrhäuser. Die Gemeinschaft ist inzwischen international vertreten in Frankreich, Italien und Kuba.  

Gemeinschaftsleben und Mobilität sind die zwei Hauptcharakteristiken der martinischen Mission. Die Priester und Diakone werden mindestens zu dritt ausgesandt. Sie leben, beten und arbeiten gemeinsam.  

Der heilige Martin – der Namenspatron der Gemeinschaft St. Martin – und der heilige Liborius – Patron des Erzbistums Paderborn – waren in ihrer Zeit als Bischöfe von Tour und Le Mans befreundet. Die Bistümer Paderborn und Le Mans sind seit 836 durch einen „Liebesbund ewiger Bruderschaft“ miteinander verbunden. Die Kontakte zwischen dem Erzbistum Paderborn und der Communaute St. Martin bewegen sich somit auf einem 1200-jährigen Pfad. Mit der Zusammenarbeit zwischen dem Erzbistum Paderborn und der Gemeinschaft St. Martin erfährt diese jahrhundertelange Verbindung einen neuen Impuls. Das diesjährige Libori-Leitwort lautet: „Freundschaft ist heilig – L’amitié est sacrée“. Somit leben wir dieses Leitwort konkret über die Libori-Feierlichkeiten hinaus.