Ein heiliger Ort, um das Geheimnis Jesu Christi wach zu halten

Erzbischof Hans-Josef Becker weiht neue Kirche des Erzbischöflichen Priesterseminars

Erzbischof Hans-Josef Becker weihte die neue Kirche des Erzbischöflichen Priesterseminars Paderborn. Mit seinem Bischofsstab klopfte er an das Portal der Kirche.pdp / Thomas Throenle Paderborn, 29. Juni 2017. Seit Anfang 2015 werden das Erzbischöfliche Priesterseminar und Theologenkonvikt erweitert und umgebaut. Erzbischof Hans-Josef Becker weihte heute, am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus, der Patrone des Priesterseminars, die neue Seminarkirche als „Herzstück“ des umgestalteten Gebäudekomplexes ein. „Um die Begegnung mit Jesus Christus zur Wirklichkeit im Leben werden zu lassen, wird dieser Kirchenbau heute zu einem heiligen Ort“, sagte Erzbischof Becker im Festhochamt. Die offizielle Einweihung des Gesamt-Gebäudekomplexes erfolgt im Herbst 2018, wenn der noch ausstehende letzte Bauabschnitt, der Umbau und die Renovierung des bestehenden Priesterseminars, abgeschlossen ist. Dann wird ein großer „Tag der offenen Tür“ begangen.      

Die neue Seminarkirche bildet das „Herzstück“ des umgestalteten Gebäudekomplexes. Zahlreiche Gäste nahmen an der Weihe der Kirche teil.pdp / Thomas Throenle Der Festgottesdienst zur Weihe der Seminarkirche begann zunächst in der Kirche im Leokonvikt. Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Regens des Priesterseminars und Leiter des Leokonvikts, begrüßte hier neben Erzbischof Becker die zahlreich erschienen Gäste und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass mit dem Neubau der Seminarkirche eine „geistliche Mitte“ des Gebäudes geschaffen sei, die architektonisch wie künstlerisch Maßstäbe setze und als lichtdurchfluteter Raum eine einzigartige spirituelle Atmosphäre hervorrufe.  

In einer Prozession zogen die rund 120 Gäste unter Gesang von der Konviktskirche zur neuen Seminarkirche, wo Erzbischof Becker den so genannten „Schwellen-Ritus“ vollzog: Nach dem Öffnen des Portals zeichnete er mit seinem Bischofsstab ein Kreuz auf die Schwelle der neuen Kirche, bevor die Gäste diese betraten und sehen konnten, was hier entstanden ist. Realisiert nach Plänen der Architekten Bieling aus Kassel, die auch die Gesamtbaumaßnahme verantworten, steht die Kirche auf einem rechteckigen Grundriss, der mittig von einem steinernen „Teppich“ durchzogen ist. Er symbolisiert eine sich entfaltende „Thorarolle“ und damit den Weg der göttlichen Offenbarung in Raum und Zeit. Im hinteren Bereich steigt die steinerne „Thorarolle“ räumlich in die Höhe, so dass ein kleinerer Gebets- vom eigentlichen Gottesdienstraum mit einem dazwischenliegenden hohen Beichtraum abgetrennt wird. In die Vorderwand dieses wie eine „heilige Mauer“ wirkenden Raumes ist der Tabernakel eingelassen, vor der Rückwand ist in einer Nische die wertvolle Pietà der bisherigen Seminarkirche zur Verehrung aufgestellt. Die Bestuhlung der Kirche ist flexibel, so dass auf jede Anzahl von Gottesdienstbesuchern eingegangen werden kann.  

Erster feierlicher Gottesdienst in der neuen Seminarkirche. V.l.n.r.: Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Generalvikar Alfons Hardt, Erzbischof Hans-Josef Becker, Subregens Michael Kammradt, Spiritual Christian Städter.pdp / Thomas Throenle Vor der ersten Lesung segnete Erzbischof Becker zunächst den Ambo. Nach dem Glaubensbekenntnis weihte er den Altar und den gesamten Kirchenraum: Zunächst setzte Erzbischof Becker feierlich die Reliquien des Bistumspatrons, des heiligen Liborius, im Altar bei. Anschließend folgten die Besprengung des Altars mit Weihwasser, die Salbung des Altars mit Chrisam an zwölf Stellen – als Zeichen für die zwölf Apostel als Fundament der Kirche – und das Verbrennen von Weihrauch auf dem Altar. Nach dem Weihegebet wurden die Lichter am Altar und im Kirchenraum feierlich entzündet. Als letzter „Akt“ der Weihe wurde nach der Kommunion auch der Tabernakel gesegnet und das „Ewige Licht“ als Zeichen der Gegenwart Gottes im Eucharistischen Sakrament entzündet.  

In seiner Predigt zum Patronat der neuen Kirche betonte Erzbischof Becker, das Geheimnis Jesu Christi habe die Menschen um ihn herum tief berührt und in Bewegung gesetzt. Auch die Lebensgeschichten der beiden Apostel Petrus und Paulus seien Zeugnisse dafür, so Erzbischof Becker. Die neue Kapelle solle helfen, das Geheimnis Jesu Christi auch unter heutigen Bedingungen wach zu halten. Sie solle dazu beitragen, das Wesentliche des Glaubens immer wieder neu in den Blick zu nehmen. „Hier soll das Geheimnis Jesu Christi wach gehalten werden, hier sollen wir aus der Begegnung mit ihm in den Sakramenten, in der Anbetung und im stillen Gebet Kraft für die nächsten Schritte unseres Glaubensweges schöpfen können“, sagte der Paderborner Oberhirte. Er bitte darum, dass dieser Ort mit Leben erfüllt werde: „Es gibt nichts Schlimmeres im Leben eines Getauften, als dem Geheimnis Jesu gegenüber gleichgültig zu werden oder die Begegnung mit ihm nicht mehr als ein Geheimnis zu verstehen“, schloss Erzbischof Hans-Josef Becker seine Predigt.  

Erzbischof Becker segnete die Gottesdienstteilnehmer und den neuen Kirchenraum.pdp / Thomas Throenle Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer bedankte sich zum Abschluss des Gottesdienstes bei den Architekten Bieling, dem Künstler Thomas Torkler und den am Kirchbau beteiligten Handwerkern für das gelungene Bauprojekt und bezeichnete es als mutigen zeitgenössischen Kirchbau, in dem der Dreiklang von natürlichem Lichteinfall und den „Ur-Stoffen“ Holz (Esche) und Stein (Dietfurter Kalkstein) zu einer eindrucksvollen Harmonie führe. Sie symbolisiere das Zusammenwirken von Schöpfung und göttlicher Gnade und damit das lichtvolle Wirken Gottes im Leben der Welt und des Menschen.  

Musikalisch wurde das Festhochamt von der Schola des Priesterseminars, von Tim Störmer an der Orgel und Jens Baronowsky an der Trompete gestaltet. Als Solisten sangen Cecilia Siebers (Sopran), Judith Ecke (Alt), Robin Berthold (Tenor) und Mike Hottmann (Bass).  

Am Ende des Gottesdienstes stellte Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer den neuen Kirchenraum als „geistliche Mitte“ vor und sprach Worte des Dankes an alle Beteiligten.pdp / Thomas Throenle Der Grund zur Freude angesichts einer neuen Kirche ist berechtigterweise groß, aber das Gesamtprojekt ist damit noch nicht abgeschlossen – nach der Weihe des Gotteshauses geht die Umbau- und Erweiterungsmaßnahme weiter: Zunächst wird der neue Wohntrakt bis zum August dieses Jahres fertiggestellt, danach wird das Priesterseminar in seinem alten Bestandsteil umgebaut und saniert. Wenn dann der Gesamtgebäudekomplex spätestens im Herbst nächsten Jahres in neuem Glanz erstrahlt, wird an der Leostraße ein großes Fest mit einem „Tag der offenen Tür“ gefeiert werden, wozu alle Interessierten schon jetzt herzlich eingeladen sind.      

Hintergrund: Die Prinzipalien der Kirche des Erzbischöflichen Priesterseminars  

Als Prinzipalien werden in einer Kirche die vorrangigen Einrichtungsteile für die liturgische Nutzung bezeichnet. Auf der äußeren Längsachse der neuen Kirche des Erzbischöflichen Priesterseminars findet sich das Weihwasserbecken, weiter innen stehen Ambo und im Westen der Altar. Der Bildhauer Thomas Torkler aus Aachen hat die Prinzipalien geschaffen. Der Altar aus Dietfurter Kalkstein ist aus mehreren Werksteinen zusammengefügt, seine Oberseite ist leicht gewölbt. Der insgesamt schlichte Ambo hat oben eine leichte Schräge. Der Tabernakel ist eben in die Zwischenwand eingelassen: Er ist aus Bronze und Stahl, gefärbter Eiche und Blattgold gefertigt.      

Reliquien des Heiligen Liborius wurden im neuen Altar der Seminarkirche beigesetzt.pdp / Thomas Throenle Hintergrund: Um- und Erweiterungsbau des Erzbischöflichen Priesterseminars und Theologenkonvikts  

Der Gebäudekomplex aus Erzbischöflichem Priesterseminar und Theologenkonvikt wird seit Anfang 2015 nach neuesten energetischen Anforderungen zu einem Gesamtensemble umgestaltet, in dem bedarfsgerechte Räumlichkeiten für die Priesteraus- und -fortbildung sowie ein modernes Verwaltungsgebäude für verschiedene Mieter entstehen, beispielsweise für den Gemeindeverband des Hochstifts Paderborn, die Jugendverbände des Erzbistums oder das Dekanatsbüro des Dekanates Paderborn.  

Zunächst wurde mit dem Umbau des Leokonvikts begonnen, der Ende 2016 abgeschlossen wurde. Der Grundstein für den Erweiterungsbau des Priesterseminars wurde im Januar 2016 gelegt, knapp zehn Monate später standen der Rohbau des Erweiterungsbaus und auch der Rohbau der dort befindlichen neuen Seminarkirche. Mit der Weihe der neuen Seminarkirche ist jetzt auch die Fertigstellung des Neubaus in Verbindung des bisherigen Priesterseminars und des Theologenkonvikts abgeschlossen. Ab August 2017 bis voraussichtlich Sommer 2018 wird jetzt der bisherige Bestand des Priesterseminars weiter umgebaut und renoviert.  

Bei der Weihe des Altars wurde Weihrauch verbrannt.pdp / Thomas Throenle Die jetzt geweihte Kirche ist als verbindendes Element aber auch spirituell die „Herzmitte“ der gesamten Anlage. Insbesondere das Konzept für den Neubauteil des Priesterseminars sieht vor, dass der dort entstehende Wohnraum für Studierende, die Hausleitung, Ordensschwestern und Gäste bedarfsabhängig mit wenig Aufwand umgebaut werden kann.