„Unsere Welt weitet sich in die ewige Welt Gottes hinein“

Erzbischof Becker predigt am Hochfest Fronleichnam über die Gegenwart Gottes in der „kleinen Welt“ des Menschen

In der Gestalt des gewandelten Brotes wird Jesus Christus bei der Fronleichnamsprozession durch die Straßen und Felder getragen zum Segen für die Welt.Archivfoto: pdp Paderborn, 15. Juni 2017. „In der Kommunion bricht immer wieder Gottes Welt in unsere kleine Welt ein. Das Brot hält den Hunger nach Gottes Welt wach. Wir gehen mit unserem Glauben nach draußen, wie eine Einladung an die anderen. Wir sagen, dass wir etwas gefunden haben, das unsere Seele sättigt, das unsere Freude nährt, das unsere Hoffnung lebendig hält.“ Das sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt am Hochfest Fronleichnam im Hohen Dom zu Paderborn. Zahlreiche Gläubige waren zum Pontifikalamt in die Paderborner Bischofskirche gekommen. Im Anschluss an die Heilige Messe zog die Festgemeinde mit dem Allerheiligsten in einer Prozession durch die Straßen der Stadt.      

Das Handeln in der je eigenen Alltagswelt sei für den Menschen wichtig für den Blick auf und das Handeln in der „großen Welt“. „In meiner ‚kleinen Welt‘ fängt an, was sich groß auswirken kann“, so Erzbischof Becker zu Beginn seiner Predigt. Oftmals ziehe sich der Mensch in seine „kleine Welt“ zurück, weil die „große Welt“ beispielsweise in Form von Terror und Gewalt „hässliche Gesichter“ zeige. Jesus sei jedoch gegen die Angst aufgetreten, so der Paderborner Oberhirte weiter. „Gleich werden wir mit dem ‚Himmel‘ durch die Straßen unserer Gemeinde ziehen. Der ‚Himmel‘ ist schützend über ein Stück Brot ausgebreitet. Wir zeigen allen, dass wir noch nicht vergessen haben, was für uns der Himmel ist, besser noch: Wer für uns der Himmel ist. Es ist der Himmel, der in unsere kleine Welt einbricht, der Himmel Gottes, der klein und menschlich konkret wurde in Jesus Christus, dem Sohn Gottes“, sagte Erzbischof Becker im Hinblick auf die Fronleichnams-Prozession.  

Jesus habe ein tiefes Vertrauen in Gott gelebt. Dieses Vertrauen habe ihn gehalten und ihn auf Menschen zugehen lassen. So habe Jesus Menschen eine neue Zukunft und Lebensperspektive eröffnen können, erklärte Erzbischof Hans-Josef Becker: „Wir tragen das kleine Stück Brot unter dem ‚Himmel‘ durch unser kleines Stück Erde, das wir bewohnen. Wir gehen mit jener Botschaft durch die Straßen, dass wir auch hier bei uns von der Liebe Gottes getroffen sind und dass wir daraus leben. Unsere Welt weitet sich in die ewige Welt Gottes hinein“, so der Paderborner Erzbischof.  

Wenn auch der Mensch sich manchmal verloren vorkomme, so könne er sich doch gehalten wissen. „Wir sind Schwierigkeiten ausgesetzt und gehen doch voller Hoffnung unseren Weg. Denn dieses Stück Brot, das für die Gegenwart des Gottessohnes in unserer kleinen Welt steht, lässt uns die große Welt Gottes schmecken“, schloss Erzbischof Becker seine Predigt.  

Musikalisch gestaltet wurde das Pontifikalamt vom Paderborner Domchor und der Mädchenkantorei unter der Gesamtleitung von Domkapellmeister Thomas Berning.      

Stichwort: Fronleichnam  
Für die katholische Kirche ist Fronleichnam ein Hochfest, mit dem die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird. Der Name leitet sich ab von den althochdeutschen Worten „fron“ für „Herr“ und „lichnam“ für „Leib“. Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten wird das „Fest des Leibes und Blutes Christi“ begangen. Der Donnerstag als Termin des Festes steht in Verbindung mit Gründonnerstag, an dem der Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus beim letzten Abendmahl gedacht wird. Brot und Wein werden in der Eucharistie zu Leib und Blut Jesu Christi gewandelt. Bei der Fronleichnamsprozession wird somit Jesus Christus in der Gestalt des gewandelten Brotes in einer kostbaren Monstranz durch die Straßen und Felder getragen zum Segen für die Welt. 

Video: Fronleichnam 2014 - Prozession der Paderborner Innenstadtgemeinden