Der Sonntag gehört der Familie

Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, zur Debatte um verkaufsoffene Sonntage und zur Bedeutung und zum Wert des Sonntags für die Familie

Personen halten Plakat Der Hauptgeschäftsführer des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, und Geschäftsführer Martin Guntermann setzen ein deutliches Zeichen für den Sonntagsschutz.Patrick KleiboldPaderborn, 8. Juni 2017. Es ist wieder einmal so weit und in aller Munde: Akteure aus der Wirtschaft, diesmal zusammengeschlossen in der Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“, fordern, Läden sonntags nach Belieben öffnen zu dürfen. Ihre Argumentation: Die aktuellen Regelungen der Ladenöffnungszeiten benachteiligten den Einzelhandel gegenüber dem Online-Handel, stellten damit eine Wettbewerbsverzerrung dar und seien nicht mehr zeitgemäß. Und Karstadt-Chef Stephan Fanderl ist überzeugt: „Kunden, Mitarbeiter und Händler sind mündig genug, um selbst zu bestimmen, ob sie am Sonntag einkaufen, arbeiten oder verkaufen wollen.“

Für die Klientel, für die Fanderl spricht, mag das stimmen: Chefs, Filialleiter usw. können im Rahmen der gesetzlichen Regelungen tatsächlich selbst entscheiden, ob ihr Geschäft sonntags geöffnet wird oder nicht. Die Angestellten dagegen haben diese Entscheidungsfreiheit nicht: Wenn sie eine entsprechende Anweisung erhalten, müssen sie zur Arbeit kommen, ob werktags oder sonntags. Das unter „mündige Selbstbestimmung“ zu fassen, grenzt an Zynismus.

Eine weitere Beobachtung: Unter den in der Initiative zusammengeschlossenen Händlern sind Karstadt, Kaufhof und KaDeWe. Alles Händler, die über Online-Shops verfügen. Wie viel Prozent ihres Umsatzes machen sie wohl damit? Da wirkt es doch ein wenig unglaubwürdig, dass ausgerechnet diese Handelsketten und Kaufhäuser jetzt über die Benachteiligung des Einzel- gegenüber dem Online-Handel klagen.

Wenn der freie Sonntag für alle wegfällt, gibt es kaum mehr einen Zeitpunkt für gemeinschaftliche Aktivitäten. Darunter zu leiden haben in allererster Linie die Familien: die Kinder, denen ein wichtiges Stück Familie genommen wird, wenn ihre Eltern am Sonntag arbeiten müssen, und die Eltern, denen die Chance genommen wird, den oft einzigen gemeinsamen freien Tag in der Woche mit ihren Kindern zu verbringen. In besonderem Maß gilt das für die Alleinerziehenden.

Der Sonntag ist ein Tag des Atemholens und damit eine wertvolle Errungenschaft, die sich die Gesellschaft über einen langen Zeitraum hinweg erst mühsam erkämpfen musste. Er erinnert uns daran, dass es im Leben beides braucht: Zeiten der Arbeit und Zeiten der Ruhe. Diese Struktur ist bereits im Schöpfungsbericht der Bibel zu finden. Als Tag der Auferstehung Jesu hat der Sonntag für uns als Christen eine herausgehobene Bedeutung. Deswegen muss der Sonntag weiterhin für das Familienleben, für die Erholung und für den Gottesdienst da sein. Der Sonntag braucht unseren Schutz, weil er das Menschsein schützt.

Information zum Bonifatiuswerk

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken setzt sich bereits seit dem Jahr 2006 für den Sonntagsschutz und gegen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen ein. Ziel des Bonifatiuswerkes ist es, den Sonntag als Tag der Ruhe und Besinnung ganz im Leben der Christen zu verankern und die Familie wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken.