Einzigartige Sorge um Kranke und Hilfsbedürftige

Erzbischof Hans-Josef Becker stellt Wirken von Ordensgründerin Pauline von Mallinckrodt zum 200. Geburtstag heraus

Erzbischof Hans-Josef Becker stand dem Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn zum 200. Geburtstag der Seligen Pauline von Mallinckrodt vor.pdp / Ronald PfaffPaderborn, 2. Juni 2017. „Pauline von Mallinckrodt ist es in außergewöhnlicher und vorbildlicher Weise gelungen, andere Menschen mit Christus in Verbindung zu bringen“, sagte Erzbischof Hans-Josef Becker am heutigen Freitag im Pontifikalamt anlässlich des 200. Geburtstags der Ordensgründerin der Schwestern der Christlichen Liebe im Hohen Dom zu Paderborn. Ihre Sorge um Kranke und Hilfsbedürftige, um Blinde und um die heranwachsense Jugend sei einzigartig gewesen.

Die Schwestern der Christlichen Liebe in Paderborn hatten eingeladen, um den Geburtstag von Pauline von Mallinckrodt gebührend zu begehen. Das Pontifikalamt mit Erzbischof Hans-Josef Becker am Vorabend des eigentlichen Geburtstages von Pauline von Mallinckrodt war der Auftakt zu mehreren Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr.

Am Samstag feiern die Schwestern der Christlichen Liebe mit der Generalleitung aus Rom und den Oberinnen der Provinzen aus Nord- und Südamerika. Am Nachmittag gibt es im Mutterhaus an der Warburger Straße die Möglichkeit für alle Interessenten, am offenen Angebot teilzunehmen. Präsentationen und Filme zu Ordensgründerin stehen ebenso auf dem Programm wie ein Besuch im Museum über Pauline von Mallinckrodt sowie das Leben der Ordensgemeinschaft. Am 10. September folgt ein Fest für alle Kinder, die Pauline heißen.

Die Schwestern der Christlichen Liebe feierten mit vielen anderen Ordensvertretern und Gläubigen den 200. Geburtstag von Ordensgründerin Pauline von Mallinckrodt im Hohen Dom zu Paderborn.pdp / Ronald PfaffDie enge Verbindung mit Jesus, so Erzbischof Hans-Josef Becker, habe Pauline von Mallinckrodt die Kraft zu ihrem heiligmäßigen Leben gegeben, dass durch die Seligsprechung 1985 offiziell bestätigt wurde. Auch Rückschläge habe sie nicht entmutigt. Vielmehr habe sie mit ihr Wirken treu und mit dem Willen Gottes fortgesetzt, so dass es immer wieder neu aufblühen konnte. „Heute dürfen wir die selige Mutter Pauline als unser Vorbild und unsere Fürsprecherin verehren“, so der Erzbischof, der für die Gemeinschaft der Schwestern den Segen erbat, dass diese auch weiterhin mit Gottessegen das Werk von Pauline von Mallinckrodt fortsetzen könnten.

Auf dem Weg vom Hohen Dom zum Mutterhaus verteilten die Schwestern der Christlichen Liebe nach dem Festgottesdienst 200 Kerzen an Passanten.pdp / Ronald PfaffAls ein Zeichen, Licht und Wärme zu den Menschen zu bringen, überreichten die Schwestern der Christlichen Liebe auf dem Weg vom Hohen Dom zum Mutterhaus Passanten insgesamt 200 Kerzen. In der Kapelle des Mutterhauses fand dann ein kleiner Empfang statt, bei dem - wie schon im Hohen Dom - eine große Gästeschar die Bedeutung von Pauline von Mallinckrodt auch für Paderborn bestätigte. Zu den Gratulanten zählten auch Weihbischof em. Manfred Grothe, Weihbischof Hubert Berenbrinker, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Bürgermeister Michael Dreier sowie der ehemalige Bürgermeister Heinz Paus.   Am Grab von Mutter Pauline auf dem Friedhof am Mutterhaus endete der Auftakt des Jubiläums mit einer kurzen Andacht.

Hintergrund: Pauline von Mallinckrodt
1817 in Minden geboren, kam Pauline von Mallinckrodt im Alter von 22 Jahren mit ihrer Familie nach Paderborn, wo sie auf die soziale Not aufmerksam wurde, die durch die Industrialisierung zunahm. Sie schloss sich einem Frauenverein zur „Pflege armer Kranker in ihren Häusern” an und organisierte freiwillige Nachtwachen und Armenspeisungen. 1840 eröffnete sie eine „Kleinkinder-Bewahrschule”, in die sie bald auch blinde Kinder aufnahm. Damit legte sie den Grundstein für ihr privates Blindeninstitut, das von 1847 an den Namen „Provinzial-Blindenanstalt” trug. Ihren Wunsch, in einer Ordensgemeinschaft zu leben, stellte sie zunächst zurück, da sie die blinden Kinder nicht im Stich lassen wollte. Schließlich gründete sie 1849 eine eigene Gemeinschaft, die Kongregation der Schwestern der Christlichen Liebe.   Neben der Erziehung und dem Unterricht der Blinden engagierten sich die Schwestern zunächst vor allem in der Mädchenbildung. Die Kongregation, der nach etwa 20 Jahren bereits 245 Schwestern in 32 Wirkungsbereichen angehörten, erlebte anfangs eine Blütezeit. In der Zeit des "Kulturkampfes" jedoch mussten die Schwestern jede Unterrichts- und Erziehungstätigkeit aufgeben. Die dadurch bedingte Arbeitslosigkeit der Schwestern führte zur Ausbreitung der Kongregation in Nord- und Südamerika. Einige Monate vor ihrem Tod konnte Mutter Pauline in das noch immer enteignete Mutterhaus zurückkehren, wo sie am 30. April 1881 nach kurzer Krankheit starb. Am 14. April 1985 wurde sie in Rom selig gesprochen.