Sich von Gott angeschaut wissen

Erzbischof Becker erneuert die Weihe des Erzbistums Paderborn an die Gottesmutter

In einem feierlichen Gottesdienst in der Wallfahrtsbasilika Werl erneuerte Erzbischof Hans-Josef Becker die Weihe des Erzbistums Paderborn an die Gottesmutter Maria.pdp / Thomas ThroenlePaderborn / Werl, 27. Mai 2017. Zum Abschluss des Marienmonats Mai erneuerte Erzbischof Hans-Josef Becker in einem feierlichen Pontifikalamt in der Wallfahrtsbasilika in Werl die Weihe des Erzbistums Paderborn an die Gottesmutter Maria. Zuletzt wurde das Erzbistum Paderborn im Jahr 2014 der besonderen Fürsprache Mariens anvertraut, die in Werl als „Trösterin der Betrübten“ verehrt wird. Die Weihe des Erzbistums Paderborn an Maria war der Auftakt für einen großen Wallfahrtstag, der von verschiedenen marianischen Bewegungen und Gemeinschaften gestaltet wurde. Zahlreiche Gläubige aus dem ganzen Erzbistum waren der Einladung zur Wallfahrt zum Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ gefolgt. Die Wallfahrt im drittgrößten Marienwallfahrtsort Deutschlands hat eine jahrhundertelange Tradition.      

Es komme darauf an, den liebenden Blick Gottes weiter zu geben, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt bei einem Wallfahrttag zum Werler Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“.pdp / Thomas ThroenleIm Hinblick auf den in der Bibel überlieferten „Lobgesang Mariens“, dem Magnificat, führte Erzbischof Becker in seiner Predigt aus, Maria spreche darin ohne Angst von ihrer Hoffnung auf einen Gott, der die Mächtigen vom Thron stürze, den Erniedrigten die verlorene Ehre zurückgebe, einem Gott, der die Reichen leer ausgehen lasse und Hungernde mit seinen Gaben beschenke. Der Lobgesang Mariens sei ein Lied voller Sprengkraft, das die Machtverhältnisse dieser Welt auf den Kopf stelle, so der Paderborner Erzbischof. Dabei habe sich Maria „von Gott liebevoll angeschaut“ gewusst: Es habe sich tief in Marias Seele eingeprägt, dass Gott auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut habe. In diesem „von-Gott-angeschaut-Sein“ stecke Kraft.  

„Die Kirche ist von ihren ersten Anfängen an zutiefst davon überzeugt, dass Gott der Herr auf uns alle schaut, auf jede und jeden ganz persönlich“, erläuterte Erzbischof Becker. Dabei sei zudem selbstverständlich, den liebenden Blick Gottes weiter zu geben. „Die Verehrung, die Maria bis zum heutigen Tage unter den Menschen genießt, kommt nicht von ungefähr. Die Menschen haben gespürt und spüren, dass Maria uns nicht aus den Augen verloren hat. Ein Teil echter Marienverehrung sollte darin bestehen, dass wir den von Gott geschenkten liebenden Blick an andere weitergeben. Maria hat es uns vorgelebt. Sie geht mit uns als die Schwester aller, die von Gott angeschaut werden, und als die Schwester aller, die anderen zum Ansehen verhelfen.“  

Erzbischof Becker feierte das Pontifikalamt in der Wallfahrtsbasilika in Werl in Konzelebration mit zahlreichen Priestern aus dem Erzbistum Paderborn.pdp / Thomas ThroenleZum Abschluss seiner Predigt sagte Erzbischof Becker: „Das verbinde ich mit der Weihe unseres Erzbistums an die Muttergottes am heutigen Tag: Dass sich unsere Erzdiözese auf dem Weg in die Zukunft gern dem göttlichen Anblick aussetzt und sich immer von Gott angeblickt weiß!“  

Im Gebet zur Erneuerung der Weihe des Erzbistums Paderborn an die Gottesmutter, das am Schluss des Pontifikalamtes gesprochen wurde, beteten die Gläubigen: „Wir blicken auf dich, heilige Jungfrau und Mutter, und erkennen immer neu unsere eigene Berufung als Glieder der Kirche: Wir sollen Jesus Christus, sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung der Welt verkünden. Denn er ist das ewige Wort des Vaters, das Brot des Lebens, das menschliche Antlitz des unsichtbaren Gottes.“ Erzbischof Becker betete im Weihegebet: „Deinem mütterlichen Schutz vertrauen wir uns als Erzbistum Paderborn neu an, in einer Zeit vielfältiger Veränderungen und Unsicherheiten. Bitte für unser Erzbistum, dass es einen guten Weg geht in Treue zum Evangelium und im gemeinsamen Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Du nimmst uns alle in deine Arme und unter deinen mütterlichen Schutz. Wir versprechen dir unsere Treue und unsere Liebe.“  

In der Marienweihe wird das Erzbistum Paderborn der besonderen Fürsprache Mariens anvertraut. Sie ist für das Erzbistum eine gute Tradition.pdp / Thomas ThroenleAm Beginn des Wallfahrtstages begrüßte der Leiter der Wallfahrt in Werl, Pater Ralf Preker OFM, die zahlreichen Gläubigen in der Wallfahrtsbasilika. Es sei mittlerweile eine gute Tradition, dass das Erzbistum der Gottesmutter geweiht werde. Maria sei eine wichtige Zeugin des Glaubens und zugleich Inspiration für den Glauben zahlreicher Menschen. Domkapitular Meinolf Mika (Herne) und Pfarrer Markus Leber leiteten anschließend ein Morgengebet. Es gehöre zum Lebenswissen der Christen über viele Jahrhunderte, dass die Gottesmutter Maria eine hilfreiche Rolle für die Christusnachfolge habe, erläuterte Domkapitular Mika in seinem geistlichen Impuls. „Wenn Maria ins Spiel kommt, fängt der Glaube an und wächst die Beziehung zu Christus. Aus diesem Lebenswissen wächst die Marienweihe, sich Maria ‚angesellen‘, um sich mit ihr Christus ‚zugesellen‘“.  

Erzbischof Hans-Josef Becker zelebrierte das Pontifikalamt in der Werler Wallfahrtsbasilika. In seiner Begrüßung am Beginn des Pontifikalamtes erläuterte der Wallfahrtsleiter, Pater Ralf Preker OFM, der heutige Wallfahrtstag habe für Erzbischof Becker eine besondere Bedeutung, denn es sei der siebzigste Jahrestag der Trauung seiner Eltern, die sich vor 70 Jahren in der Wallfahrtsbasilika das Ehesakrament gespendet haben.  

Werner Rickert an der Orgel der Wallfahrtsbasilika und die Mühlenbachmusikanten aus Westönnen unter der Leitung von Matthias König gestalteten den Gottesdienst musikalisch.  

Zahlreiche Gläubige aus dem ganzen Erzbistum Paderborn nahmen am feierlichen Gottesdienst teil.pdp / Thomas ThroenleNach dem Pontifikalamt mit Erzbischof Hans-Josef Becker und der Weihe des Erzbistums Paderborn an die Gottesmutter hatten die Gläubigen die Möglichkeit zur von der Gruppe Totus Tuus vorbereiteten Eucharistischen Anbetung in der alten Wallfahrtsbasilika und zum Rosenkranz-Gebet in der Basilika. Das Rosenkranzgebet in der Wallfahrtsbasilika wurde von der Gruppe Fatima-Weltapostolat U. F. M. vorbereitet. Der Wallfahrtstag wurde mit einer Marienandacht abgeschlossen, an deren Ende der Sakramentale Segen gespendet wurde.  

Der Wallfahrtstag in Werl wurde mitgestaltet insbesondere von der Schönstattbewegung im Erzbistum Paderborn, dem Lourdesverein Westfalen e. V., der Gemeinschaft Totus Tuus, dem Medjugorje-Zentrum Deutschland sowie dem Fatima-Weltapostolat U. F. M..  

Leitwort der diesjährigen Wallfahrtszeit in Werl ist „Gottes Wort leben“. Seit 1661 pilgern Menschen zum Werler Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“, das in der Wallfahrtsbasilika in der Marienwallfahrtsstadt verehrt wird. Im Jahr 2011 konnte somit das 350-jährige Wallfahrtsjubiläum begangen werden. Damals waren rund 200.000 Wallfahrer in den bedeutenden Marienwallfahrtsort gekommen: Pilger aus dem ganzen Erzbistum Paderborn und darüber hinaus hatten an zahlreichen Pilgermessen, Pilgerandachten und Lichterprozessionen im Jubiläumsjahr teilgenommen.      

Stichwort „Marienwallfahrt Werl“  

Vor rund 350 Jahren, im Jahr 1661, gelangte durch die Vermittlung des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Maximilian Heinrich das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ nach Werl. Zuvor war es in der seit der Reformation evangelischen Kirche St. Maria zur Wiese in Soest verehrt worden. Damit begann in Werl die bis heute lebendige Marienwallfahrtstradition. Werl ist einer der bedeutendsten Marienwallfahrtsorte der Bundesrepublik, nach Kevelaer und Altötting der drittgrößte. Die Werler Madonna zählt zu den schönsten Mariendarstellungen Europas. Unter Papst Pius X. wurde das Gnadenbild 1911 gekrönt. Die Krone ist ein kostbares Schmuckstück, das die Madonna lediglich zu hohen Feiertagen trägt.