Bischof Emil Stehle verstorben

Nachruf auf den Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Paderborn

Paderborn/Konstanz, 18. Mai 2017. Die Theologische Fakultät Paderborn trauert um Bischof Emil Lorenz Stehle, seit 2000 Träger der Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät Paderborn. Der erste Bischof von Santo Domingo de los Colorados, Ecuador, verstarb am Dienstag, 16. Mai 2017, in Konstanz im Alter von 90 Jahren.

Geboren am 3. September 1926 in Herdwangen bei Mühlhausen (Kreis Überlingen), wurde Stehle am 24. Juni 1951 für das Erzbistum Freiburg zum Priester geweiht. In seinem Heimatbistum war er zunächst in der Gemeindeseelsorge tätig, bis er nach Südamerika wechselte und dort verschiedene Aufgaben übernahm, u.a. als Berater der Bischöflichen Aktion Adveniat. Zurück in Deutschland übernahm er von 1977 bis 1988 die Geschäftsführung des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks mit Sitz in Essen.

Im Jahre 1983 wurde der engagierte Friedenskämpfer und Südamerikakenner in Rom zum Bischof konsekriert und 1987 von Papst Johannes Paul II. zum ersten Bischof von Santo Domingo de los Colorados in Ecuador ernannt. Nach seiner Emeritierung 2002 zog es Stehle zurück in die Heimat. Zuletzt lebte er in Konstanz. Vor zehn Jahren erlitt er einen schweren Schlaganfall.

Der unermüdliche Einsatz des Verstorbenen für den Frieden, der ihm viele internationale Ehrungen und Auszeichnungen zuteilwerden ließ, hatte nicht zuletzt seine Wurzeln in der Erfahrung des Ausmaßes des Zweiten Weltkriegs. Mit knapp 18 Jahren geriet Stehle in französische Kriegsgefangenschaft. Seit Anfang April 1945 gehörte er zu den ersten vier Seminaristen des „Priesterseminars hinter Stacheldraht“, das sich zunächst in Orléans, seit August 1945 in Chartres befand.

Bis zur Auflösung gehörte Stehle diesem Seminar unter der Leitung des Paderborner Priesters Franz Stock an, dessen bescheidene und von Nächstenliebe geprägte Art Stehle für das Leben tief beeindrucken sollte. Als Gehilfe hatte er mit Stock ganz eng zusammengearbeitet. Er wusste von seinem bedingungslosen Einsatz für Frieden, Ausgleich und Gerechtigkeit, für den Bau von Brücken zwischen den verfeindeten Gruppen während des Krieges. Ebenso war ihm Stocks Sorge um die französischen Inhaftierten in den Gefängnissen der Wehrmacht in Paris und deren Begleitung zu den Erschießungen bekannt. Persönlich erlebte Stehle sein Vorbild dann als Leiter des Seminars. Unter den widrigsten Verhältnissen versuchte Stock allen Angehörigen das Leben so erträglich wie möglich zu machen.

Stehle gehörte zu den letzten, die nach dem Krieg in die Heimat nach Deutschland zurückkamen. Seine persönliche Verbundenheit zu Stock ist fortwährend prägend geblieben und zeigte sich auch äußerlich in dem Bischofsring, den Stehle zu seiner Bischofsweihe aus Chartres von Bischof Raoul Harscouët (1926-1954) erhielt, dem das „Seminar hinter Stacheldraht“ und Abbé Stock besonders am Herzen lag.