„Ihr seid die Kirche, Ihr haltet sie lebendig!“

Erzbischof Hans-Josef Becker segnet neue Kapelle des Pfadfinder-Diözesanzentrums in Rüthen

Die neue Kapelle des DPSG-Diözesanzentrums „Eulenspiegel“ in RüthenFoto: pdp/Lena Reiher Paderborn/Rüthen, 13. Mai 2017. Aus einem Sturm kann etwas ganz Besonderes entstehen: Im Januar 2007 „fällte“ der Orkan Kyrill einige Bäume rund um das in Rüthen gelegene Diözesanzentrum „Eulenspiegel“ der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) im Erzbistum Paderborn. Nach zehnjähriger Planungs- und Bauzeit ist an dieser Stelle jetzt ein architektonisch einzigartiger Kapellenbau entstanden, an dem viele Pfadfinderinnen und Pfadfinder selber mitgebaut haben. Erzbischof Hans-Josef Becker segnete dieses „Gemeinschaftswerk“ am Samstag bei einem „Tag der offenen Tür“: „Macht Eure neue Sankt-Georgs-Kapelle zu einem lebendigen Ort der Begegnung mit Gott und untereinander“, ermutigte der Paderborner Erzbischof die zahlreichen Gäste.      

Strahlende Gesichter bei der Schlüsselübergabe: Die neue DPSG-Kapelle kann nach zehnjähriger Planungs- und Bauzeit ihrer Bestimmung übergeben werden.Foto: pdp/Lena Reiher Drei unterschiedlich große Würfel, die sich zur Mitte hin einander zuneigen und sich gegenseitig halten – so sieht die neue Kapelle aus. Ausgeführt wurde sie von den RSK Architekten in Paderborn. Die drei Würfel stehen für die göttlichen Tugenden „Liebe, Glaube, Hoffnung“. Das Gebäude betritt der Besucher durch den kleinsten Würfel („Liebe“). Im zweiten Würfel, dem Kapellenraum („Glaube“), ragen schräge Wände nach oben, wo sich durch die Decke der Blick zum Himmel öffnet, darunter der Altar. Der Kapellenraum kann zu einem dritten Würfel, einem Versammlungsraum („Hoffnung“) geöffnet werden. „Durch die ungewohnten Formen des Gebäudes muss man sich orientieren, Halt suchen und Stand finden. Immer wieder neu, miteinander und mit Gott. So sind Pfadfinder und so ist unsere Kapelle“, erläutert DPSG-Diözesankurat Vikar Tobias Hasselmeyer.  

Das Wasser zur Segnung der Kapelle war aus den acht Pfadfinder-Bezirken im Erzbistum Paderborn nach Rüthen gebracht worden.Foto: pdp/Lena Reiher Zur Segnung der Kapelle feierte Erzbischof Hans-Josef Becker, früher selbst Pfadfinder, einen feierlichen Gottesdienst. Generalvikar Alfons Hardt und Diözesankurat Vikar Tobias Hasselmeyer konzelebrierten. „Wir alle haben ganz viel von unserer Leidenschaft in dieses neue Gotteshaus gesteckt. Jetzt gilt es, Jesu Leidenschaft in diesen Raum hineinzutragen“, sagte der Diözesankurat in der Begrüßung. Aus Flüssen aus den acht Pfadfinder-Bezirken im Erzbistum hatten die Pfadfinderinnen und Pfadfinder Wasser mitgebracht, mit dem Erzbischof Becker das Gebäude und die Menschen darin segnete. Vor der Lesung segnete der Paderborner Oberhirte auch den Ambo. Im Anschluss an den Wortgottesdienst folgte einer der beeindruckendsten Momente des Tages: Die massive Altarplatte in Form eines Kreuzes wurde durch die Gemeinde hindurch nach vorne getragen und „als letzter Stein der neuen Kapelle“ in die Altarstützen eingesetzt, bevor Erzbischof Becker den nun vollständigen Altar segnete.  

In seiner Predigt griff der Paderborner Erzbischof Parallelen zwischen einem Lagerfeuer und der Kirche auf. Schon bevor ein Feuer brenne, stifte es durch gemeinsame Vorbereitung Gemeinschaft. „Wenn es angezündet ist, sieht man es weit in der Dunkelheit. Andere werden darauf aufmerksam, machen sich vielleicht auf den Weg, um zum Feuer zu gelangen. So werden viele Menschen am Feuer zusammengeführt“, zog der Paderborner Erzbischof den Vergleich zur Kirche. Genau wie bei einem Feuer müssten Christen sich der Mitte bewusst sein, „auf die wir uns immer wieder neu ausrichten müssen: Jesus.“  

Erzbischof Hans-Josef Becker segnete zu Beginn der Heiligen Messe das Kapellengebäude und die Festgemeinde.Foto: pdp/Lena Reiher Die neue Kapelle solle ein Ort sein, an dem Gemeinschaft mit Gott und untereinander erfahrbar sei, erklärte Erzbischof Becker. Glaubenserfahrungen an besonderen Orten wie diesem könnten helfen, den Alltag von der Gegenwart Gottes erfüllen zu lassen. Erzbischof Becker bestärkte die Pfadfinder: „Diese Kapelle wird kein lebendiger Raum, wenn Ihr sie nicht mit Leben erfüllt. Die Kirche sind wir alle miteinander. Ihr seid die Kirche, Ihr haltet sie lebendig.“ Er legte den jungen Christen die Worte Jesu aus dem Johannes-Evangelium ans Herz: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.“  

Beim Bau der Kapelle hatten die Pfadfinder das Ziel, möglichst viele Arbeiten an ihrem Gotteshaus selbst zu übernehmen. „Dafür haben wir einen großen Teil unserer Freizeit investiert. Es war immer wieder spürbar, wie sehr sich die fleißigen Helfer mit ‚ihrer‘ Kapelle identifizieren. Viele unserer Kapellenbauer wissen ganz genau, welche Schindeln sie hier angebracht haben. Deswegen ist das heute auch der Tag aller, die hier mitgebaut haben“, erklärte DPSG-Diözesanvorsitzende Anna Werner bei der feierlichen Schlüsselübergabe durch Architekt Thomas Rehermann.  

Junge und alte Gäste feierten den Tag der Segnung „ihrer“ Kapelle, im Vordergrund die Altarplatte.Foto: pdp/Lena Reiher Generalvikar Alfons Hardt überbrachte als Geschenk des Erzbistums Kelch und Hostienschale für den Altar der neuen Kapelle und wünschte Gottes reichen Segen. Martina Luft, Dietmar Vitt, Hans-Georg Hunstig von den Freunden und Förderern der DPSG waren in ihren Grußworten voll der Freude: „In all den Jahren der Planung habe ich immer wieder erlebt, dass alle hier eine Kapelle wollten. Die Pfadfinder wollten hier Kirche vor Ort sein. Die Zeit war reif, um das starke Zeichen zu setzen: Wir schaffen hier trotz mancher Widrigkeiten einen pastoralen Ort für Kinder und Jugendliche“, so Dietmar Vitt. Architekt Thomas Rehermann erklärte das architektonische Konzept der Kapelle, das die Pfadfinder-Mentalität ausdrückt: „Keiner der Würfel kann für sich stehen, aber gemeinsam sind sie stark und halten sich.“  

Die Altarplatte wurde durch die Gemeinde hindurch zu den Altarstützen getragen und dort als „letzter Stein“ der neuen Kapelle eingesetzt.Foto: pdp/Lena Reiher Neben dem „offiziellen“ Programm des Tages konnten die Gäste beim „Tag der offenen Tür“ in Führungen die neue Kapelle in Ruhe bestaunen. Nach einem Konzert mit Sänger und Liedermacher Samuel Harfst konnten sich die jungen Pfadfinderinnen und Pfadfinder zum Ausklang des Abends am Lagerfeuer noch einmal um eine gemeinsame Mitte versammeln.  

Wie finden die Pfadfinderinnen und Pfadfinder „ihre“ neue Kapelle? „Cool“, lautet die knappe, aber überzeugte Antwort von Nick Schmitt aus Paderborn, 10 Jahre alt und seit drei Jahren Pfadfinder: „Weil sie so ganz anders ist als normale Kirchen“. Julian Schonlau, 27 Jahre, ebenfalls aus Paderborn, hat als langjähriger Pfadfinder selber an der Kapelle mitgebaut: „Ich habe die Dachlatten angeschraubt“, erklärt der junge Mann. „Und gerade im Abendlicht, wenn man aus dem Gemeinschaftsraum der Kapelle guckt und die Sonne untergeht, ist die Kapelle einfach nur überragend.“      

Nick Schmitt (l.) und Julian Schonlau, beide Pfadfinder aus Paderborn, sind stolz auf „ihre“ neue Kapelle.Foto: pdp/Lena Reiher Die Kapelle ist zugänglich in der Zeit von 8 bis 15 Uhr – wenn Haus oder Zeltplätze belegt sind. Als „Kapelle am Weg“ steht sie nach Absprache auch Gruppen außerhalb der DPSG zur Verfügung. Kontakt: DPSG Diözesanbüro, Leostraße 21, 33089 Paderborn, Tel.: 05251-206230, info@dpsg-paderborn.de (Kapelle St. Georg DPSG Diözesanzentrum, Eulenspiegel 9, 59602 Rüthen)      

Hintergrund: Die Entstehung der neuen Kapelle in Rüthen  
In der Jugendbildungsstätte der DPSG im Erzbistum Paderborn, dem Diözesanzentrum „Eulenspiegel“, fehlte bisher ein Raum, der Platz für die Gottesdienste und für große Gruppen bot. Nach dem Orkan Kyrill entstand die Idee, einen solchen Raum zu konzipieren. Im September 2014 konnten Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus der ganzen Erzdiözese Anregungen zur Innengestaltung zusammenbringen – dieser Ideensammlung ist zum Beispiel eine Hörstation oder ein Sternenhimmel zu verdanken, die jetzt realisiert wurden. Die geplanten Kosten von derzeit über 600.000 Euro hat zu einem Großteil das Erzbistum Paderborn übernommen. „Neben einer Reihe von Großspendern gibt es aber auch eine Vielzahl an kleineren Spenden von Unternehmen oder von Pfadfinderstämmen, die dafür kreative Sammelaktionen gestartet haben“, so DPSG-Diözesanvorsitzender Patrick Höckelmann.      

Hintergrund: Der DPSG-Diözesanverband Paderborn  
Im DSPG-Diözesanverband Paderborn sind rund 7.000 Kinder und Jugendliche in etwa 90 Ortsgruppen organisiert. Mehr als 1.300 ehrenamtlich tätige Leiterinnen und Leiter sind beim Diözesanverband engagiert. Die Grundidee der Pfadfinderbewegung liegt im Erleben von Gemeinschaft und in der Übernahme von Verantwortung. Die DPSG engagiert sich in verschiedenen Arbeitskreisen für ein faires Miteinander in einer friedlichen Welt und für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gestaltung von Gesellschaft und Kirche. Ein öffentlich stark wahrgenommenes Zeichen für den Frieden setzt der Verband mit seiner Beteiligung an der Aktion „Friedenslicht aus Bethlehem“.