Liebe zum Nächsten als Maßstab der Gottesliebe

Weihbischof Manfred Grothe weiht drei Diakone in der Pfarrkirche in Attendorn

Durch Handauflegung und Gebet weihte Weihbischof Manfred Grothe drei Männer zu Diakonen. Hier legt er Johannes Sanders die Hände auf. Zuvor empfingen (v.l.n.r.) Christian Schmidtke und Daniel Wäschenbach das Weihesakrament.pdp / Thomas Throenle Paderborn / Attendorn, 6. Mai 2017. Drei Männern, die sich als Seminaristen des Erzbischöflichen Priesterseminars Paderborn auf den Dienst als Priester vorbereiten, spendete Weihbischof Manfred Grothe im Auftrag von Erzbischof Hans-Josef Becker durch Handauflegung und Gebet in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Attendorn am Samstag die Diakonenweihe. „Der Geist des Herrn erfüllt das All …“ hatte die Gemeinde aus dem Gotteslob gesungen, bevor die Weihekandidaten in das Gotteshaus einzogen. „Hier bin ich“, sagten zu Beginn des Gottesdienstes vor dem Weihbischof stehend laut und für alle vernehmbar die Weihekandidaten Johannes Sanders aus Neheim, Christian Schmidtke aus Arnsberg und Daniel Wäschenbach aus Bielefeld.      

Zahlreiche Gäste aus den Heimat- und Praktikumsgemeinden, Verwandte, Freunde, Bekannte und Wegbegleiter waren zur Feier der Diakonenweihe nach Attendorn gekommen. Seit 1995 findet die Weihe der Diakone, die auf dem Weg zum Priesteramt sind, in einer der Pfarreien des Erzbistums Paderborn statt. So wird deutlich, dass die Kandidaten aus den verschiedenen Pfarreien des Erzbistums kommen und dort später als Diakone und Priester wieder eingesetzt werden. Nach 2006 fand jetzt bereits zum zweiten Mal die Weihe von Diakonen, die sich auf den Priesterberuf vorbereiten, in Attendorn statt.  

Bestandteil der Weiheliturgie ist das Überreichen des Evangelienbuches. Hier empfängt der neu geweihte Diakon Johannes Sanders aus der Hand von Weihbischof Manfred Grothe das Evangeliar. Im Hintergrund Diakon Christian Schmidtke und Diakon Daniel Wäschenbach (r.).pdp / Thomas Throenle „Wie seine Jünger damals, so ruft der Herr heute Sie, um Sie verbindlich in den Dienst seiner Kirche zu nehmen“, führte Weihbischof Manfred Grothe in seiner Predigt aus. Für die Weihekandidaten sei es entscheidend, sich vom Herrn der Kirche ansprechen und rufen zu lassen. Dabei stelle Jesus auch den Weihekandidaten die Frage, die er bereits Simon Petrus gestellt habe: „Liebst du mich?“ (Joh 21,15). Diese Frage stehe im Zentrum jeder Berufung, jeder Berufene müsse sie für sich persönlich aufrichtig beantworten. Weihbischof Grothe fragte anschließend nach „Maßstäben für diese Liebe“ und erläuterte: „Äußere Maßstäbe für die Gottesliebe setzt die Liebe zum Anderen, zum Nächsten. Nehme ich ihn an? Gehe ich auf ihn zu? Weiß ich, dass ich für ihn da bin und Verantwortung übernommen habe und nicht er für mich, dass ich erst einmal zu ihm gesandt bin und nicht er zu mir?“ Es komme darauf an, auch den zu lieben und zu respektieren, der unbequem sei, für den Anderen wirklich offen zu sein.  

Zum Abschluss seiner Predigt sagte Weihbischof Grothe: „Ostern mit der Auferstehung ist grundsätzlich die Wende von der Schuld zur Vergebung, von der Angst und der Vergeblichkeit zu neuer Hoffnung und Zukunft. Wo der Herr an das Ufer unseres Lebens tritt, da bricht ein neuer Morgen an, da erhält das Leben einen neuen Sinn und eine neue Perspektive.“ „Dies, heute, ist Ihr neuer Morgen!“, sagte er insbesondere zu den Weihekandidaten.  

Diakone legen gegenüber dem Bischof das Versprechen der Ehrfurcht und des Gehorsams ab. Hier legt Daniel Wäschenbach seine Hände in die Hände von Weihbischof Manfred Grothe. Im Hintergrund Johannes Sanders.pdp / Thomas Throenle Im feierlichen Gottesdienst wurden die drei Diakonatsweihekandidaten durch einen Diakon aufgerufen, sie traten vor Weihbischof Manfred Grothe und erklärten mit den Worten „Hier bin ich!“ ihre Bereitschaft zur Weihe. Dann bat der Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars Paderborn, Domkapitular Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, den Bischof im Namen der Kirche, den Männern die Diakonenweihe zu spenden. Weihbischof Grothe sagte: „Mit dem Beistand unseres Herrn und Gottes Jesus Christus, des Erlösers, erwählen wir diese unsere Brüder zu Diakonen“. Die versammelte Gemeinde bekundete danach ihre Zustimmung zur Erwählung der Diakone mit den Worten „Dank sei Gott, dem Herrn.“  

Zu Beginn der Weiheliturgie sangen die Gottesdienstgemeinschaft und der Chor im Wechsel mit den Weihekandidaten das Lied „Komm, Heilger Geist, der Leben schafft …“ und rief damit den Heiligen Geist um seinen Beistand an. Dann wurden die Weihekandidaten von Weihbischof Manfred Grothe nach ihrer Bereitschaft zum diakonalen Dienst und zum Gehorsam gegenüber den Weisungen der Kirche befragt. Jeder Kandidat erklärte seine Bereitschaft, sich zum Diakon weihen zu lassen, in Gemeinschaft mit dem Bischof und den Priestern dem Volk Gottes zu dienen, den Glauben in Wort und Tat zu verkünden, das Stundengebet zu feiern, den Bedürftigen zu helfen und sein Leben in der Nachfolge Jesu Christi zu gestalten. Danach traten die Weihekandidaten einzeln vor Weihbischof Grothe, knieten sich jeweils vor ihn, legten ihre Hände in seine Hände und versprachen dabei ihrem Bischof und seinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam. In der anschließenden Allerheiligenlitanei wurden die Heiligen der Kirche um Beistand angerufen, zum Zeichen ihrer besonderen Hingabe lagen dabei die Weihekandidaten ausgestreckt auf dem Boden.  

Drei Männer empfingen in der Pfarrkirche Johannes Baptist in Attendorn die Diakonenweihe. (V.l.n.r.) Christian Schmidtke, Daniel Wäschenbach, Johannes Sanders.pdp / Thomas Throenle Durch Auflegen der Hände und sein Gebet spendete Weihbischof Manfred Grothe danach die Weihe. Im anschließenden Weihegebet betete der Weihbischof: „Das Evangelium Christi durchdringe ihr Leben. Selbstlose Liebe sei ihnen eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und Armen. Mit Würde und Bescheidenheit sollen sie allen begegnen, lauter im Wesen und treu im geistlichen Dienste. In ihrem Wirken sollen Jesu Weisungen aufleuchten, das Beispiel ihres Lebens soll die Gemeinde auf den Weg der Nachfolge führen. So bezeugen sie wahrhaft den Glauben und bleiben bis ans Ende fest in Christus verwurzelt.“  

Die neuen Diakone erhielten dann aus den Händen von Propst Hubertus Böttcher (Arnsberg), Propst Meinolf Kemper (Marsberg) und Pfarrer Stephan Jung (Neheim) die Stola, die als Zeichen des diakonalen Amtes während der Liturgie getragen wird, sowie das liturgische Gewand des Diakons, die Dalmatik. Schließlich überreichte Weihbischof Manfred Grothe jedem einzelnen Diakon symbolisch das Evangelienbuch mit den Worten: „Empfange das Evangelium Christi. Zu seiner Verkündigung bist du bestellt. Was du liest, ergreife im Glauben, was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, erfülle im Leben.“ Als Zeichen der besonderen Verbundenheit und Gemeinschaft tauschte Weihbischof Grothe mit jedem neugeweihten Diakon den Friedensgruß. Dann tauschten auch die Konzelebranten sowie alle anwesenden Diakone mit den Neugeweihten den Friedensgruß als Zeichen der Gemeinschaft im Dienstamt.  

Weihbischof Manfred Grothe tauschte mit den neu geweihten Diakonen den Friedensgruß, hier mit Diakon Christian Schmidtke.pdp / Thomas Throenle An die Weiheliturgie schloss sich die Eucharistiefeier an. Dabei bereiteten zwei der zuvor geweihten Diakone, Diakon Christian Schmidtke und Diakon Daniel Wäschenbach, den Altar und nahmen die Gaben für die Feier der Eucharistie in Empfang.  

Der feierliche Gottesdienst wurde geleitet von Weihbischof Manfred Grothe, Pfarrer Andreas Neuser (Attendorn), Regens Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Spiritual Christian Städter und Subregens Michael Kammradt konzelebrierten. Musikalisch wurde die Diakonenweihe in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist Attendorn gestaltet durch einen eigens gebildeten Projektchor und die Schola des Erzbischöflichen Theologenkonvikts Collegium Leoninum unter der Leitung von Tim Störmer. Die Gesamtleitung hatte Martin Nyqvist. Er spielte im Gottesdienst auch die Orgel. Als Solistin wirkte Woohee Roh-Nyqvist, als Kantor Josef San Torcuato OSB.  

Dechant Andreas Neuser hatte als Pfarrer von St. Johannes Baptist in Attendorn zu Beginn des Gottesdienstes Weihbischof Manfred Grothe, die Leitung des Erzbischöflichen Priesterseminars Paderborn, die zahlreich teilnehmenden Priester und Diakone und insbesondere die Weihekandidaten begrüßt. Die Pfarrkirche von Attendorn stehe für eine lange Tradition des Glaubens und auch die Diakonenweihe habe mit der Weitergabe des Glaubens zu tun, führte Dechant Neuser aus. Die Diakonenweihe führe an die Seite der Menschen.  

Nach der Diakonenweihe stellten sich die neu geweihten Diakone, Weihbischof Manfred Grothe und die Konzelebranten gemeinsam mit den Ministranten aus Attendorn zu einem Gruppenfoto auf.pdp / Thomas Throenle Nach der Weiheliturgie und Messfeier fand im vom Erzbistum Paderborn getragenen St. Ursula Gymnasium in Attendorn ein Empfang statt. Ein Vespergottesdienst in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Attendorn beschloss den besonderen Tag für die neuen Diakone.      

Zu Diakonen wurden geweiht:  

Diakon Johannes Sanders aus der Pfarrei St. Johannes Baptist in Neheim und Vosswinkel. Er wurde 1990 in Neheim geboren. Nach seinem Abitur am Franz-Stock-Gymnasium in Arnsberg-Neheim studierte er Theologie an der Theologischen Fakultät Paderborn und der Ludwig-Maximilian-Universität München. Anschließend absolvierte er ein Pastoralpraktikum in Iserlohn. Seine Diakonatsgemeinde ist die Kirchengemeinde St. Aloysius in Iserlohn, Pastoralverbund Iserlohn.

Diakon Christian Schmidtke aus der Pfarrei Liebfrauen in Arnsberg. Er wurde 1986 in Iserlohn geboren. Von 2009 bis 2011 absolvierte Schmidtke eine Ausbildung zum staatlich examinierten Altenpfleger beim Caritas-Verband Arnsberg-Sundern, um anschließend ein Propädeutisches Jahr im Erzbischöflichen Priesterseminar Paderborn zu durchlaufen. Von 2013 bis 2016 studierte er Katholische Theologie im Interdiözesanen Studienhaus St. Lambert in Lantershofen. Im Pastoralen Raum Am Revierpark in Dortmund absolvierte er sein Pastoralpraktikum. Hier, im Pastoralen Raum Am Revierpark in Dortmund, ist auch seine Diakonatsstelle.

Diakon Daniel Wäschenbach aus der Pfarrei St. Elisabeth in Bielefeld. Er wurde 1990 in Bielefeld geboren. Nach seinem Abitur im Jahr 2010 studierte er Theologie und Philosophie an der Theologischen Fakultät Paderborn und an der Universität Wien. Nach dem Abschluss seines Studiums wurde er 2016 in das Erzbischöfliche Priesterseminar Paderborn aufgenommen, seit Oktober 2016 absolviert er ein Schul- und Diakonatspraktikum im Pastoralverbund Attendorn. Seine Diakonatsgemeinde ist die Kirchengemeinde St. Johannes Baptist in Attendorn, Pastoralverbund Attendorn.      

Stichwort: Diakon  

Das Wort Diakon leitet sich vom griechischen Wort diakonos ab und bedeutet „Diener“, „Helfer“. Ein Diakon ist gesandt zur besonderen Nachfolge Christi. Innerhalb der Kirche bekleidet er ein geistliches Amt, den Diakonat. Seine Aufgaben beschränken sich aber nicht auf den Gottesdienst (leiturgia - Liturgie), vielmehr umfassen sie auch die Verkündigung (martyria – Zeugnis) und den „Dienst am Nächsten“ (diakonia – Diakonie / Caritas) und damit alle drei Grundvollzüge der Kirche. Für einen Diakon ist der „Dienst am Nächsten“ wesentlich, er ist insbesondere dazu aufgerufen, zu den Armen und Kranken, den „Menschen am Rande“ zu gehen. Die von einem Bischof gespendete sakramentale Weihe zum Diakon ist eine Stufe des dreigliedrigen Weihesakraments (Diakon – Priester – Bischof), dadurch ist der Diakon in die Gemeinschaft der Geistlichen, den Klerus, eingegliedert.  

Diakone assistieren dem Priester bei der Feier der Eucharistie, verkünden dabei das Evangelium und dürfen predigen. Sie können das Sakrament der Taufe spenden, bei der kirchlichen Eheschließung assistieren, Beerdigungen leiten, Wortgottesdienste feiern und die Kommunion spenden. Die Feier der Eucharistie bleibt den Priestern vorbehalten, ebenso wie die Spendung des Sakramentes der Krankensalbung und des Bußsakramentes.  

Verheiratete Männer, die 35 Jahre und älter sind, können nach einer entsprechenden Ausbildung und mit Zustimmung ihrer Ehefrau zum Diakon geweiht werden, um als Ständiger Diakon eingesetzt zu werden. Ständige Diakone üben in der Regel zusätzlich zum Seelsorgedienst einen bürgerlichen Beruf aus. Wer ein Zölibatsversprechen ablegt, kann die Diakonenweihe bereits mit 25 Jahren empfangen. Auch Priesteramtskandidaten werden zunächst zum Diakon und dann zum Priester geweiht.  

Bei von einem Diakon geleiteten Gottesdiensten trägt der Diakon als Amtszeichen die Diakonenstola über dem Chorgewand oder der Albe. Die liturgische Kleidung des Diakons bei der Assistenz in der Eucharistiefeier ist die Dalmatik, die wie das priesterliche Messgewand über Albe und Stola getragen wird.