„Großes ist möglich, wenn man eine Vision glaubt“

Auf der Landesgartenschau Bad Lippspringe hat der GlaubensGarten seine Tore geöffnet / Sieben Religionen beteiligen sich am Projekt

Vertreter der beteiligten Glaubensgemeinschaften und das Projektteam vor dem Pavillon des Glaubensgartens.pdp/Ronald PfaffBad Lippspringe, 29. April 2017. Sieben Religionsgemeinschaften, insgesamt sechs Jahre Vorbereitung und über die Jahre 370 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer: Das sind die Eckdaten des GlaubensGartens, der am Samstag auf der Landesgartenschau in Bad Lippspringe mit einem Festakt offiziell seine Tore öffnete. An dem Angebot im Kaiser Karls Park sind Christen, Bahá’i, Hindus, Buddhisten, Muslime, Sikh und Juden beteiligt. Laut Projektteam ist dies bundesweit die umfassendste interreligiöse Präsenz, die jemals auf einer Landesgartenschau verwirklicht wurde. Der Garten dient der Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen und bietet den Besuchern der Landesgartenschau die Möglichkeit, sich über die verschiedenen Religionen zu informieren. 

Die beteiligten Religions- und Glaubensgemeinschaften haben sieben Gärten mit jeweils typischen Symbolen und Texten gestaltet. Im Zentrum der kreisförmig angelegten Gärten steht ein 9x9 Meter großer, offener und durch Leuchtstäbe von innen künstlerisch gestalteter Pavillon, der ab sofort für Angebote genutzt werden kann. Der christliche Garten wurde gemeinsam von katholischer, evangelischer, neuapostolischer und syrisch-orthodoxer Kirche von Antiochien gestaltet und stellt thematisch durch ein Becken mit sprudelndem Wasser die gemeinsame Taufe ins Zentrum. Das Becken befindet sich auf einem viereckigen Holztisch, der an das Abendmahl erinnert. Gleichzeitig symbolisieren die vier Seiten die vier beteiligten christlichen Konfessionen, die verschieden und doch miteinander verbunden sind. 

Beim Festakt zur Eröffnung des Glaubensgartens sprach Dechant Benedikt Fischer als Vertreter der katholischen Kirche.pdp/ Ronald PfaffAm Festakt nahmen Vertreterinnen und Vertreter aller beteiligten Religions- und Glaubensgemeinschaften sowie der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Damian teil. Für die katholische Kirche sagte Domkapitular Benedikt Fischer, Dechant des Dekanates Paderborn, dass er schon beim ersten Betreten des GlaubensGartens Ergriffenheit empfunden habe. Die Gestaltung strahle Wärme aus und bewirke ein Wohlgefühl. Beeindruckend sei aber nicht nur die Ästhetik, sondern auch der intensive Verständigungsprozess, der der Verwirklichung vorausgegangen sei. „Der heutige Tag zeigt: Großes ist möglich, wenn man an eine Vision glaubt“, so Dechant Fischer. Der Glaubensgarten zeige deutlich, dass Religionen in Dialog miteinander treten können und nicht „Stein des Anstoßes“ für Krieg und Unfriede sein müssten, fuhr Dechant Fischer fort. „Möge der GlaubensGarten das stiften, was wir in unserer Zeit so dringen brauchen: dass wir menschenwürdig miteinander umgehen und Frieden haben.“ 

Pfarrer Georg Kersting und Dechant Benedikt Fischer im Garten, der von der jüdischen Kultusgemeinde Paderborn gestaltet wurde.pdp/Ronald PfaffAuch die Vertreter der anderen beteiligten Religionen würdigten den Glaubensgarten als Symbol dafür, dass Frieden zwischen den Religionen möglich sei, sprachen Gebete aus ihren Glaubenstraditionen und wünschten dem Projekt Gottes Segen. Pfarrerin Antje Lütkemeier, Sprecherin des GlaubensGartens und Gemeindepfarrerin in Bad Lippspringe, erinnerte an den langen Weg von der Vision bis zur Verwirklichung, der manchmal auch mühsam gewesen sei. Letztlich habe man aber durch die Gespräche viel miteinander, voneinander und über sich selbst gelernt und sei nie von der Überzeugung abgewichen, dass dieses „Statement gegen Angst und Hass“ notwendig sei. Sie bedankte sich bei allen Beteiligten für die investierte Zeit, die Ideen, die Ermutigung und die Gebete. Künstlerisch wurde der Festakt vom Bahá’i-Chor „Stimmen Bahas“ und indischen Tänzen gestaltet. Christen der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien trugen ein gesungenes Vater Unser in aramäischer Sprache vor.

Das Ridván-Fest der Bahá’i, das vom 21. April bis 2. Mai begangen wird, prägte die Feier, die sich an den Festakt anschloss. Das Fest erinnert an die erste öffentliche Verkündigung des Religionsgründers Baha'u'llah im Garten Ridván in der Nähe von Bagdad. 

Das Angebot des GlaubensGartens

Zum Programm des Festaktes zählte auch Musik und Tanz. Im Bild eine kleine Tänzerin, die einen indischen Tanz vorführte.pdp/Ronald PfaffIm Pavillon des Glaubensgartens finden tägliche Andachten und Meditationen um 12 und 17 Uhr statt, die abwechselnd von den Glaubensgemeinschaften gestaltet werden. Samstags, am „Tag der Religionen“, wird um 12 und 17 Uhr zum interreligiösen Gebet eingeladen, öffentliche Führungen werden samstags und sonntags von 12.30 bis 13.30 Uhr angeboten. Zusätzlich können Gruppen weitere Führungen vereinbaren. Über 40 sind bereits gebucht. An jedem zweiten und vierten Freitag im Monat findet von 17.30 bis 19 Uhr als Auftakt zum Wochenende das „Welcome Weekend“ statt, ein Angebot mit Begegnungen, Gesprächen, Verabredungen und vielem mehr.

Möglich gemacht wird dieses große Angebot durch das Engagement von insgesamt 180 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die für Führungen, Präsenzdienst und Andachten geschult wurden. Seitens der katholischen Kirche ist der Pastorale Raum „An Egge und Lippe“ mit Sitz in Bad Lippspringe federführender Akteur im Projekt. Pfarrer Georg Kersting ist u.a. für die Betreuung der ehrenamtlichen Präsenzdienste zuständig und arbeitet in der Gesamtleitung des GlaubensGartens mit. Der Pastorale Raum wird bei diesem großen Projekt unterstützt durch den Dekanatsreferenten des Dekanats Paderborn, Rainer Fromme. Gefördert wurde der GlaubensGarten aus dem Fonds für neue Projekte zur Umsetzung des Zukunftsbildes.